Paul White ist zwei Jahre beim Tanztheater – und wird bereits als „Tänzer des Jahres“ ausgezeichnet.

Interview
Auch auf der Bühne sprüht der Tänzer vor Energie: Paul White in „Nelken“.

Auch auf der Bühne sprüht der Tänzer vor Energie: Paul White in „Nelken“.

Paul White: „Meine Preise sind bei meiner Mutter, unten im Kleiderschrank.“

Oliver Look, Bild 1 von 2

Auch auf der Bühne sprüht der Tänzer vor Energie: Paul White in „Nelken“.

Wuppertal. „16 Minuten“, sagt Paul White und grinst. So schnell ist der Australier mit dem Fahrrad aus dem Luisenviertel zum Büro des Tanztheaters am Alten Markt gefahren. Der 31-Jährige, der kürzlich zum „Tänzer des Jahres“ gewählt wurde, sprüht vor Energie.

Bis vor kurzem verfolgte der frühere australische Meister in Sport-Aerobic immer mehrere Projekte gleichzeitig, entwickelte zudem erfolgreich eigene Choreographien, organisierte Tanz- und Filmfestivals in Sydney, gab und gibt immer noch gerne Workshops. Im Gespräch sagt er jetzt: „Außerhalb des Tanztheaters existiert für mich nichts mehr.“ Na ja – fast.

Interview
Auch auf der Bühne sprüht der Tänzer vor Energie: Paul White in „Nelken“.

Auch auf der Bühne sprüht der Tänzer vor Energie: Paul White in „Nelken“.

Paul White: „Meine Preise sind bei meiner Mutter, unten im Kleiderschrank.“

Anna Schwartz, Bild 1 von 2

Paul White: „Meine Preise sind bei meiner Mutter, unten im Kleiderschrank.“

Herr White, das ging schnell: Sie tanzen nicht einmal zwei Jahre in Wuppertal und sind schon „Tänzer des Jahres“. Wie wichtig ist Ihnen die Auszeichnung?
Paul White:
Das Besondere, das Aufregende an diesem Preis ist: Er bedeutet, dass neue Tänzer auch ohne Pina die Stücke lernen können und sich in die Kompanie einfügen.

Verändern sich die Stücke durch eine neue Besetzung?
White:
Ja schon. Am wichtigsten ist es aber, die Stimmung eines Stücks zu finden. Und die wirkliche Stimmung kommt nur auf der Bühne, habe ich gemerkt. Ohne die Energie einer Vorstellung fühlt man die Magie eines Stücks nicht.

Sie haben sich in kurzer Zeit schon Rollen in zwölf Stücken des Wuppertaler Tanztheaters erarbeitet. Werden Sie durch den Preis nun noch mehr oder anders besetzt?
White:
Nicht wirklich.

Paul White, geboren am 12. Juni 1983 im australischen Lismore, hat mit drei Jahren angefangen zu tanzen und bereits mit 13 Jahren als kommerzieller Tänzer gearbeitet. Seit 2001 hat er mit zahlreichen Tanzkompanien weltweit gearbeitet und wurde in Australien und Großbritannien vielfach ausgezeichnet. Seit November 2012 ist er Mitglied des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch und hat bereits in zwölf Stücken getanzt.

Der „Tänzer des Jahres“ wird ebenso wie die Tänzerin, der Choreograph, die Kompanie und die Produktion des Jahres in einer jährlichen Kritikerumfrage der Zeitschrift „Tanz“ gekürt. Bei Paul White heißt es zur Begründung für die Auszeichnung: „Weil der Novize des Wuppertaler Tanztheaters genau das in den Kreislauf der Kompanie einspeist, was dringend gebraucht wird: frisches Blut und jede Menge Energie.“

Ändern Preise überhaupt etwas?
White:
Am Anfang meiner Karriere habe ich sehr nach Anerkennung und Applaus gesucht, aber keine Preise gewonnen. Dann habe ich mit meiner damaligen Kompanie einen Workshop gemacht, über unsere Einstellung zum Leben, unsere Ziele – und da habe ich gemerkt, dass Preise und Applaus als Gründe nicht tief genug sind für ein Künstlerleben. Ich habe mich danach mehr darauf konzentriert, meine Erfahrungen mit dem Publikum zu teilen.

„Ich finde cool, dass Wuppertal eine kleine Stadt ist.“

Was hat sich dadurch geändert?
White:
Tja, danach kamen immer mehr Preise. Ich suche das aber nicht, ich brauche das nicht – ich bin auch so rundum zufrieden.

Was machen Sie mit all den Auszeichnungen? In die Vitrine stellen und immer mal anschauen?
White:
Nee, die sind bei meiner Mutter in Australien, unten im Kleiderschrank.

Betreiben Sie denn noch Kung Fu?
White:
Nein, ich gehe jetzt jede Woche schwimmen. Die Schwimmoper finde ich toll.

Was gefällt Ihnen noch an Wuppertal?
White:
Ich finde cool, dass es eine kleine Stadt ist, dass man eine Verbindung zur Bevölkerung hat, dass man nicht weit gehen muss, um Projekte zu machen.

Was denn zum Beispiel?
White:
In diesem Sommer habe ich einen Stepptanz-Workshop gegeben mit 14 Teilnehmern zwischen acht und 55 Jahren. Toll war das. Das würde ich gern regelmäßig machen.

Sie haben in Sydney, Berlin und London gelebt. Ist Ihnen Wuppertal nicht zu klein?
White:
Mein Leben in Wuppertal ist schon viel ruhiger als vorher. Aber ich mache deshalb nicht weniger. Zeit zum Schlafen habe ich, wenn ich tot bin.

Bekommt der neue Preis einen Ehrenplatz im Kleiderschrank Ihrer Mutter?
White (lacht):
Geht nicht. Das ist nur ein Blatt Papier, auf dem nicht mal mein Name steht.

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