Neueinstudierung im Opernhaus.

Berührender Moment: Dominique Mercy in einer „Bandoneon“-Szene. Das Pina-Bausch-Stück war seit Freitag insgesamt viermal zu sehen.
Berührender Moment: Dominique Mercy in einer „Bandoneon“-Szene. Das Pina-Bausch-Stück war seit Freitag insgesamt viermal zu sehen.

Berührender Moment: Dominique Mercy in einer „Bandoneon“-Szene. Das Pina-Bausch-Stück war seit Freitag insgesamt viermal zu sehen.

Uwe Schinkel

Berührender Moment: Dominique Mercy in einer „Bandoneon“-Szene. Das Pina-Bausch-Stück war seit Freitag insgesamt viermal zu sehen.

Wuppertal. Bandoneon heißt eine eher selten gewordene Ziehharmonika. Sie gibt dem 1980 uraufgeführten Stück von Pina Bausch seinen Namen und begleitet die Tänzer beim argentinischen Tango – im Sitzen. Immer wieder verschränken sich die Tanzpaare in ungewöhnlichen Figuren und Gesten. Die Bühne ist nichts weiter als ein kalter, toter Raum.

Das Tanztheater Wuppertal präsentierte „Bandoneon“ als Neueinstudierung im Opernhaus: An den Wänden hängen Schwarzweiß-Fotografien in der Größe von Gemälden und zeigen einen muskelbepackten Boxer im Ring – kann das sonst federleichte Ballett tatsächlich brutal sein? In der Fantasie von Pina Bausch schon: Cristiana Morganti zeigt, wie man Pirouetten beibringt. Sie bindet den rechten Fuß einer Tänzerin fest ans linke Knie und sticht mit einem spitzen Gegenstand hinein. Wehe, die Marionette unterbricht ihre Drehung.

Lutz Förster blieb der ursprünglichen Inszenierung treu

Tänzer Dominique Mercy erscheint als ausgemergelte Gestalt in abgewetztem Tutu auf der Bühne und probt bis zum Umfallen. Trotz mehrerer amüsanter Sprüche täuscht die Szene nicht darüber hinweg, dass „Bandoneon“ ein Stück von Traurigkeit ist.

Das Tanztheater Wuppertal feiert in der aktuellen Spielzeit sein 40-jähriges Bestehen. Bei der Neueinstudierung von „Bandoneon“ blieb Lutz Förster als künstlerischer Leiter der Choreographie, Bühne, Musik und Kostümen der ursprünglichen Inszenierung treu. Mit insgesamt vier Vorstellungen, die mit mehr als 3100 Karten komplett ausverkauft waren, lockte das Tanztheater auch nach dem Tod seiner Mentorin erneut begeisterte Fans aus ganz Deutschland nach Wuppertal.

Petra Bosch (45) freute sich schon vor der Vorstellung: „Ich bin eigentlich überhaupt nicht tanzbegeistert. Aber Pina Bausch ist für mich etwas ganz anderes, so besonders.“ Lars Bühring (74) aus Köln schloss sich der Meinung an: „Ich finde auch dieses Stück wieder unheimlich gelungen. Mir gefällt es, dass das Dargestellte nicht so offensichtlich ist.“ Ricarda Horst (56) aus Leichlingen ist großer Fan des Tanztheaters seit 1995: „Bandoneon ist eines der wenigen Stücke, die ich noch nicht gesehen hatte. Es waren super Tänzer mit unheimlich großem schauspielerischem Talent.“

Ursula Rüter (50) aus Münster: „Das Tanztheater kann von Pina Bausch viel mitnehmen – muss sich aber auch weiterentwickeln.“ Hans-Joachim Flohr (56) aus Wuppertal: „Diese ganz eigene Ästhetik erschließt sich nicht beim ersten Stück.“ Jens Galley (45) aus Berlin: „Die Stücke regen zum Nachdenken an, doch vieles bleibt unbeantwortet. Man kann die Intention dahinter nur erahnen.“
 

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