Tanzen verbindet– manchmal sogar mehr als nur einen Abend lang.

Ilona und Salvador Rios lernten sich beim Tanzen kennen. Am Samstag unterrichten sie im Café Ada.
Ilona und Salvador Rios lernten sich beim Tanzen kennen. Am Samstag unterrichten sie im Café Ada.

Ilona und Salvador Rios lernten sich beim Tanzen kennen. Am Samstag unterrichten sie im Café Ada.

Uwe Schinkel

Ilona und Salvador Rios lernten sich beim Tanzen kennen. Am Samstag unterrichten sie im Café Ada.

Wuppertal. "Männer sind begehrt." Das mag nicht nur für die Tanzfläche gelten, aber für das Tangoparkett ganz besonders. Denn die Rechnung kann - rein theoretisch - gar nicht aufgehen. Dort, wo sich Ilona Rios ihrer Leidenschaft hingibt, stehen schätzungsweise "vier bis fünf Frauen" einem Mann gegenüber.

Für das führende Geschlecht kann das ganz praktisch sein: Männer haben die (Damen-)Wahl. Für Frauen muss das trotzdem kein Nachteil sein, denn wenn man sich auf dem Tangoparkett erst einmal gefunden hat, ist der gemeinsame Rhythmus die beste Basis für einen taktvollen Abend.

Klischees haben dabei keinen Platz: "Es ist nicht so, dass der Mann führt und die Frau folgen muss." Wer könnte das besser beurteilen als Ilona Rios? Die begeisterte Tänzerin weiß deshalb noch mehr: In Wahrheit ist es so, "dass der Mann eine Bewegung ausführt und etwas anbietet - und die Frau das aufnimmt und antwortet". Der feurigen Rothaarigen hat diese Wechselwirkung so gefallen, dass sie, als sie sich vor zehn Jahren zum ersten Mal in einen Tangosalon wagte, sofort alles andere vergessen hat. "Seitdem habe ich nie wieder etwas anderes getanzt."

"Der Tango ist ein Spiegel der eigenen Gefühle."

Ilona Rios, Tanzlehrerin

Was zählt, ist allein der Tango. Und natürlich der ideale Partner. Den hat die Mönchengladbacherin - wie könnte es anders sein - beim Tangotanz gefunden. "Mein Mann stand an der Bar." Rios erinnert sich mit einem Schmunzeln. "Ich dachte: Der geht ja wie eine Katze! Das wollte ich fühlen..." Es muss sich gut angefühlt haben, denn den gebürtigen Mexikaner hat sie nicht mehr losgelassen. "Wir haben sechs Wochen getanzt und kein Wort gesprochen. Wir haben einfach gemerkt, dass wir zusammenpassen." Kein Wunder: Der improvisierte Tanz ist ein gefühlvoller Gradmesser. "Er ist keine devote Angelegenheit", wie die vierfache Mutter betont. "Beide Partner sind gleichwertig." Schnell hat sie deshalb festgestellt, dass Salvador Rios ein Mangel-, aber kein Mängelexemplar ist.

Am Samstag sind die beiden leidenschaftlichen Tango-Fans verheiratet, tanzen immer noch - und unterrichten sogar gemeinsam im Café Ada. Dort geht es um mehr als "nur" die richtigen Tanzschritte: "Der Tango ist ein Spiegel der eigenen Gefühle. Man kann fröhlich sein und tanzen, man kann eine große Sehnsucht haben und tanzen, man kann aber auch traurig sein und tanzen. Das kommt ganz darauf an, wie man selbst drauf ist - und wie der Kontakt zum Partner ist."

Als Einwanderer den Tango im 19. Jahrhundert auf den Straßen von Buenos Aires erfanden, galt er in feinen Kreisen als verpönt. Nicht nur dem Papst war der Tanzstil zu sündig. Zwischenzeitlich wurde er sogar verboten. Doch als der Tango kurz vor dem Ersten Weltkrieg den Sprung nach Paris schaffte, entwickelte er sich zum Modetanz. Heute ist er weltweit salonfähig und prägt das Wuppertaler Nachtleben.

Anfang 20 seien die Jüngsten, die sich aufs Parkett wagen. "Man braucht schon eine gewisse Lebenserfahrung." Wer im besten Tango-Alter ist, dürfte dafür auch erkennen, dass "es hier kein Baggerpublikum wie beim Salsa gibt. Tango ist viel vielschichtiger."

Seit zehn Jahren tanzt Ilona Rios deshalb, was die Gefühle hergeben. Bei ihr gilt: Kein Tag ist wie der andere - aber kein Tag ist ohne Tango.

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