Bei der Premiere ihres neuen Programms gaben sich Jürgen H. Scheugenpflug, Jens Neutag und Ulrich Rasch im Bürgerbahnhof gewohnt scharfzüngig.

Jens Neutag (v.l.), Ulrich Rasch und Jürgen H. Scheugenpflug zogen nicht nur den Hut, sondern auch über die Stadt her.
Jens Neutag (v.l.), Ulrich Rasch und Jürgen H. Scheugenpflug zogen nicht nur den Hut, sondern auch über die Stadt her.

Jens Neutag (v.l.), Ulrich Rasch und Jürgen H. Scheugenpflug zogen nicht nur den Hut, sondern auch über die Stadt her.

Andreas Fischer

Jens Neutag (v.l.), Ulrich Rasch und Jürgen H. Scheugenpflug zogen nicht nur den Hut, sondern auch über die Stadt her.

Wuppertal. Manfred Zöllmer hängt seinen Schnauzbart im Bundestag an den Nagel. Auch Ex-SPD-Chef Dietmar Bell geht über die Wupper. 2016 scheint das Jahr der Abschiede zu sein. Da möchte das Talfahrt-Trio helfen und dem scheidenden Führungspersonal nützliche Tipps für eine sinnvolle Weiterbeschäftigung geben.

Dietmar Bell würde dank seines Nachnamens sicher einen prima Wachhund in der JVA Ronsdorf abgeben. Nach Manfred Zöllmer ließe sich immerhin noch eine Sackgasse benennen. Schwieriger werde es bei Star-Dirigent Toshiyuki Kamioka, der bereits mitsamt Möbelwagen und Blockflötensammlung aus der Stadt eskortiert wurde. Immerhin: „Die Arschgeigen bleiben hier“.

Das liebste Spott-Objekt ist die Großbaustelle Döppersberg

Jürgen H. Scheugenpflug, Jens Neutag und Ulrich Rasch machten sich im ausverkauften Vohwinkeler Bürgerbahnhof gewohnt scharfzüngig an ihre satirische Heimatpflege. Bei der Premiere ihres neuen Programms nahmen sie die Irrungen und Wirrungen des Jahres zusammen mit den dazugehörigen Personen genüsslich aufs Korn. Stoff dafür gibt es in der bergischen Metropole schließlich genug. Wenn eine Kindertagesstätte in einer ehemaligen Munitionsfabrik eingerichtet wird oder das Gemeindeprüfungsamt die Stadt ausdrücklich für die Zentralisierung des Meldewesens lobt, ist das für die Talfahrt ein gefundenes Fressen. Die Schlange vor dem Einwohnermeldeamt könnte schließlich auch eine Ansammlung von Pokémon-Go Spielern sein, wer wisse das schon?

„Hopsasa, Trallala, Wuppertal ist wunderbar“, sang das Trio zur Einstimmung und lief sich dabei erst warm. Bevorzugtes Spott-Objekt war natürlich das Döppersberg-Projekt. Wahlweise würde für die Talfahrt auch „Elbphilharmonie zum Drüberfahren“ oder „Berliner Flughafen ohne Startbahn“ zur höchst professionellen Umsetzung passen. Wen kümmerten da schon die paar zusätzlichen Millionen? „In Elberfeld versenkt man gern sein Geld“, sagte Jens Neutag.

Dafür müsse man nur etwa 400 mal den Kassenwart des WSV überfallen. Zumal mit Primark ein hochseriöser Anbieter mit besten Arbeitsbedingungen in der Produktion komme. Hier laute das Firmenmotto: „Von Kindern für Kinder“. Auch die läppischen 200 000 Euro für den Skywalk im Nordpark sind für die Talfahrt gut investiert. Der Name, der wörtlich soviel wie „Himmelsgang“ bedeutet, passe doch bestens. „Schließlich ist der Blick von oben auf Heckinghausen eine echte Nahtoderfahrung“, sagte Jürgen H. Scheugenpflug.

Viel einstecken musste auch das politische Personal in Wuppertal. Besonders der CDU-Fraktionsvorsitzende und Schausteller-Vertreter Michael Müller bekam als „Reichswürstchenführer“ sein Fett weg. Baudezernent Frank Meyer wurde zum „Gaudi von Wuppertal“ befördert. Und der bienenfleißige Bürgerbeteiligungsdezernent Panagiotis Paschalis durfte nach der Erfüllung seiner schweißtreibenden Amtsgeschäfte in den hochverdienten Winterurlaub aufbrechen – natürlich per Seilbahn.

Da wünsche sich mancher schon die alten Zeiten zurück und die Talfahrt stimmte das Lied „Jung, komm bald wieder“ an. Am Ende trat das Trio als Rap-Gruppe „Sensenmann“ gegen die Überalterung der Gesellschaft an. Schließlich werde schon über einen Treppenlift am Tippen-Tappen-Tönchen nachgedacht. „Da hilft nur noch Tempo 100 vor Altenheimen“, glaubt Jens Neutag. Doch er gibt gleich Entwarnung: „Richtig alt wird in dieser Stadt niemand mehr“.

Weitere Infos unter:

www.talfahrt-wuppertal.de

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