Rik Reinking sorgt für ein wahrhaft einzigartiges Street-Art-Erlebnis. Er hat die internationale Szene nach Barmen geholt.

Interview
Szene vom Aufbau der Street-Art-Ausstellung in der Von der Heydt-Kunsthalle: Die Arbeiten sind noch bis zum 25. September zu sehen. (zwei Fotos)

Szene vom Aufbau der Street-Art-Ausstellung in der Von der Heydt-Kunsthalle: Die Arbeiten sind noch bis zum 25. September zu sehen. (zwei Fotos)

Kurator Rik Reinking hat die Sonderschau zusammengestellt.

Archiv / privat, Bild 1 von 2

Szene vom Aufbau der Street-Art-Ausstellung in der Von der Heydt-Kunsthalle: Die Arbeiten sind noch bis zum 25. September zu sehen. (zwei Fotos)

Herr Reinking, was ist der Unterschied zwischen Graffiti und der sogenannten Street Art?

Rik Reinking: Ich glaube, der bessere oder treffendere Begriff für diese gegenwärtige Bewegung wäre Urban Art. Also Kunst, die ihre Wurzeln im Urbanen – im Stadtraum – hat. Street Art und Graffiti sind Spielarten und Ausdrucksformen dieser Bewegung. Dabei versteht man unter Graffiti „Malen“ mit der Sprühdose. Street Art zeigt sich eher in Form von Stickern, Plakaten und Paste-Ups (Anmerkung der Redaktion: ein Paste-Up ist ein mit Kleister oder Leim aufgezogenes Plakat).

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Szene vom Aufbau der Street-Art-Ausstellung in der Von der Heydt-Kunsthalle: Die Arbeiten sind noch bis zum 25. September zu sehen. (zwei Fotos)

Szene vom Aufbau der Street-Art-Ausstellung in der Von der Heydt-Kunsthalle: Die Arbeiten sind noch bis zum 25. September zu sehen. (zwei Fotos)

Kurator Rik Reinking hat die Sonderschau zusammengestellt.

Archiv / privat, Bild 1 von 2

Kurator Rik Reinking hat die Sonderschau zusammengestellt.

Was antworten Sie all jenen, die der Meinung sind, dass diese Art der zeitgenössischen Ausdrucksmöglichkeit keine „Kunst“ sei und auch nicht ins Museum gehöre?

Reinking: Denen antworte ich, dass sie es sich erst einmal anschauen sollten. Ich habe nur allzu oft Sätze gehört wie: „Das hätten wir nicht gedacht.“ Die meisten nehmen ihre Vorurteile zurück, sobald sie diese Arbeiten gesehen haben. Werke von zeitgenössischen Künstlern, wie sie in der aktuellen Ausstellung in Wuppertal zu sehen sind, bestechen ja durch ihre Qualität – sowohl in ihrer Idee wie auch in ihrer Umsetzung.

„Ich empfinde es als nur konsequent, dass Arbeiten auch wieder verschwinden. Man muss wirklich nicht alles aufheben.“

Nach welchen Kriterien haben Sie die Teilnehmer der Sonderausstellung ausgesucht?

In seiner Barmer Dependance, der Kunsthalle im Haus der Jugend am Geschwister-Scholl-Platz, präsentiert das Von der Heydt-Museum bis zum 25. September die Ausstellung „Street Art“. 13 international arbeitende und anerkannte Künstler zeigen, was sich seit der ersten Barmer „Graffiti“-Ausstellung 2007 getan hat.

Das Von der Heydt-Museum lädt zu einem Rundgang durch die Von der Heydt-Kunsthalle ein: Street-Art-Kenner Philipp Horst führt heute um 16.30 Uhr durch die Ausstellung „Street Art – meanwhile in deepest east anglia, thunderbirds were go“. Holst bietet am Samstag, 9. Juli, 11.15 bis 15 Uhr, auch ein Seminar zur Ausstellung an. Anmeldungen sind unter Telefon  563 2471 möglich. Kinderführungen für Kunstbegeisterte ab neun Jahren gibt es am Samstag, 13. August, von 11 bis 13 Uhr und am Samstag, 24. September, ebenfalls von 11 bis 13 Uhr. Weitere Themenführungen können auf Anfrage vereinbart werden. Anmeldung und Information: Telefon 563 6231.

Eine Tanzperformance findet am Sonntag, 3. Juli, um 11.30 Uhr in der Kunsthalle statt. Mit dabei sind Farid M. Baroug alias Joker, Maren Meiring, Albi Gjikaj und Tanja Nierling, von der auch die Choreographie stammt.

Reinking: Es ist eine Auswahl der international erfolgreichsten und anerkanntesten Künstler dieser Bewegung. Die Künstler kommen unter anderem aus Südafrika, Südamerika, den USA und Europa.

Es ist bereits das zweite Projekt, das Sie im Auftrag des Von der Heydt-Museums realisieren. Was unterscheidet die aktuelle Ausstellung von der vorausgegangenen Street-Art-Schau?

Reinking: Ich denke, der erste Teil war farbenfroher und explodierender. Die aktuelle Schau ist reifer und politischer. Das entspricht aber ja auch unserer Zeit. Von den Besuchern habe ich die unterschiedlichsten Kommentare gehört, aber es hält sich die Waage. Den einen gefiel der erste Teil besser. Die anderen können mit dem, was jetzt gezeigt wird, mehr anfangen. Genau das war mir aber wichtig. Eine einfache Wiederholung wäre in meinen Augen uninteressant gewesen.

Wuppertal wird durch die Ausstellung erneut zum Treffpunkt der internationalen Urban-Art-Szene. War es leicht oder schwierig, die Künstler nach Barmen zu holen?

Reinking: Es war gar nicht so leicht, alles zeitlich zu koordinieren und auf genau eine Woche des Aufbaus zu konzentrieren. Zumal die Terminkalender der beteiligten Künstler voll sind. Über Jahre gewachsene freundschaftliche Beziehungen zu den Künstlern haben mir da schon sehr geholfen.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Ausstellungen entstanden die meisten Arbeiten direkt in Barmen – kurz vor der Eröffnung. Gab es dabei Überraschungen?

Reinking: Jeden Tag und jede Stunde. Das hat mit der tatsächlichen Ankunft der einzelnen Künstler begonnen und ging über die Materialbesorgung bis zur Verpflegung und zu den Getränken. Bei so vielen Künstlern, die alle zur selben Zeit am selben Ort arbeiten, ist man dann schon ziemlich viel unterwegs.

Blutet Ihnen nicht das Herz, wenn Sie am Ende sehen, wie die Werke wieder verschwinden und übermalt werden, weil die Wände der Kunsthalle für die nächste Ausstellung frisch gestrichen werden?

Reinking: Nein, gar nicht. Ich denke, jede Arbeit hat ihre Zeit. Und ich empfinde es als nur konsequent, dass Arbeiten auch wieder verschwinden. Man muss wirklich nicht alles aufheben. So ist jeder Einzelne aufgefordert, die Ausstellung auch zu besuchen. Das, was er hier und jetzt in der Kunsthalle Barmen zu sehen bekommt, wird er so sicherlich nie wieder zu sehen bekommen. Und das ist doch schön.


www.von-der-heydt-museum.de

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