Das Stadtarchiv platzt aus allen Nähten. Das liegt nicht an den Archivaren, sondern an Behörden, die ihre Akten auslagern.

Das Stadtarchiv platzt aus allen Nähten. Das liegt nicht an den Archivaren, sondern an Behörden, die ihre Akten auslagern.
Markus Teubert vom Stadtarchiv zeigt die imposante Bibliothek.

Markus Teubert vom Stadtarchiv zeigt die imposante Bibliothek.

Stefan Fries

Markus Teubert vom Stadtarchiv zeigt die imposante Bibliothek.

Wuppertal. Das Stadtarchiv quillt aus allen Nähten, dass die Stadt auf ihrer Internetseite schon warnt, „die Übernahme neuer Archivalien müsse sehr reduziert werden“. Dass es auf den insgesamt sechs Kilometern Regalstrecke derart eng wird, liegt an zwei Entwicklungen, die mit dem Stadtarchiv selbst gar nichts zu tun haben.

Zum einen nehmen die Fristakten immer mehr Raum ein – Unterlagen aus der Stadtverwaltung, die 30 oder 50 Jahre aufbewahrt werden müssen: Schulzeugnisse und Abiturarbeiten ebenso wie alle Einzelfallakten zu Sozial-, Jugend- und Wohnungsbeihilfe.

„Sie wachsen im Archiv zu riesigen Beständen, weil es in den Ämtern selbst keine Registraturräume mehr gibt“, sagt Eberhard Illner, der nicht nur das Historische Zentrum, sondern auch das Stadtarchiv leitet. Weil die zentrale Aktenverwaltung in den Ämtern heute fehle, werde jeder Vorgang zehn bis 20 Mal kopiert, damit jeder Sachbearbeiter jederzeit auf alle Unterlagen zugreifen könne. Wenn die Akte dann ins Stadtarchiv wandere, „müssen wir das Mehrfachschriftgut eliminieren, so gut es geben geht“, sagt Eberhard Illner. Dass die Akten nach Ablauf der Frist datensicher entsorgt werden, bringt keine Entlastung: Es kommen ja immer neue Stapel nach.

Zum zweiten blockieren Bauakten eine der drei Etagen. Seitdem das Stadtarchiv 1981 von der Zentralbibliothek an den Haspel gezogen ist, lagert die Bauverwaltung dort ihre Unterlagen aus den vergangenen 150 Jahren: Bauanträge und -bewilligungen, Pläne und Statiken. Das Bauamt habe vor zehn Jahren mal angefangen, die Bestände zu digitalisieren, erklärte Illner jetzt im Kulturausschuss, in dem die SPD-Fraktion zur Ausstattung des Stadtarchivs eine große Anfrage gestellt hatte. Das sei aber wegen der hohen Kosten wieder steckengeblieben.

Dass die Akten überhaupt noch da sind, liegt laut Illner an einem Akt der Widerständigkeit. Denn vor einigen Jahren habe ihm die damalige Bauamtsleiterin Heike Hellkötter vorgeschlagen, alle Bauakten einfach wegzuwerfen: „Da habe ich tief durchgeatmet, auf den Karton mit der Statik des Sparkassenturms geguckt – und sie einfach behalten.“

Drei bis vier Anfragen pro Tag bekommt das Stadtarchiv laut Eberhard Illner von professionellen Erbermittlern – Nachlassforschern, die gegen Provision bis dahin unbekannte Erben ermitteln. „Bei den Gebühren für diese Profis liegen wir mit 50 bis 60 Euro deutschlandweit an der Spitze“, sagt Illner, „und darauf bin ich stolz.“ Denn das entlaste die Bürger, die lediglich eine Tagesgebühr von vier Euro zahlen müssen, für Schüler und Studenten ist die Benutzung kostenlos. „Und wir finanzieren mit diesen Gebühren eine ganze Stelle.“
 

In fast allen anderen Städten habe das Bauamt sein eigenes Archiv. In Düsseldorf etwa sei das konventionell analoge Bauarchiv, das nach Straßen und Hausnummern sortiert sei, bei Architekten sehr beliebt. So kommen sie relativ günstig an die Statiken bestehender Häuser. „Und durch die Gebühren trägt sich das Archiv selbst.“ In Wuppertal hingegen werden die Bauakten zulasten des Kulturetats gelagert. „Gebühren bekommen wir nicht“, sagte Illner. „Die Akten liegen uns wie Blei an den Füßen. Wir würden sie gern verlagern, um die Haspelhäuser wieder frei fürs historische Archiv zu bekommen.“

Doch danach sieht es nicht aus. Jochen Braun, Leiter des Ressorts Bauen und Wohnen, sagt: „Geplant ist jedenfalls nichts. Es wird immer mal diskutiert, was wir da machen können. Aber es gibt derzeit keine Idee und auch keinen Gesprächsfaden.“

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