Preise für Stefan Bräuniger, Dominique Mercy, Wolfgang Kläsener und Jacqueline Pyrowicz.

Die Preisträger Stefan Bräuniger (l.) und Wolfgang Kläsener mit Enno Springmann (r.). Im Hintergrund hängen Bilder von Stefan Bräuniger.
Die Preisträger Stefan Bräuniger (l.) und Wolfgang Kläsener mit Enno Springmann (r.). Im Hintergrund hängen Bilder von Stefan Bräuniger.

Die Preisträger Stefan Bräuniger (l.) und Wolfgang Kläsener mit Enno Springmann (r.). Im Hintergrund hängen Bilder von Stefan Bräuniger.

Mathias Kehren

Die Preisträger Stefan Bräuniger (l.) und Wolfgang Kläsener mit Enno Springmann (r.). Im Hintergrund hängen Bilder von Stefan Bräuniger.

Wuppertal. Es ist ein ausgezeichnetes Trio, auch wenn damit nicht gemeint ist, dass Stefan Bräuniger, Dominique Mercy und Wolfgang Kläsener gemeinsam musizieren. Sie verbindet eine wesentliche Gemeinsamkeit: Die Enno und Christa Springmann-Stiftung ehrt den Maler, den künstlerischen Leiter der Kantorei Barmen-Gemarke und den Tänzer nicht nur mit vielen lobenden Worten, sondern auch jeweils mit 4000 Euro.

Angst vor weiterem Abbau der Kulturangebote

Dass sich kulturelles Engagement auszahlen soll, unterstrich die Stiftung nicht zum ersten Mal: Die 15. Preisverleihung - diesmal fand sie im Opernhaus statt - war für Enno Springmann ein willkommener Anlass, um deutliche Worte zu wählen. Bevor die drei ausgezeichneten Künstler gewürdigt werden sollten, nutzte der Gastgeber die Gelegenheit, um vor berufenen Ohren - neben Oberbürgermeister Peter Jung saß auch Kulturdezernent Matthias Nocke im Kronleuchter-Foyer - eine klare Ansage in Richtung Stadtspitze zu formulieren. Er lobte die "beachtenswerte Initiative der freien Künstler in Wuppertal", die sich vor allem bei der "Woga" engagieren - an den beiden letzten Oktober-Wochenenden werden "Woga"-Teilnehmer erneut ihre Ateliers und Galerien öffnen. Vor allem aber kritisierte Springmann die öffentliche Sparpolitik auf dem kulturellen Parkett: "Was bleibt uns eigentlich erhalten, und was muss geändert werden, um die wichtigsten Kulturstützen in Wuppertal auch langfristig anbieten zu können?" Das persönliche Engagement der Künstler sei "umso wichtiger, da Wuppertal aus finanziellen Gründen so viele früher beachtenswerte und oft hochrangige künstlerische Darbietungen abbaut".

Enno Springmann und der "Zorn der Wuppertaler"

So wurde die Preisverleihung, die verdiente Künstler alljährlich mit einer Geldspritze versorgt, zugleich zur Abrechnung: "Ich erlaube mir, die Frage zu stellen, warum eigentlich die Bürger Wuppertals, die all diese eingetretenen finanziellen Eskapaden letzten Ende bezahlen müssen, nicht wesentlich intensiver im Vorfeld der Ankündigungen unterrichtet und zur Meinungsbildung herangezogen werden." Springmann weiter: "Da wird plötzlich das Wasserwerk bei gleichzeitigen - für die Bevölkerung nachteiligen - Nebenbedingungen zurückgekauft. Dann kauft die Stadt Wuppertal die Bahnhöfe und Gerüste der Schwebebahn, damit die WSW leichter neue Aufgaben tätigen kann, obwohl die Verbindlichkeiten bei 460 Millionen Euro liegen." Springmann ging auch auf den Döppersberg ein: "Warnen nicht die Vorgänge um den Umbau, dessen Kosten zuerst auf 60 Millionen Euro veranschlagt worden waren? Jetzt soll er inzwischen mindestens 135 Millionen Euro kosten." Springmanns Eingangsrede endete daher mit einer "dringenden Forderung der Bürger: Klärt uns rechtzeitig auf und lasst uns die Folgen der Änderungen besprechen, bevor es zu spät ist. Ist der Zorn der Wuppertaler nicht berechtigt?"

Die zweite Wuppertaler Literatur-Biennale ist in Planung

Auch wenn diese Frage eher rhetorisch gemeint gewesen sein dürfte, griff sie Matthias Nocke am Ende der Veranstaltung auf: "Dass die Kultur in dieser Stadt keine Perspektive hätte, vermag ich nicht zu erkennen." Zwar musste der Kulturdezernent einräumen, dass noch nicht klar sei, was aus dem leer stehenden Schauspielhaus werde. "Wir wissen noch nicht, ob uns das gelingt, aber es gibt den festen Willen der Stadt, dort ein internationales Tanzzentrum zu etablieren." Die Finanzierungsfrage sei nach wie vor offen.

Dennoch setzt er auf Zuversicht: Als unmittelbare Reaktion auf Springmanns Rede stellte Nocke die Entwicklung der Wuppertaler Kulturlandschaft in ein betont positives Licht: "Im Jahr 2014 wird die zweite Wuppertaler Literatur-Biennale stattfinden, es wird eine weitere Erweiterung des Skulpturenparks geben und wir werden die neue Spielstätte am Historischen Zentrum eröffnen." Und da eine Preisverleihung ohnehin etwas Positives ist, schloss Nocke seine Rede mit einem augenzwinkernden Blick Richtung Enno Springmann ab: "Wir werden die Schlacht um die Wuppertaler Kultur nicht verlieren - auch durch Ihre Unterstützung."

Apropos Unterstützung: Eine weitere Preisträgerin konnte sich am Samstag über eine Urkunde freuen. Mit bis zu 5000 Euro will die Stiftung den Berufsstart von Jacqueline Pyrowicz fördern. Die Fotografin, die an der Folkwang Universität in Essen studiert, wurde 1986 in Wuppertal geboren. Den Sonderpreis erhält sie "wegen ihrer engagierten Teilnahme an Kursveranstaltungen, der Qualität und Vielfalt der eigenen Arbeiten und angesichts der sehr hohen Material- und Ausstattungskosten", die zu einem Fotografie-Studium gehören.

Nur einer konnte seinen Preis nicht persönlich entgegennehmen: Dominique Mercy gastiert derzeit mit dem Wuppertaler Tanztheater in Frankreich.

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