In der Komödie feierte das Stück Premiere. Die Zuschauer spendeten viel Applaus.

In der Komödie feierte „Selbst ist die Frau“ Premiere. Die Zuschauer spendeten viel Applaus.
Die Darsteller spielen auf der Bühne mit vielen gängigen Klischees.

Die Darsteller spielen auf der Bühne mit vielen gängigen Klischees.

Kalle Kalmbach

Die Darsteller spielen auf der Bühne mit vielen gängigen Klischees.

Wuppertal. Ausgerechnet Eva Fröhlich heißt die Frau, die Lesley Higl im neuen Stück der Komödie Wuppertal spielt. Das klingt nach einem ausgeglichen-sonnigen Charakter. Doch mit Evas guter Laune ist es schon in der ersten Szene von „Selbst ist die Frau“ vorbei. Was als romantische Liebesnacht mit Freund Michael beginnt, endet in einem handfesten Streit.

„Ich will ein Baby, und zwar sofort!“, brüllt Eva ihrem Micha ins Ohr. Der Kinderwunsch lässt ihn vor Schreck zusammenzucken. Die Zuschauer reagieren mit Gelächter und können verstehen, warum die nicht mehr ganz junge Frau aus der Haut fährt. Mit dem Spruch „Du kannst später noch Kinder bekommen“ hält er sie nämlich schon jahrelang hin.

Jetzt reicht’s. Eva verlässt Micha und beschließt, auch ohne ihn schwanger zu werden. Mit ihrer besten Freundin Tina und deren WG-Genossen Fritzi macht sie sich auf die Suche nach einem Samenspender. Da hat das Publikum erst recht was zu lachen. Angesichts eines Kandidatenpools, das vom verklemmten Bürohengst bis zum großmäuligen Profi-Spender reicht.

Schwangerschaft ohne Partnerschaft? Trotz des zeitgeistigen Themas kommt das Stück von Cordula Polster und Stefanie Stroebele gut ohne Tiefgang aus. Statt kollidierender Lebensentwürfe zeigt das Autorenteam lieber eine Parade skurriler Figuren. In Sekundenschnelle treten Higls Kollegen auf und wieder ab, wechseln Kostüm, Sprechweise und Charakter – und wie beim klassischen Boulevardstück knallen dabei ordentlich die Türen. Dank Drehbühne sind rasche Ortswechsel möglich, die zusätzlich aufs Tempo drücken.

„Selbst ist die Frau“ ist gewiss keine Emanzipationsgeschichte

Zu ernst darf man auch den Titel nicht nehmen. „Selbst ist die Frau“ ist keine Emanzipationsgeschichte. Mit dem Satz „Kinder sind mir wichtiger als Karriere“ legt sich Eva früh auf die traditionelle Frauenrolle fest. Selbstbewusst ist sie vor allem dann, wenn sie sich an einen potenziellen Erzeuger heranmacht. Es macht großen Spaß, Lesley Higl als Verführerin zu sehen. Allein ihr Augenklimpern bringt das Gegenüber aus dem Konzept. Wirkt das nicht, werden andere Register gezogen. Sie tänzelt und räkelt sich oder macht mit flottem Gesang auf sich aufmerksam. Der Weg zum „Big Spender“ hält Missverständnisse und Enttäuschungen bereit. Am Ende aber winkt ihr das Happy End.

Weitere Vorstellungen von „Selbst ist die Frau“ in der Komödie Wuppertal gibt es am 17., 18., 19., 23., 24., 25., 26., 30. und 31. August immer um 20 Uhr. Hinzu kommen Sonntagsvorstellungen am 20. und 27 August., die um 18 Uhr beginnen. Auch den September über wird das Stück am Karlsplatz (Adresse: Friedrichstraße 39) gespielt.

Karten kosten in der ersten Kategorie 26,50 Euro, in der zweiten Kategorie 23,50 Euro. Ermäßigte Karten sind jeweils zwei Euro günstiger.

Mehr noch als Higl greifen ihre Mitspieler in die Klischeekiste. Aber die Klischees funktionieren auf der Bühne und werden von den Schauspielern charmant rübergebracht. Wie in einer Siebziger-Jahre-Klamotte spielt Markus Angenvorth einen stockschwulen Fritzi. Affektiert wirkt alles, was der selbsternannte Männerexperte sagt oder tut. Seine Gags sind verlässlich unter der Gürtellinie (Stichwort „Sperminator“). Nur wenig später schlüpft Angenvorth dann in die Rolle des Machos, der in französischem Akzent von seiner Potenz prahlt.

Schauspieler Uwe-Peter Spinner pendelt ebenfalls zwischen den Extremen. Als Micha lässt er seinen Gefühlen ungehemmt freien Lauf und entspricht damit seiner hitzköpfigen Ex. Genauso überzeugend verkörpert er aber auch Evas sympathisch-zurückhaltenden Nachbarn.

Mit ihren Lebensweisheiten geht Julia Klawonn als Sidekick Tina vielleicht nicht nur Eva auf die Nerven. Einen echt komischen Eindruck macht sie, wenn sie als Kellnerin über die Bühne watschelt und dabei in breitestem Sächsisch spricht.

„Ich find’s nicht schlecht“, sagt eine Zuschauerin auf dem Weg in die Pause. Richtig gut, kann man am Ende von „Selbst ist die Frau“ sagen. Der Applaus fällt jedenfalls üppig aus.

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