Philippine Pachls Soloabend „Und jetzt: Die Welt! Oder: Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen“ hat Premiere im Theater am Engelsgarten.

Philippine Pachls Soloabend „Und jetzt: Die Welt! Oder: Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen“ hat Premiere im Theater am Engelsgarten.
Hausregisseurin Helene Vogel (l.) mit der Schauspielerin Philippine Pachl.

Hausregisseurin Helene Vogel (l.) mit der Schauspielerin Philippine Pachl.

Stefan Fries

Hausregisseurin Helene Vogel (l.) mit der Schauspielerin Philippine Pachl.

Wuppertal. Der Titel ist lang, klingt schwer nach ungefähr und trifft den Inhalt doch genau: „Und jetzt: Die Welt! Oder: Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen“.

Das „Stück für eine Person und mehrere Stimmen“ von Sibylle Berg hat Schauspielerin Philippine Pachl (31) für ihre Visitenkarte im Theater am Engelsgarten gewählt, die am Donnerstag Premiere hat.

Gewohnt scharfsinnig, schonungslos und doch zärtlich betrachtet Berg in ihrem tragikomischen Drama, das 2014 von der Fachzeitschrift „Theater heute“ als deutschsprachiges Stück des Jahres ausgezeichnet wurde, die Verunsicherung junger Frauen. „Theoretisch sind die Lebensumstände heute ja paradiesisch“, sagt Pachl, „aber praktisch herrscht so viel Druck wie selten zuvor.“

Sie müssen schön, erfolgreich und beliebt sein

Schön müssen sie sein – aber die Optik der von Werbeindustrie und Medien propagierten, fotogeshoppten Frauenbilder ist nicht mal mit Plackerei im Fitnessstudio zu erreichen. Erfolgreich sollen sie sein – doch auch das achte Praktikum bringt weder Geld noch Jobaussicht.

Viele Freunde sollen sie haben – doch bei all dem Getümmel auf Facebook und Twitter, beim Skypen hier und Chatten da werden sie immer einsamer. „Im Handeln und Fühlen rückt man damit immer weiter weg vom Menschlichen – und das finde ich schlimm“, sagt Pachl.

Liebe ist in „Und jetzt: die Welt!“ auch nur noch ein Projekt, das Angst macht: „Ich bin verliebt, werde es aber nicht sagen, denn dann verliere ich den Freund. Da leide ich lieber.“

Es geht in dem Stück also um viel, doch das meiste wird man nicht sehen. Es spielt in einer „abstrakten Wohnung“, sagt Regisseurin Helene Vogel. Dort wohnt die Hauptfigur („wir haben ihr einen Namen und ein Alter gegeben, damit wir sie besser fassen können“) sowie die drei Mitbewohnerinnen Jemma, Mina und Lina, die nicht leibhaftig auftreten. Im Keller ist Stiefvater Paul eingesperrt. Er wird von Kameras überwacht, ist jedoch nicht sichtbar.

„Die anderen Personen sollen sich die Zuschauer denken“, lächelt Vogel. Sehnsucht ist für diese Frauen etwas, das man hauptsächlich aus Filmen kennt, Familie ein Verbund, den man sich selbst zusammenstellt, und immer lauert draußen die Welt, stellt Forderungen und diktiert Bilder, denen man unmöglich genügen kann. Unter diesem Ansturm kann die eigene Identität nur zerrinnen.

Wie hält die Schauspielerin die intensive Auseinandersetzung überhaupt aus? Pachl: „Ich habe Gott sei Dank Familie. Wenn ich nach Hause komme, muss ich andere Schwierigkeiten bewältigen wie Hausaufgaben machen und Kuchen backen.“

Sie setzt sich aber nicht nur mit dieser vielschichtigen Figur auseinander, sondern hat sich auch um den musikalischen Background gekümmert, der ursprünglich nicht vorgesehen ist.

Die deutschen Gedichte aus der Originalversion hat sie frei ins Englische übertragen („im Grunde sind es neue Texte“), dazu haben drei Wuppertaler DJs die Musik komponiert. Pachl hat dann im Tonstudio mit Jan Breskott, Johannes Farrenkopf und Christoph Haase Gesang und Technomusik zusammengefügt, das Ergebnis wird beim Stück eingespielt.

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