WZ-Interview: Organisator Rainer Widmann (59) setzt auf die Vernetzung unterschiedlichster Stile und Musiker.

wza_213x161_496033.jpg
Rainer Widmann weiß wie "Whoopataal" klingt.

Rainer Widmann weiß wie "Whoopataal" klingt.

Uwe Schinkel

Rainer Widmann weiß wie "Whoopataal" klingt.

Herr Widmann, was zeichnet die Wuppertaler Jazzszene aus?

Rainer Widmann: Sie ist sehr vielseitig, lebendig und im Grunde auch sehr gut vernetzt. Man kennt sich, schätzt sich und die unterschiedlichsten Musiker hecken immer mal wieder gemeinsame, unerwartete und unerhörte Projekte aus, die Überraschungen und Ungewohntes bieten.

"Ganz aktuell sehe ich wieder eine eine lebendige junge Szene heranwachsen."

Die Wuppertaler Jazzszene hat eine bewegte Geschichte. Sie haben sie in dem Buch "Sounds like Whoopataal" festgehalten. Welche Jazz-Phase hätten Sie gerne live erlebt?

Sehr gerne hätte ich natürlich die Zeit miterlebt, als im Thalia-Theater die ersten großen Jazzkonzerte stattfanden und dort Stars wie Louis Armstrong (1952), das Stan Kenton Orchestra oder das legendäre American Folk Blues Festival (1964) zu erleben waren. Oder natürlich auch das phantastische Stadthallen-Konzert am 26. April 1964 mit dem Charles Mingus Quintett und Eric Dolphy, der kurz darauf verstarb.

Wuppertaler Musiker haben ihre Spuren hinterlassen. Wo wäre die Jazzszene heute - ohne Wuppertal, der Keimzelle des Free Jazz?

Peter Brötzmann, Peter Kowald und Dietrich Rauschtenberger waren Anfang der 1960er Jahre die ersten weltweit, die sich eindeutig von den damals üblichen Spielarten des Jazz emanzipiert und einen ganz eigenen radikalen Stil, den Free Jazz, entwickelt haben. Den haben sie ohne Rücksicht auf Konventionen, aber auch unter Inkaufnahme von sehr geringer Anerkennung und trotz finanzieller Entbehrungen durchgesetzt und damit den Namen Wuppertals als Jazzstadt weltweit in Fachkreisen bekannt gemacht. Ich glaube nicht, dass unsere Stadt ansonsten mit dem Synonym Jazz heute irgendwo auf der Welt groß in Verbindung gebracht würde.

Ist die aktuelle Jazzszene genauso lebendig wie die damalige?

Am lebendigsten war die lokale Jazzszene nach meiner Einschätzung in den 70/80er Jahren, als eine Vielzahl von Musikern in quer über die Stadt verstreuten Lokalen und Kulturstätten jammten und Konzerte einen großen Publikumszulauf hatten. Aber ganz aktuell sehe ich wieder eine lebendige junge Szene heranwachsen, die sich weder an herkömmlichen Stilen orientiert noch Berührungsängste untereinander kennt und auch einige neue Spielstätten für den Jazz geöffnet hat. Vor allem die Verschränkung von Jung und Alt und die Entwicklung und Vermischung unterschiedlichster Musikstile machen die Besonderheit Wuppertals auch im Jahr 2009 aus.

Gibt es ein aktuelles Beispiel?

Ja, das Konzert am 14.Mai im LCB, wo die Gruppe Gorilla Moon mit einem der Protagonisten der ersten Stunde des Free Jazz, Dietrich Rauschtenberger, mit dem aus dem Rock (Armutszeugnis) kommenden Gitarristen Eugen Egner und dem Bassisten des Sinfonieorchesters, Dietmar Wehr, gemeinsame Sache machen. Vorneweg loten Bowling Desire After Palm, sieben ganz junge Musiker allesamt Anfang 20, aktuelle Spielarten des Art-Rock aus. Dies ist auch das mir sehr am Herzen liegende Grundkonzept des alljährlichen Wuppertaler Jazzmeetings, das auch in diesem Jahr wieder stattfindet - am 30. Oktober im Ada.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer