Was „Unverhofft in Kairo“ passiert, erzählt Jakob Peters-Messer in Kontrasten.

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„Unverhofft in Kairo“: Regisseur Jakob Peters-Messer feiert am Samstag in Barmen Premiere.

„Unverhofft in Kairo“: Regisseur Jakob Peters-Messer feiert am Samstag in Barmen Premiere.

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„Unverhofft in Kairo“: Regisseur Jakob Peters-Messer feiert am Samstag in Barmen Premiere.

Wuppertal. Der Pascha von Ägypten kommt nach Barmen: Selim Dursun spielt den Widerpart der Flüchtlinge, die sich im Exil unter osmanischer Herrschaft in Kairo befinden. Jakob Peters-Messer holt den Pascha nach Wuppertal und damit auch Kairo nach Barmen: Der frei schaffende Regisseur, der für die Wuppertaler Bühnen bereits „Die Heimkehr des Odysseus“ in die Wege geleitet hatte, feiert am Samstag die nächste Premiere im Opernhaus.

„Es gibt drei Übersetzungen. Wir haben die älteste gewählt. Nach unserem Wissen sind wir die Ersten, die sie auf die Bühne bringen.“

Johannes Blum, Dramaturg

Mit dabei ist neben dem Pascha auch Johannes Blum. Was der Musikdramaturg als erstes sagt, wenn er gefragt wird, was „Unverhofft in Kairo“ auszeichnet? Die Antwort hat schon so manchen wissbegierigen Wuppertaler Abonnenten verblüfft: „Sie werden den Titel im Opernführer nicht finden.“

Dafür findet man ihn nun im Spielplan der Wuppertaler Bühnen – und darf staunen. Denn die Liebesgeschichte, die als „Türkenoper“ gilt, spielt überhaupt nicht in der Türkei. Dabei gibt es noch mehr Verblüffendes: Die Wuppertaler Bühnen präsentieren Joseph Haydns Oper, die ursprünglich in Italienisch geschrieben wurde, auf Deutsch. Eine kleine Sensation, wie Blum betont: „Es gibt drei verschiedene Übersetzungen. Wir haben die älteste gewählt. Nach unserem Wissen sind wir die Ersten, die sie auf die Bühne bringen.“

Dass der deutsche Titel in keinem Opernführer aufgeführt sein mag, ist aber nur ein Aspekt. Ein ganz anderer ist die Tatsache, dass das Produktionsteam so frei war, deutlich in das Libretto einzugreifen und den Einsatz des türkischen Paschas auszubauen. So begleitet Schauspieler Selim Dursun das Geschehen in türkischer Sprache (mit deutschen Übertiteln). Dazu wird traditionelle osmanische Musik gespielt – quasi als Rezitativ-Untermalung der türkischen Texte.

„Die Gegenüberstellung ist spannend und der Motor des ganzen Abends“, erklärt Peters-Messer. „Wir haben die Konfrontation der Kulturen zugespitzt.“ Die ungewöhnliche Mischung aus deutscher Übersetzung, türkischen Kommentaren, klassischer Haydn-Musik und osmanischen Melodien hat bereits ihr Publikum in Remscheid und Solingen gefunden. Morgen kommen nun auch die Zuschauer in Wuppertal zum Zug.

„Das Opernhaus hat eine sehr schöne Akustik.“

Jakob Peters-Messer, Regisseur

Joseph Haydn komponierte „L’ incontro improvviso“ 1775 im damals sehr beliebten Genre der „Türkenoper“, musikalisch im italienischen Stil der Opera buffa. Im Rückblick scheint die Geschichte eine Vorlage für Mozarts einige Jahre später entstandene „Entführung aus dem Serail“ gewesen zu sein. Prinz Ali (Christian Sturm), in Ungnade gefallener Bruder des Königs, und Rezia (Banu Böke), die persische Prinzessin, sehen sich unverhofft wieder – tausende Kilometer entfernt von dem Ort, an dem sie bei einem Piraten-Überfall getrennt wurden. In Kairo ist Rezia dem Sultan im Harem gefügig, Ali irrt durch die Straßen.

Mit der Haydn-Oper eröffnen die Bühnen ihren diesjährigen Türkei-Schwerpunkt. Der Premierenvorhang hebt sich am Samstag um 19.30 Uhr im Opernhaus.

Infos zu weiteren Terminen gibt es unter www.wuppertaler-buehnen.de

Das Bühnenbild und die Zahl derer, die im Rampenlicht Theater machen, sind geblieben. Entscheidendes ist aber anders: Bei den Aufführungen in Remscheid und Solingen spielten die Bergischen Symphoniker, in Barmen sind die Wuppertaler Sinfoniker im Einsatz.

„Das Opernhaus hat eine sehr schöne Akustik“, schwärmt Peters-Messer am Rand einer Probe. Er setzt auf eine Drehbühne, um der Geschichte um zwei Liebende, die gewaltsam voneinander getrennt werden, den nötigen Schwung zu verleihen. „Es ist ein humorvolles Spiel mit Klischees – damals wie heute“, sagt der Regisseur. „Haydn hatte Sinn für Humor.“ Und ein Faible für Mozart. Vieles, sagt Peters-Messer, erinnere in der Tat an Mozart-Motive. Doch während Mozart ein Psychologe gewesen sei, setzte Haydn in seiner Kairo-Oper „die Musik-Nummern eher nebeneinander und experimentierte“.

Das könnte auch erklären, weshalb „Unverhofft in Kairo“ weniger bekannt ist als Mozarts (später entstandene) „Entführung aus dem Serail“: „Mozart war der größere Musikdramaturg“, sagt Peters-Messer, der dennoch an die Wirkung der „Türkenoper“ glaubt. „Die Musik ist wunderschön und leicht verständlich – aber auf einem sehr hohen Niveau. Sie spricht direkt zu uns.“ Wer ebenso direkt Karten bestellen möchte, kann sie sich unter Ruf 569 4444 sichern.

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