Morgen wird die erste Fassung der Griechischen Passion aufgeführt – erstmals in deutscher Sprache.

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Regisseurin Constanze Kreusch und Chefdirigent Hilary Griffiths freuen sich auf die „Griechische Passion“.

Regisseurin Constanze Kreusch und Chefdirigent Hilary Griffiths freuen sich auf die „Griechische Passion“.

Uwe Schinkel

Regisseurin Constanze Kreusch und Chefdirigent Hilary Griffiths freuen sich auf die „Griechische Passion“.

Wuppertal. Eine besondere Premiere feiern morgen die Wuppertaler Bühnen: Erstmals wird die erste Fassung der "Griechischen Passion" in deutscher Sprache aufgeführt. Bohuslav Martins Oper über Egoismus und fehlende Humanität trifft heute den Nerv der Zeit ebenso wie zur Zeit ihrer Entstehung 1958 und der Zeit in der sie spielt, Anfang der 20er Jahre.

"Die erste Fassung ist viel dramatischer und packender."

Hilary Griffiths, Chefdirigent

Die Vorlage zur Oper stammt vom griechischen Romancier Nikos Kazantzakis, zu dessen Werken auch "Alexis Sorbas" zählt. Die Oper spielt zu einer Zeit, die für die Griechen ein Trauma bedeutet. 1919 ist das osmanische Reich am Ende und Millionen Griechen, die dort seit Jahrhunderten leben, verlieren ihre Heimat, Zehntausende auch ihr Leben. In einem kleinen Dorf ist die Welt noch in Ordnung. Es ist Ostern, die Darsteller für die Passionsspiele werden gewählt, als eine Gruppe flüchtender Griechen ankommt. Obwohl sie Landsleute sind, werden sie vertrieben. Nur der Christus-Darsteller Manolios und eine Gruppe Gleichgesinnter möchten helfen. Für Manolios das Todesurteil. Angeführt vom Judas-Darsteller töten ihn die Dorfbewohner.

Die Dramatik um den "wieder gekreuzigten Christus" ist eine fesselnde Geschichte, die viele Fragen des menschlichen Miteinanders aufwirft. Das kommt in Martins’ Musik zum Tragen. "Es gibt viele Harmonien aus der Kirchenmusik. Durch das ganze Stück zieht sich ein meditativer Charakter", erklärt Chefdirigent Hilary Griffiths, der auch für die deutsche Übersetzung der ersten Fassung des Librettos verantwortlich zeichnet.

Der Unterschied zwischen der ersten und zweiten Fassung ist groß. Während die zweite Fassung eine ,normale Oper" ist, lebt die erste Fassung von Sprechgesängen und Rhythmenwechseln. "Es dauert, bis sich die Musik entfalten kann. Aber dann zählt es gleich doppelt", schwärmt der Dirigent. "Martin variiert total. Es gibt viele kurze Szenen. Die Schauspieler müssen von Anfang an da sein", erklärt Regisseurin Constanze Kreusch. Die Inszenierung ist aufwändig. "Wir haben ein Orchester, Chor, Extrachor, den Kinderchor der Wuppertaler Bühnen sowie Wuppertaler Kurrende und 19 Solisten. Teilweise stehen bis zu 100 Chorsänger auf der Bühne" sagt Griffiths.

Und das Bühnenbild? "Es ist so abstrakt und so groß, dass 140Leute auf die Bühne passen", erklärt Dramaturg Johannes Blum. Mit Marco Wohlwend ist auch ein Kollege des Schauspiel-Ensembles vertreten. Blum: "Das zeigt, vor allem im Hinblick auf den Protest der Bühnen, dass sich Oper und Schauspiel nicht auseinanderdividieren lassen."

Der Premierenvorhang hebt sich morgen um 19.30 Uhr im Opernhaus. Weitere Vorstellungen sind am 10., 18. und 29. April im Opernhaus. Infos und Karten: Telefon 569 4444.

In der Produktion wirken die Wuppertaler Kurrende sowie Mitglieder der Musikhochschule mit.

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