Seit 1986 wurde die „Bluthochzeit“ nicht mehr gefeiert. Am 13. Januar wird sie in Barmen zelebriert.

Bereiten die „Bluthochzeit“ im Opernhaus vor: Regisseur Christian von Götz (links) und Hilary Griffiths, der die musikalische Leitung übernimmt.
Bereiten die „Bluthochzeit“ im Opernhaus vor: Regisseur Christian von Götz (links) und Hilary Griffiths, der die musikalische Leitung übernimmt.

Bereiten die „Bluthochzeit“ im Opernhaus vor: Regisseur Christian von Götz (links) und Hilary Griffiths, der die musikalische Leitung übernimmt.

Andreas Fischer

Bereiten die „Bluthochzeit“ im Opernhaus vor: Regisseur Christian von Götz (links) und Hilary Griffiths, der die musikalische Leitung übernimmt.

Wuppertal. Aus der Sicht des Regisseurs ist es eine „spannende Familientragödie“. Für den Dramaturgen ist es ein „gut geschriebener Krimi“. Und für den musikalischen Leiter ist es schon deshalb eine Herausforderung, weil nicht nur der Titel der Oper („Bluthochzeit“) alles andere als nach holder Walzerseligkeit klingt, sondern die meisten Theaterbesucher beim Stichwort Zwölftonmusik auch nach wie vor zusammenzucken.

„Es ist nicht ganz einfach zu verstehen“, gibt Dirigent Hilary Griffiths zu. Wer sich jedoch auf die „Bluthochzeit“ einlasse, werde mit klappernden Kastagnetten und vielen Volksliedern belohnt. „Auf der einen Seite basiert das Stück auf strenger Zwölftonmusik, auf der anderen Seite gibt es aber auch spanische Folklore“, erklärt Griffiths.

„Wir haben den Ehrgeiz, dass die Zuschauer am Ende sagen: Was für eine schöne Musik!“ Mit „wir“ sind neben dem musikalischen Leiter vor allem Christian von Götz (Regie) und Johannes Blum gemeint, der sich die dramaturgische Betreuung mit seiner Kollegin Ulrike Olbrich teilt.

„Es ist eine spannende Familientragödie.“

Christian von Götz, Regisseur

Sie alle fiebern einer ganz besonderen Premiere entgegen: Seit 1986 wurde in der Opernwelt keine „Bluthochzeit“ mehr gefeiert. Die erste hatte 1957 in Köln stattgefunden. 22-mal war die lyrische Tragödie später aufgeführt worden – zuletzt 1986 in Düsseldorf.

„In den 60er und 70er Jahren war das Stück ein echter Hit“, weiß Christian von Götz, der die „Bluthochzeit“ am 13. Januar in Barmen zelebriert und somit auch sein Wuppertal-Debüt feiert. „Die Musik von Wolfgang Fortner ist toll. Es ist überhaupt nicht nachzuvollziehen, dass die Oper in der Versenkung verschwunden ist.“

Die „Bluthochzeit“ wurde erstmals 1957 gefeiert: Die Uraufführung fand unter der musikalischen Leitung von Günter Wand in Köln statt. Im Rückblick wird die „Bluthochzeit“ als eigentliche Eröffnung des Riphahn-Neubaus der Kölner Oper angesehen. Die literarische Vorlage lieferte Federico García Lorca 1933 in seiner Tragödie „Bodas de sangre“, nur wenige Jahre vor seiner Ermordung während des spanischen Bürgerkrieges. Knappe, wortkarge Dialoge kontrastieren hierbei mit poetischen Symbolismen. Spanische Folklore findet sich in der vielfarbigen Orchestrierung: Neben dem klassischen Instrumentarium erklingen Mandolinen, Kastagnetten, Tamburin und Gitarre. Bis heute wurde das Werk in 22 verschiedenen Produktionen auf die Bühne gebracht.

Seit Jahren lebt die Mutter (Dalia Schaechter) mit dem Trauma der Ermordung ihres Ehemanns und des älteren Sohnes. Der verbliebene Sohn überrascht sie mit Hochzeitsplänen, doch die Wahl seiner Braut versetzt ihr einen Stich: Das Mädchen war schon einmal verlobt – mit Leonardo (Thomas Laske), der aus der „Mörderfamilie“ stammt, die die Mutter für ihr Unglück verantwortlich macht. Trotzdem geht sie auf Brautwerbung und verhandelt mit dem Vater der Braut (Stephan Ullrich) die Details der Hochzeit. Doch Leonardo liebt die Braut (Banu Böke), deren Vater die damalige Verlobung aus Geldgründen gelöst hatte, noch immer. Auch die Braut versucht, ihre Gefühle für Leonardo abzutöten. Kurz nach der Vermählung wird entdeckt, dass Leonardo und die Braut gemeinsam von der Feier verschwunden sind. Der Bräutigam (Gregor Henze) nimmt die Verfolgung auf.

Die „Bluthochzeit“ feiert am Sonntag, 13. Januar, um 18 Uhr Premiere im Opernhaus. Das Wuppertaler Sinfonieorchester spielt in großer Besetzung – unter der Leitung von Hilary Griffiths. Karten gibt es bei uns unter

www.wz-ticket.de

Ergänzend zur Premiere veranstalten die Wuppertaler Bühnen am 12. und 13. Januar ein Symposium mit Vorträgen namhafter Musikwissenschaftler und Journalisten rund um Wolfgang Fortner und sein Werk. Das Programm ist eine Kooperation mit der Hochschule für Musik und Tanz Köln (Standort Wuppertal). Ein Kammerkonzert („Macht mir Musik“) findet am Samstag, 12. Januar, um 20 Uhr in der Musikhochschule an der Sedanstraße 15 statt. Dort beginnt am 13. Januar auch um 10.30 Uhr das Symposium. Zu einer Podiumsdikussion („Wolfgang Fortner – zurück ins Repertoire?“) wird am 13. Januar um 15 Uhr ins Opernhaus geladen.

Woran es gelegen haben könnte? „In den 80ern hatte man anderes zu entdecken und hat die 50er vergessen“, sagt Dramaturg Johannes Blum.

Auch Christian von Götz weiß, wie sehr der Opernmarkt Moden unterworfen ist. „Das Fordernde, das das Stück hat, entsprach nicht dem Zeitgeist“, mutmaßt der Regisseur – nicht ohne augenzwinkernd die eigene Wiederentdeckung anzupreisen. „Nun sind wir so frei, dass wir so was ,Uncooles’ wieder machen können.“

Eine Gast-Sängerin aus Köln: Mutter-Rolle für Dalia Schaechter

Zumal die Besetzung stimme. „Man muss eine tolle Cast haben, sonst kann man das Stück nicht vermitteln“, betont Christian von Götz. „Man muss deluxe besetzen.“ Nicht zum ersten Mal arbeitet der 44-Jährige deshalb mit Dalia Schaechter zusammen: Die Gast-Sängerin aus der Kölner Oper übernimmt die Rolle der Mutter, die der Gedanke an Blutrache nicht loslässt. „Sie steht sowohl szenisch als auch musikalisch im Zentrum des Stückes.“

Die Wuppertaler Bühnen möchten mögliche Nachahmer animieren

Nicht nur mit Blick auf die Besetzung glaubt der gebürtige Lübecker, dass das blutige Thema in Wuppertal ankommen dürfte: „Ich bin mir sicher, dass es eine Entdeckung für das Repertoire ist – und es viele Nachzügler an anderen Bühnen geben wird.“

So sieht sich der Regisseur als moderner Wiederentdecker: „Die Aufführungen der 50er Jahre waren sehr statisch. Heute können wir die Geschichte ganz anders aufbrechen und zu Leben erwecken.“ Wie die Bühne in Barmen aussehen wird, will er allerdings (noch) nicht verraten. So viel sei aber sicher: „Die Kraft, die das Stück hat, lässt mit Sicherheit niemanden kalt. Es trifft einen wie ein Stein an der Stirn.“

 

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