Das Zusammenspiel war ein besonderes Erlebnis.

Das Stiftungskonzert in der Immanuelskirche fand im Rahmen der Bergischen Biennale statt.
Das Stiftungskonzert in der Immanuelskirche fand im Rahmen der Bergischen Biennale statt.

Das Stiftungskonzert in der Immanuelskirche fand im Rahmen der Bergischen Biennale statt.

Gerhard Bartsch

Das Stiftungskonzert in der Immanuelskirche fand im Rahmen der Bergischen Biennale statt.

Wuppertal. Die Sorge, dass sich die Orgel nicht gegen das riesige Schlagwerk-Arsenal behaupten könnte, das auf der Empore aufgebaut ist, hat Wolfgang Kläsener nicht. In allen ausgewählten Kompositionen beim Stiftungskonzert der Kantorei Barmen-Gemarke, das gleichzeitig in der Bergischen Biennale für Neue Musik angesiedelt ist, spielt die Orgel eine zentrale und tonangebende Rolle.

Erstmals schrieb Dimitri Schostakowitsch 1927 eine Komposition für Schlagzeug - als Zwischenspiel für die skurrile Oper "Die Nase", wo eine abgeschnittene Nase ein sonderbares Eigenleben entwickelt.

Treibend und turbulent wirkt die Musik, die Christian Roderburg und seine Studenten höchst konzentriert auf den Schlaginstrumenten realisieren. Petr Eben komponierte seine "Landschaften von Patmos" 1984 und gruppiert um den zentralen Satz "Landschaft mit Tempel" Sätze in stimmungsreicher, dramatischer oder gar apokalyptischer Musik.

Orgel und Schlagwerke kommunizieren in Dialogen. Meditative Orgelweisen treffen auf schrille Röhrenglocken-Schläge. Der "Regenbogen" assoziiert Glitzern und Funkeln in hohen Registern oder auf den hohen Metall-Stabspielen. Überschreitende Tonräume, vielfältig geschichtete Rhythmen und ein Feuerwerk an Klangfarben sind Kennzeichen der mitreißenden Musik. William Albright arbeitet in "Halo" mit Clustern und Glissandi, um dem Weltall-Phänomen Klanggestalt zu geben.

Reizvoller Kontrast: Melodische Linien und wüste Rhythmen

Lou Harrisons "Konzert für Orgel und Schlagzeug-Orchester" von 1973 führen die Schlagwerker auf der Empore und der Bühne aus. Dort übernehmen Klavier, Celesta, Glockenspiel und Vibraphon neben der Orgel die eher melodischen Linien. Hinter traditionellen Satz-Bezeichnungen verbergen sich minimalistische Skalen, stets wiederholte Patterns, fernöstliche, pentatonische Reihen, aber auch wüste, vom treibenden Rhythmus dominierte Passagen. Das "Allegro Finale", in dem sich Kläsener an der Orgel wie an einem Schlaginstrument abarbeitet, ist eine vitale, witzige und befreiende Musik.

Das nächste Biennale-Konzert beginnt Freitag um 19 Uhr: Mitglieder des Sinfonieorchesters und Verena Louis (Klavier) präsentieren an der Hirschstraße 12 "Romantik der Moderne".

Das Johannisberg-Quartett spielt am 17. Mai um 20 Uhr Werke von Beethoven, Firsova und Janacek.

Die Kantorei singt als vokalen Gegenpart zum Instrumenten-Aufgebot John Cages "ear for EAR" (1983). Von der Empore herab rauscht und geistert die Klangwolke in nacheinander und durcheinander gesungenen Zeilen durch den Kirchenraum - wie alles an diesem Abend ein ganz besonderes Hörerlebnis.

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