Am 23. November tritt Stoppok mit neuem Album im Live Club Barmen auf.

Er ist zwar dieses Jahr 60 Jahre alt geworden, altersmilde wird Stefan Stoppok deswegen aber keinesfalls. Das kann man den engagierten bis provokanten Texten seines neuen Albums „Operation 17“ immer noch vernehmen. Musikalisch wird der ehemalige Straßenmusiker mit seiner lässig-lakonischen Mischung aus Folk, Blues und Rock im Alter jedenfalls immer besser - fast wie ein guter Wein. Zuvor gab Stoppok der WZ ein Interview:

Herr Stoppok, Sie haben Anfang diesen Jahres Ihren 60. Geburtstag gefeiert. Wie fühlt sich ein ehemaliger Straßenmusiker in den Sechzigern?

Stefan Stoppok: Nicht anders, wie vorher auch! Es ist aber schon erstaunlich, wie wenig von dieser Zahl eigentlich bei mir ankommt. Machen Sie sich gar keine Gedanken über ihre persönliche Zukunft? Im Gegenteil: Ich habe mir immer schon Gedanken über die Zukunft gemacht. Das ist also nichts Neues für mich. Und außerdem war bei mir auch schon immer alles barrierefrei.

Was denken Sie, wie lange werden Sie noch auf der Bühne stehen?

Stoppok: Da es keine bessere Alternative für mich gibt, werde ich es wohl so lange machen, wie es geht.

heimat Seiner alten Heimat – dem Ruhrpott – hatte Stoppok schon mit seinem Umzug nach Bayern vor einigen Jahren den Rücken gekehrt. Nach nach einigen Jahren in Bayern zog es ihn mittlerweile wieder in seine Geburtsstadt Hamburg. Die „Schnodder-Schnauze“ ist der diesjährige deutsche Weltmusikpreisträger aber auch jenseits der 60 geblieben, wie die galligen Texte in neuen Songs wie „Planlos durch das All“ oder „Friss den Fisch“ eindrücklich zeigen. Einige davon kann man demnächst auch live vernehmen, wenn der sympathische Song-Poet mit seiner Band auf Tournee kommt und am Mittwoch, 23. November, ab 20 Uhr im Live Club Barmen gastiert.
 

Steht der neue Song ‘1 Weg hier raus’ vielleicht für mögliche Abschiedsszenarien?

Stoppok: Nein, gar nicht! Bei dem Song geht es um Leute, die in einem System gefangen sind und ihren Frust darüber schieben.

Macht Ihnen Deutschland derzeit keinen Spaß mehr, oder wie ist die Textzeile ‘gestylte Bräune statt buntem Treiben’ daraus zu verstehen?

Stoppok: Nicht nur in Deutschland grassiert ja gerade die Dummheit. Man hat das Gefühl, zur Zeit sind vermehrt Idioten unterwegs. In jedem Land...

Das ganze Album heißt ‘Operation 17’.Was bedeutet der Titel?

Stoppok: Na ja, es ist mein 17. Studioalbum und so eine Produktion hat ja auch immer was von einer Operation am offenen Herzen. Und wenn man den Titel eher militärisch deuten mag, dann in die Richtung, dass wir eine Operation gegen schlechte Musik starten.

War es auch Teil des Operationsplans, dass das Album exakt auf Platz 17 in den deutschen Album-Charts eingestiegen ist?

Stoppok: Nein, aber es wäre schön, wenn wir dazu in der Lage wären, so etwas vorher zu planen...

Das heißt, Sie haben gar nicht mit diesem tollen Erfolg gerechnet?

Stoppok: Doch, damit gerechnet haben wir schon, es aber nicht bewusst angestrebt.

Hoffen Sie vielleicht noch auf den ganz großen kommerziellen Durchbruch à la Lindenberg, Grönemeyer und Westernhagen?

Stoppok: Um Gottes Willen - ich mag keinen Stadionrock.

Wie wichtig ist Ihnen der Erfolg generell?

Stoppok: Ein gewisser Erfolg ist einfach wichtig, um seine Sache weitermachen zu können, mehr aber nicht. Zu großer Erfolg macht die ganze Sache meistens wieder kaputt.

Was ist auf „Operation 17“ anders als auf dem letzten Album „Popschutz“ von 2014?

Stoppok: „Operation 17“ ist im Gegensatz zu „Popschutz“ etwas gradliniger und einfacher instrumentiert.

Auch in „Planlos durch das All“ kritisieren Sie die „verquerte, subjektive und auf Halbwissen basierende, völlig schräge Wahrnehmung unserer Welt“. Was mag dafür verantwortlich sein?

Stoppok: Die Selbstüberschätzung vieler Leute, gepaart mit einem gefährlichem Halbwissen.

Später in dem Text laden Sie zum „Grand Prix der Behämmerten, ...der Superstars mit Megatalenten“ als ‘Kandidaten für eine Staffel der Megapsychopatienten“. Sie stehen nicht unbedingt auf Casting-Shows wie „DSDS“ oder „Voice Of Germany“?

Stoppok: Ich finde diese Formate absolut grässlich, weil sie angehende Talente lediglich vorführen und ihnen dadurch die Chance nehmen, sich als Künstler wirklich zu entwickeln.

Sie werden häufig als ‘Ruhrpott-Barde’ bezeichnet. Gefällt Ihnen der Begriff eigentlich?

Stoppok: Nicht wirklich. Das klingt mir schon wieder zu sehr nach Stadionrock…

Wie würden Sie sich selbst denn bezeichnen?

Stoppok: Als musikalischer Einzelhändler, der es schafft, ein vielfältiges Sortiment in seinem Laden anzubieten, ohne sich dabei einer großen Kette anzuschließen.

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