Derzeit gehören 88 Musiker zum Sinfonieorchester Wuppertal (links). Falls ein bergisches Groß-Orchester entsteht, fehlt laut Kulturdezernent Matthias Nocke (rechts) ein Proberaum.
Derzeit gehören 88 Musiker zum Sinfonieorchester Wuppertal (links). Falls ein bergisches Groß-Orchester entsteht, fehlt laut Kulturdezernent Matthias Nocke (rechts) ein Proberaum.

Derzeit gehören 88 Musiker zum Sinfonieorchester Wuppertal (links). Falls ein bergisches Groß-Orchester entsteht, fehlt laut Kulturdezernent Matthias Nocke (rechts) ein Proberaum.

Derzeit gehören 88 Musiker zum Sinfonieorchester Wuppertal (links). Falls ein bergisches Groß-Orchester entsteht, fehlt laut Kulturdezernent Matthias Nocke (rechts) ein Proberaum.

Andreas Fischer / Archiv, Bild 1 von 2

Derzeit gehören 88 Musiker zum Sinfonieorchester Wuppertal (links). Falls ein bergisches Groß-Orchester entsteht, fehlt laut Kulturdezernent Matthias Nocke (rechts) ein Proberaum.

Herr Nocke, in der Diskussion um eine bergische Orchesterfusion schlagen die Wellen denkbar hoch. In Remscheid und Solingen wurde Wuppertals Chef-Dirigent und künstlerischer Leiter, Toshiyuki Kamioka, scharf angegriffen, weil er erklärt hatte, für eine Fusion nicht zur Verfügung zu stehen. Wie nehmen Sie die Misstöne im bergischen Städtedreieck wahr?

Matthias Nocke: Ich mache es so wie der hochgeschätzte künstlerische Leiter unseres Orchesters: Ich ignoriere sie.

Kommen wir von den städtischen Befindlichkeiten zu konkreten Fakten: Nehmen wir an, es käme tatsächlich zu einem Zusammenschluss der Bergischen Symphoniker mit den Wuppertaler Sinfonikern. Wo würde ein solches Groß-Orchester mit dann 160 Musikern spielen und wo könnte es überhaupt proben?

Nocke: Unabhängig davon, ob es sich um 150 oder 160 Musikerinnen und Musiker handelt, ist festzustellen, dass ein solches Orchester in Gesamtstärke nur in Wuppertal spielen kann – es sei denn, es handelt sich um ein Freiluftkonzert. Weder das Remscheider Teo Otto Theater noch das Theater- und Konzerthaus der Stadt Solingen verfügen über entsprechende Kapazitäten. Spielen in unterschiedlichen Besetzungen würde ein solches Orchester natürlich in allen drei Städten. Sollte ein solches Orchester Realität werden, wäre der Sitz des Orchesters in Solingen und der Sitz der Gesellschafterversammlung in Remscheid. Der künstlerische Hauptspielort wäre die Stadthalle am Johannisberg. Allerdings wäre dies ein Euphemismus, denn die Realität hieße, das nach derzeitigem Stand eines der besten Konzerthäuser pro Konzertwochenende nur noch durch ein Sinfoniekonzert bespielt werden würde. Natürlich bleibt das Orchester auch in einer solchen Konfiguration ein Opernorchester, das seine Dienste im Graben des Wuppertaler Opernhauses versehen würde.

Und wo würde geprobt?

Die städtischen Musiker stehen nicht nur im Zentrum der kulturpolitischen Diskussion, sie sitzen vor allem auch auf der Konzertbühne: Wer das Sinfonieorchester live erleben möchte, hat dazu am 13. Juni Gelegenheit. Am Pfingstmontag geht die städtische Chorkonzert-Reihe in ihre letzte Runde. Die Sinfoniker spielen um 18 Uhr in der Stadthalle. Gemeinsam mit dem Chor der Konzertgesellschaft Wuppertal interpretieren sie „Die Jahreszeiten“ von Joseph Haydn. Die Leitung übernimmt Johannes Hiemetsberger. Karten können unter Ruf 569 4444 bestellt werden.
 

Nocke: Schwierig ist in der Tat die Frage der Probe-Lokalität. Alle Beteiligten gehen davon aus, dass diese am künstlerischen Hauptspielort des Orchesters in Wuppertal liegen muss. Tatsache ist jedoch auch, dass der jetzige Proberaum an der Burgunderstraße gerade für das vorhandene Orchester ausreichend bemessen ist. Erweiterungen scheiden aus. Daraus resultiert im Falle eines Falles die Findung einer neuen Orchesterliegenschaft, die entweder aus dem Bestand heraus entwickelt oder aber neu errichtet werden müsste.

Was würde das kosten?

Nocke: Seriöserweise können die erforderlichen Investitionskosten noch nicht beziffert werden. Auch über eine wirtschaftliche Verwertung der für beide Orchester bislang genutzten Immobilien kann noch keine Aussage getroffen werden. Nach einer ersten Einschätzung ist ein einstelliger Millionenbetrag aufzuwenden, dessen Höhe sich danach bemisst, ob man sich für Bauen im Bestand, Mietkauf mit Festpreisgarantie oder welches Modell auch immer entscheidet.

„Falls es zu einer Fusion kommt, muss das Publikum flexibler und mobiler werden. Voraussetzung ist, gesamt-bergisch zu denken.“

Falls es tatsächlich zu einer Fusion kommen sollte: Was hieße das für das Publikum?

Nocke: Das Publikum muss flexibler und mobiler werden. Vorraussetzung ist, gesamt-bergisch zu denken und es als erweitertes Angebot zu begreifen, ein Konzertprogramm an drei Standorten präsentiert zu bekommen.

Das Wuppertaler Sinfonieorchester befindet sich seit Jahren im Aufwind und hat sich unter Toshiyuki Kamioka kontinuierlich weiterentwickelt. Im Falle einer Fusion sind deutliche Qualitätsverluste zu erwarten, denn ein Ensemble muss erst einmal zusammenwachsen. Befürworter argumentieren hingegen damit, dass ein neues Spitzenorchester entstehen könnte. Wie realistisch ist diese Annahme?

Nocke: Das ist pure Phantasie, die sich bislang allein aus der Tatsache der schieren Größe eines solchen Orchesters speist. Leerer Beutel und große Klappe sind nicht bergischer Stil. Ich halte von dieser Arbeitshypothese nichts.

Die Oberbürgermeister wollen die Landesregierung um Hilfe bitten und hoffen auf eine Finanzspritze. Wäre das Projekt gescheitert, wenn das Land keine finanzielle Unterstützung zusagt?

Nocke: Das Land NRW hat bei Vorstellung der Ergebnisse des Gutachtens – das Fazit war, dass eine Fusion künstlerisch sinnlos, finanziell möglicherweise sinnhaft wäre – erklärt, es werde sich nunmehr raushalten und sich über die Arbeitsergebnisse und die darauf basierenden Willensbildungsprozesse vor Ort auf dem Laufenden halten lassen. Zu gegebener Zeit werde man prüfen, ob es im Interesse des Landes sei, einen solchen Prozess finanziell zu fördern. Prognosen verbieten sich derzeit, wenngleich die Stellungnahme der SPD-Landtagsfraktion deutlich ist.

Auch für den Fall, dass es am Ende keine Fusion gibt, sind die Probleme nicht gelöst. Glauben Sie, dass Sponsoren das Sinfonieorchester retten können?

Nocke: Im Kulturleben unserer Stadt haben wir es vorzugsweise mit Mäzenen zu tun – einer anderenorts auf der roten Liste bedrohter Arten stehenden Spezies. Das sind Einzelpersönlichkeiten, die aus Verbundenheit, Verantwortung und Interesse heraus Einrichtungen, Institutionen und Ideen fördern und erhalten. Sponsoren hingegen sind Förderer, die aus einem völlig legitimen Eigeninteresse heraus ihren Namen oder Firmennamen mit der zu fördernden Einrichtung verbinden möchten. An den letzteren Fall glaube ich so nicht. Die Bergischen Obi oder Vaillant Sinfoniker oder das Sinfonieorchester Bayer Wuppertal erscheinen mir relativ utopisch.

Und was ist mit den Mäzenen?

Nocke: Mäzene wird es allein oder im Verbund der Freunde und Förderer und/oder der Konzertgesellschaft für das Sinfonieorchester Wuppertal in der ein oder anderen Weise geben. Aber zunächst haben wir im Falle eines frühzeitigen Scheiterns einer Orchesterfusion unsere Hausaufgaben zu erledigen. Es gibt kein „Rundum-Sorglos-Paket“ imaginärer Heinzelmännchen. Da alles mit allem zusammenhängt, werden Politik und Verwaltung dann – oder besser: auch dann – sagen müssen, wo die Perspektiven von Bühnen und Orchester liegen und zu welchen Bedingungen sie zur Entfaltung kommen können.

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