Das Stück „Sweet Mambo“ ist jetzt wieder im Opernhaus zu sehen.

Ensemble Pina Bausch
Julie Shananhan wird in „Sweet Mambo“ immer wieder am Fortkommen gehindert.

Julie Shananhan wird in „Sweet Mambo“ immer wieder am Fortkommen gehindert.

Oliver Look

Julie Shananhan wird in „Sweet Mambo“ immer wieder am Fortkommen gehindert.

Wuppertal. „Sweet Mambo“ mit seinem luftig-duftigen Bühnenbild aus wehenden Tüchern (Peter Pabst) stellt die individuellen Ausdrucksqualitäten der Tänzer wieder ganz in den Mittelpunkt. 2008, ein Jahr vor dem Tod von Pina Bausch entstand es, getanzt nun von den „gestandenen“ Mitgliedern der Kompanie. Nur eine der „Neuen“, Breanna O‘Mara, durfte dieses Mal mit dabei sein.

Mitreißende Soli vor Stoffbahnen, die manchmal zu Monstern werden

Regina Advento eröffnet: „Ich heiße Reschina, nicht Regina“, belehrt sie keck. Auch andere Tänzerinnen stellen sich vor. Nazareth Panadero, die mit tiefer, rauchiger Stimme als superblondes Barbie-Girl kokettiert und dämonisch lacht, sagt: „Ich heiße wie die Stadt, mein Nachname heißt einfach nur Bäcker.“

Die langen Stoffbahnen der Bühne korrespondieren mit den traumhaft schönen Roben, die Marion Cito den Tänzerinnen auf den Leib geschneidert hat: Die wehen wie Tellerglocken in der Bewegung, bauschen sich auf oder umfließen den Körper. Manchmal mutieren die Bühnenstoffe zu lebendigen Monstern: Wind bläht sie auf, sie umwabern die Tänzer oder schließen sie wie im Kokon ein.

Die mitreißenden Soli, meist zu sanfter, einschmeichelnder Musik ausgeführt, dominieren die Choreografie. Paar-Konstellationen gibt es, wenn die drei Herren den Damen den bloßen Rücken ablecken oder sie am Fortkommen hindern: Immer bedrohlicher wird es, wenn Julie Shanahan einem verzweifelten Ruf folgen will und von starken Männerarmen stets zurückgezerrt wird. Auch ein Tisch, der den Weg verstellt, vereitelt ihren Lauf. Und ein Tanz von Michael Strecker und Nazareth Panadero wandelt sich zum aggressiven Paar-Kampf.

Vor Groß-Projektionen aus dem Film „Der Blaufuchs“ von 1938 mit Zarah Leander, Willy Birgel und Paul Hörbiger bewegen sich die Tänzer wie Miniaturen – die stumme Kommunikation der Filmhelden in den Tanz transportierend. „Sweet Mambo“ – das ist Tanz voller Ästhetik und Erotik, aber auch voller düsterer Andeutungen und berührender Konflikte.

Sweet Mambo dauert zweieinhalb Stunden mit Pause. Weitere Aufführungen sind am 20. September um 19.30 Uhr und am 21. September um 18 Uhr im Opernhaus.

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