Aufführung: Wie dem Herrn Mockinpott das Leiden ausgetrieben wird.

Aufführung: Wie dem Herrn Mockinpott das Leiden ausgetrieben wird.
„Wie dem Herrn Mockinpott das Leiden ausgetrieben wird“, ist im Januar im TiC (Atelier) zu sehen.

„Wie dem Herrn Mockinpott das Leiden ausgetrieben wird“, ist im Januar im TiC (Atelier) zu sehen.

Stefan Fries

„Wie dem Herrn Mockinpott das Leiden ausgetrieben wird“, ist im Januar im TiC (Atelier) zu sehen.

Wuppertal. Weihnachten strahlt einen warmen Optimismus aus - man möchte an das Gute im Menschen glauben. „Wie dem Herrn Mockinpott das Leiden ausgetrieben wird“ will so gar nicht in diese Stimmung passen, denn ganz und gar widerspenstig hat das Theaterstück eine ganz andere eindringliche Botschaft an den Rezipienten. Der Mensch ist unterdrückt, der Willkür bösartiger Mitmenschen unterworfen, wird, wo es geht, ausgenommen, betrogen - kurz: um sein Glück gebracht.

Ein Unglück jagt das nächste

So wird der Herr Mockinpott auch nach der Entlassung aus einer für ihn nicht nachvollziehbaren Haft, mit einem Unglück nach dem anderen konfrontiert. Er wird manipuliert, Ärzte pfuschen an ihm herum, seine Frau verlässt ihn, betrügt ihn, sein Arbeitgeber will ihn nicht mehr kennen, und selbst Gott gibt ihm weder Hoffnung noch Erklärung für seine Lage.

Das Mitte der 60er Jahre von Peter Weiss geschaffene Werk ist, trotz des konsistent aufblitzenden Humors - indes mehr als sarkastisch getränkt -, bittere Kost. Das fein säuberlich gereimte „Spiel in elf Bildern“ - Weiss nannte es selbst Hanswurstiade - trieft vor moralin-gesäuertem Pessimismus. Irgendwie trostlos. Welch Glück, dass Hans Werner Otto, dem das Stück schon seit gut 40 Jahren auf dem Herzen lag - man fragt sich wieso eigentlich -, das Werk mit seinem Ensemble, im Theater am Engelsgarten, mit einer gewissen Leichtigkeit hat aufleben lassen. Den Rahmen - wunderbar gelungen übrigens - bildet eine Stummfilm-Motivik. In Filmsequenzen (Filmarbeiten: Uwe Schorn) werden einzelne Passagen eingespielt. Die Ästhetik spielt mit Assoziationen zu nicht minder sozialkritischen Filmen à la Chaplin. Die Bilder verbindet eine Art skurril verzerrter Choral in Weill-scher Manier (Kompositionen Hartmut Klug).

Die gewollten Assoziationen zu Brechts Theater passen. Doch der Vergleich hinkt. Weiss Werk fehlt es an diesem besonderen Charme. Große Kartons bilden das karge Bühnenbild (Ausstattung Wolfgang Mohrhenn) das mit wenigen Accessoires akzentuiert wird; in dem sich die Schauspieler stimmig bewegen. Man sprüht vor Spielfreude. Ob nun Stefan Otto als Mockinpott, oder auch sehr überzeugend Oberbürgermeister Andreas Mucke - ja, er ist ein hervorragender Schauspieler - als sein „Begleiter“ „Wurst“, schauspielerisch glänzt die Aufführung durchaus auf ganzer Linie. Natürlich gab es im sehr gut gefüllten Theater viel Beifall. cogl

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