Anne Linsel vor ihrem Sisley-Lieblingsbild: „La Seine au Point du Jour“ ist bis zum 29. Januar im Von der Heydt-Museum zu sehen.
Anne Linsel vor ihrem Sisley-Lieblingsbild: „La Seine au Point du Jour“ ist bis zum 29. Januar im Von der Heydt-Museum zu sehen.

Anne Linsel vor ihrem Sisley-Lieblingsbild: „La Seine au Point du Jour“ ist bis zum 29. Januar im Von der Heydt-Museum zu sehen.

Andreas Fischer

Anne Linsel vor ihrem Sisley-Lieblingsbild: „La Seine au Point du Jour“ ist bis zum 29. Januar im Von der Heydt-Museum zu sehen.

Wuppertal. Ihr Lieblingsbild in der Sisley-Ausstellung? Autorin und Filmemacherin Anne Linsel hat sich für „La Seine au Point du Jour“ (1877) entschieden. Die Leihgabe aus Le Havre (Musée Malraux) ist bis zum 29. Januar im Von der Heydt-Museum am Turmhof zu sehen.

„Mir gefällt an diesem Bild vor allem die scheinbare Spontaneität, das Experimentelle, das scheinbar so rasch Hingeworfene, das sich bei näherem Hinsehen doch als fein ausgewogen, wohl kalkuliert und exakt konstruiert erweist“, so Linsel. „Man kann das besonders gut an dem Schornstein sehen, der in der Bildmitte anfängt und zusammen mit dem roten Dach davor eine Art ,Fadenkreuz’ ergibt, um das herum sich eine wildbewegte Szenerie ordnet.“

Es ist ein unruhiges Bild, das Linsel ganz besonders gefällt. Die Ansicht der Seine im Morgengrauen wirkt wie ein Wirbel aus Blau und Weiß. Jeder Ort, den Alfred Sisley (1839-1899) malte, hat seinen eigenen Charakter und seine eigene Atmosphäre, die sich auf die Stimmung des Malers überträgt. Dabei war es das Ziel des Impressionisten, dem Betrachter seine eigene Ergriffenheit mit Blick auf die Landschaft vor Augen zu führen.

Apropos Betrachter: Wer das Bild im Kulturtempel in Elberfeld mustert, steht zugleich am Seine-Ufer und blickt auf die andere Seite des Flusses – Sisley macht es möglich. Nur ein schmaler Streifen Land trennt in der Ferne das Wasser vom Himmel. Fluss wie Wolken sind von derselben ungreifbaren Substanz, sichtbar gemacht durch dieselben Farben, allerdings in unterschiedlichen Rhythmen und Strichen auf die Leinwand gesetzt.

Kompositorisch ist der Himmel eindeutig dominant und er gibt auch dem Wasser das Aussehen vor, wenn sich die Wolken in den Wellen spiegeln. Aber alles bleibt wohl geordnet, getrennt letztlich durch den Landstreifen mit farblich akzentuierten Häusern und Bäumen. Ein klar abgesetztes Rot, eine festumrissene Partie Grün – und alle Farben, die Sisley einsetzt, kehren in den feingestrichelten Wellen wieder. thö

www.sisley-ausstellung.de

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