Autor Marc Pommerening hat sich Homer vorgeknöpft. Am Samstag ist Premiere.

Wo ist der Ausgang? Die Katakomben des Opernhauses erinnern Marc Pommerening bisweilen an die Odyssee.
Wo ist der Ausgang? Die Katakomben des Opernhauses erinnern Marc Pommerening bisweilen an die Odyssee.

Wo ist der Ausgang? Die Katakomben des Opernhauses erinnern Marc Pommerening bisweilen an die Odyssee.

Uwe Schinkel

Wo ist der Ausgang? Die Katakomben des Opernhauses erinnern Marc Pommerening bisweilen an die Odyssee.

Wuppertal. Endspurt im Opernhaus: Nur noch drei Tage bis zur Premiere von "Die Odyssee". Daniel Breitfelder steht auf der Bühne und spricht Reime aus der Feder von Marc Pommerening. Doch der Autor sitzt weit hinten, stumm, mit dem Notizblock auf dem Schoß. Er hat jetzt nicht mehr viel zu melden, die Regie führt Christian von Treskow. "Ich bin aber voll einverstanden, wie mit dem Text umgegangen wird. Außerdem sind wir ein eingespieltes Team - auch ein kampferprobtes", sagt Pommerening und lacht. Dabei ist Schweigen gar nicht sein Ding. Die Worte sprudeln oft nur so aus ihm heraus, manchmal so schnell, dass die Hände dem Mund nachhelfen müssen.

Nicht die Geschichte der Irrfahrt, sondern der Initialisierung reizt ihn

Erst im Mai, während er noch mitten in den Proben zu Peter Hacks "Jona" steckte - diesmal als Regisseur - wurde die Idee zur Wuppertaler Interpretation von Homers Epos entwickelt. "Bei seinem so großen Stoff muss man sich entscheiden - sonst wird es eine epische Nacherzählung", sagt er. Sollten sie sich auf die Irrfahrt konzentrieren? Nein, zu langweilig. Oder das Kriegsheimkehrerdrama erzählen, wie die meisten, die sich dem Stoff stellen? Auch nicht, die Inszenierung sollte doch familientauglich sein. Und ein Ehedrama wäre nichts für Jugendliche. Also erzählt Pommerening die Geschichte von Telemach, Odysseus’ Sohn, der sich auf die Suche nach seinem Vater macht und sich dabei fragt, ob dieser mehr Held oder Kriegsverbrecher ist.

Das ist unkonventionell, wenngleich Pommerening von sich sagt, dass er "Oldschool" sei: "Ich brauche Tradition, um mich daran abzustoßen." Deutlich wird das an der Form: Fünf Akte und Blankverse - das liegt nicht Jedem. Doch der 39-Jährige hat viel Erfahrung damit. Und er weiß, dass Verse den großen Figuren gut tun. Schon 2000 ließ er in Berlin Robin Hood in Reimen sprechen. Später stand er vor der Mammut-Aufgabe, den Ring der Nibelungen in zwei Stunden zu verpacken. Das geht nur mit Kunstgriffen - die er auch in Wuppertal anwendet. Anstatt die altbekannten Stationen der Odyssee direkt zu schildern, gibt es Theater im Theater: Odysseus ist zu Gast bei den Phäaken und erzählt dort von seiner Reise.

Solche Einfälle kommen Marc Pommerening nachts. Dann läuft er zur Hochform auf. In seiner Übergangsbleibe auf dem Loh hat er dabei einen ganz eigenen Rhythmus gefunden: "Ich darf auf dem Zimmer nicht rauchen, also schreibe ich eine halbe Stunde, gehe dann raus, rauche drei Zigaretten und mache mir Gedanken, wie es weiter geht." Bis zu zwölf Stunden geht das so.

Neuerdings beschäftigt ihn auch, wie es wohl mit dem Wuppertaler Kulturbetrieb weiter geht. "Was weg ist, ist weg", sagt er und sorgt sich wegen der Sparpläne. Andererseits sieht er auch ermutigende Signale. Etwa, wenn er abends mit einem Buch in seine Stammkneipe um die Ecke geht, und ihn Gäste ansprechen. Dann spürt er, wie der neue, frische Wind am Theater da draußen ankommt. "Die Leute sind wieder neugierig, sind wohlwollend skeptisch."

Der gebürtige Flensburger hat bis 2000 Regie an der Ernst-Busch-Hochschule in Berlin studiert. Seitdem arbeitet er als freier Autor und Regisseur. Allein in diesem Jahr hat er in Wuppertal Peter Hacks "Jona" inszeniert, in Erlangen "Die Reise", und schrieb zwei eigene Bühnenstücke. Für Familie bleibt da, so sagt er, kein Raum.

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