Die Oper „Hänsel und Gretel“ lohnt immer noch.

Wiederaufnahme
Die Hexe (Boris Leisenheimer, M.) füttert Hänsel (Michaela Mehring, l.) und kommandiert Gretel (Dorothea Brandt) herum.

Die Hexe (Boris Leisenheimer, M.) füttert Hänsel (Michaela Mehring, l.) und kommandiert Gretel (Dorothea Brandt) herum.

Uwe Stratmann

Die Hexe (Boris Leisenheimer, M.) füttert Hänsel (Michaela Mehring, l.) und kommandiert Gretel (Dorothea Brandt) herum.

Wuppertal. Wenn das Sandmännchen im Tretboot in den finstren Wald kommt und die beiden Kinder sanft in den Schlaf fallen lässt oder das Taumännchen auf einem gelben Fahrrad mit Propeller die beiden Kinder mit einer Pflanzen- spritze tags drauf wieder weckt, ist die Handschrift ganz klar: Solche netten Gags fielen immer wieder Ex-Opernintendant Johannes Weigand ein, der vor mehr als acht Jahren im Opernhaus die beliebte Märchenoper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck inszenierte.

Das Hexenhaus hat eine Fassade aus Lakritzkonfekt

Wie zur Adventszeit üblich, kam diese Geschichte in Anlehnung an das Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm hier wieder auf die Bühne. Es lohnt sich immer noch, das kurzweilige Bühnengeschehen mitzuverfolgen. Ein hübscher Effekt von Ausstatter Markus Pysall: Die Fassade des Knusperhäuschens besteht nicht aus Lebkuchen, sondern aus Gummibärchen und Lakritzkonfekt.

Dazu sangen sich sämtliche Hauptdarsteller und der Kinderchor (Einstudierung: Jens Bingert) in die Herzen des teils sehr jungen und jung gebliebenen Publikums. Michaela Mehring (Hänsel, Mezzo), Dorothea Brandt (Gretel, Sopran), Thomas Laske (Vater, Bariton), Di-ane Pilcher (Mutter, Mezzo), Boris Leisenheimer (Hexe, Tenor), Hong-Ae Kim (Sandmännchen, Sopran) und (Angelika März (Taumännchen, Sopran) beherrschten ihre Rollen stimmlich und darstellerisch ausgezeichnet.

Eine der gesanglich ergreifendsten Stellen war der Abendsegen gegen Ende des zweiten Bilds. Hänsel und Gretel beteten innig und anrührend. Aber warum Generalmusikdirektor und Opernintendant Toshiyuki Kamioka den dazu gehörenden traumhaft schönen Schutzengelchoral anfangs derart leise, kaum hörbar nahm, ist ein Rätsel. Es ist jedenfalls ein Novum in der Aufführungspraxis. Auch ließ er das ansonsten kultivierte Sinfonieorchester Wuppertal an manchen Stellen gegenüber den Sängern zu laut spielen.

Am Ende war gerade wegen des Bühnengeschehens der Jubel groß, nachdem die böse Hexe als Lakritzbonbon aus dem Backofen herausgezogen worden war, die wieder zum Leben erweckten Kinder ausgelassen ihre wiedergewonnene Freiheit besungen und die Eltern ihre wiedergefundenen Kinder umarmt hatten.

 

Dauer: etwa 2 Stunden und 15 Minuten, eine Pause. Weitere Termine: 10., 12., 14. Dezember sowie 6. und 8. Februar.

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