Beim Herbstkonzert in der Pauluskirche gab es neben viel Musik auch Anekdoten rund um Carl Michael Bellman.

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Das Zupfensemble Wuppertal 1919 spielte in der Pauluskirche in Unterbarmen.

Das Zupfensemble Wuppertal 1919 spielte in der Pauluskirche in Unterbarmen.

Andreas Fischer

Das Zupfensemble Wuppertal 1919 spielte in der Pauluskirche in Unterbarmen.

Wuppertal. Bittet das Zupforchester zum Konzert, hat es sich vorher ausführlich damit auseinandergesetzt, was Thema und Zentrum einer solchen Veranstaltung sein könnte. Zum diesjährigen Herbstkonzert war das Motto bald gefunden: "Liebe, Wein und Vergänglichkeit" lautete es und stellte Carl Michael Bellmans Sicht auf das Leben in dessen Liedern dar.

Ein schwedischer Dichter und Wuppertaler Klangkunst

Carl Michael Bellman wird ein "strahlendes Genie der europäischen Poesie genannt" und gilt als Schwedens bedeutendster Dichter. Nachdem in der Pauluskirche zunächst Tabea Förster und Lisa Solovey, beide Studentinnen in der Klasse von Mandolinenprofessorin Caterina Lichtenberg an der Musikhochschule, mit Francesco Piccones "Studio per la Mandola" eröffnet hatten, kam das Hauptthema.

Paul Döning, eine Art Multitalent an Flöte, Vibraphon, Gitarre und Saxophon, der sich seit langer Zeit mit der schwedischen Sprache und Literatur auseinandersetzt, präsentierte zusammen mit seiner Frau Andrea "Fredmanns Episteln und Gesänge". "Fredmans Episteln" und "Fredmans Gesänge" sind die bekanntesten Werke des schwedischen Dichters. Unterbrochen von einer fünfzehnminütigen Pause wurde ein Duzend der oft satirischen, augenzwinkernden Balladen geboten.

Anmoderiert mit dem Kommentar "Trunkenbold, Lebemann und Frauenheld oder war er doch ein schwermütiger Dichter, der so soff, um das Elend zu vergessen?", begann der Sänger und Sprecher mit "Prost denn bei Nacht und Tag". Zwischen Liedern wie "Stolze Stadt Stockholm" und "Ulla Winblad als Angebetete und Saufkumpan" verstand es der Vortragende geschickt, Geschichten und Anekdoten über den Dichter einzuflechten.

Ein Konzert mit Augenzwinkern und verschmitzten Zwischentönen

So erfuhren die rund 120 Zuhörer dass Bellman zu seiner Zeit so etwas wie ein Alleinunterhalter, "heute würde man vielleicht Blödelbarde sagen", gewesen ist. Mit großer Klappe traute er sich, etwa biblische Namen für seine durch und durch weltlichen Menschen zu verwenden und sparte auch erotische Details nicht aus.

Die so besungene "Ulla", offensichtlich eine angebetete Frau und Zechkumpanin in Personalunion, versuchte, sich gegen diese Art der Besingung zu wehren - erfolglos. Doch nicht nur um Menschen, sondern auch Zustände seiner Zeit ging es Bellman.

Und so erzählte Paul Döning mit verschmitztem Unterton, schöner Stimme und überaus geistreich von Adel und Geldadel, dem damaligen Stockholm und seinem internationalen Flair, Latrinenreinigung und der Hanse. Dazu spielte das Zupfensemble Wuppertal 1919 unter der Leitung Gregor Preutes, der sein Ensemble bestens in den Proben vorbereitet hatte, sodass es nun beim Konzert in sicherer, unterhaltsamer und guter Weise aufspielen konnte.

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