„Licht frei Haus“: Die letzte Premiere der Saison konnte am Freitag überzeugen.

Das Quartett aus dem Hinterhof: Gregor Henze, Maresa Lühle, Lutz Wessel und Juliane Pempelfort (von links) spielen Hausbewohner, die auf der Schattenseite des Lebens stehen.
Das Quartett aus dem Hinterhof: Gregor Henze, Maresa Lühle, Lutz Wessel und Juliane Pempelfort (von links) spielen Hausbewohner, die auf der Schattenseite des Lebens stehen.

Das Quartett aus dem Hinterhof: Gregor Henze, Maresa Lühle, Lutz Wessel und Juliane Pempelfort (von links) spielen Hausbewohner, die auf der Schattenseite des Lebens stehen.

Uwe Stratmann

Das Quartett aus dem Hinterhof: Gregor Henze, Maresa Lühle, Lutz Wessel und Juliane Pempelfort (von links) spielen Hausbewohner, die auf der Schattenseite des Lebens stehen.

Wuppertal. „Licht frei Haus“ gibt es in der Mietskaserne nur im vierten Stock, wo der ewige Student und durchgeknallte Computer-Freak Moritz (Gregor Henze) auch dichterische Ergüsse produziert. In ihrer letzten Premiere vor der Sommerpause bildet die Bühne im Kleinen Schauspielhaus (Birgit Stoessel) in Segmenten die Wohnungen auf den Etagen in der Ebene ab und liefert das Milieu mit gestapelten Säcken und Sperrmüll im Hof.

Geld und Arbeit sind Mangelware, und vom Mail-Adressen-Verkauf kann Moritz auch nicht leben. Man ist im abbruchreifen Haus auf der Schattenseite des Lebens, einsam und mittellos. Mit allerhand psychischen Macken stattet Autor Thomas Melle seine Figuren aus: Margot (gekonnt neben der Spur: Maresa Lühle) haust mit der Urne ihres Hans’ in der ersten Etage.

Hausbewohner solidarisieren sich im Kampf gegen einen Sozialarbeiter

Den Teufel auszutreiben – vom Exorzismus zum Orgasmus – hilft ihr Heinz, der hustende Hausmeister, den Lutz Wessel mit bedrückender Intensität zeichnet. „Pack, Gesocks“ seien die Hausbewohner, auf deren Hilfe er später angewiesen sein wird. Als die schwangere Agnes einzieht – Juliane Pempelfort gibt sie ausdrucksvoll zwischen Realität und Wunschdenken und mit verzweifeltem Mut zur Selbstbestimmung – , feiert man ein Hinterhoff-Fest. Moritz, den sie von früher kennt, kommt sie wieder näher und die Hausbewohner genießen das kleine Glück am Eimer-Grill mit Alkohol und Zigaretten.

Eike Hannemann inszeniert „Licht frei Haus“ durchaus nicht nur als vergnügliche Parodie, sondern als bittere Farce. Denn das Lachen bleibt oft im Halse stecken – zu real wirken die Figuren in ihrer Verlorenheit. Nur die poetische und oft allegorische, an Metaphern reiche Sprache Melles macht bewusst, dass keineswegs nur Realität abgebildet wird.

Der Sozialarbeiter Stempel (großartig arrogant: Andreas Ramstein) kann seiner Behörde keine Verbesserungen melden. Der alte Heinz soll daher ins Heim, die Wohnungen der Mieter sollen zwangsgeräumt werden. Im Gespensterspuk vertreiben „die Asozialen“ den Vertreter des Staates, der sich mit „Ich bin einer von ihnen“ anbiedern wollte. Keine Hoffnung bleibt den Bewohnern, die sich im Provisorium eingerichtet haben und mit Drogen in eine andere Welt träumen: „Man hat nicht mehr viel und wuchert mit den Resten“, konstatiert Moritz, den Gregor Henze überzeugend spielt.

Wenig Hoffnungsschimmer im düsteren Milieu

Licht frei Haus“ dauert eine Stunde und 45 Minuten (ohne Pause). Weitere Vorstellungen folgen am 28. und 29. Juni sowie am 6. und 7. Juli. Sie beginnen jeweils um 20 Uhr.
 

Der kranke Heinz wird im Gartenstuhl auf dem Rollbrett als Rollstuhl-Ersatz mehr schlecht als recht von der Hausgemeinschaft versorgt, Moritz besorgt es nun der Agnes, aber auch Margot kehrt zurück ins düstere Milieu. Ihr Kind wird ebenso wenig in Frieden aufwachsen können, wie der demente Heinz im Kinderlied mit brüchiger Stimme singt. Denn: Das Quadrat, durch das noch ein wenig Licht in den Hinterhof fiel, ist kleiner geworden. 

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