Im Leo Theater heißt es: „Zurück zum Happy End“. Thorsten Hamer führt nicht nur Regie, er spielt auch die Hauptrolle.

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Sie spielen ein Muttersöhnchen und ein Mauerblümchen: Thorsten Hamer und Racine Tewes machen in Langerfeld Theater.

Sie spielen ein Muttersöhnchen und ein Mauerblümchen: Thorsten Hamer und Racine Tewes machen in Langerfeld Theater.

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Sie spielen ein Muttersöhnchen und ein Mauerblümchen: Thorsten Hamer und Racine Tewes machen in Langerfeld Theater.

Wuppertal. Erinnerungen sind subjektiv - vor allem im Fall von Manfred Meyer und Bettina Kern. Ihre Geschichte beginnt kurz vor dem Ende. In zwei Stunden wollen sie heiraten. Genug Zeit noch also, um den Gästen von ihrer gemeinsamen Vergangenheit zu berichten. "Zurück zum Happy End" halt, wie der Titel der neuen Komödie von Frank Pinkus schon erahnen lässt.

Wie unterschiedlich die zwei Liebenden sich erinnern, konnten die Premierengäste im Leo Theater beobachten. Zum Beispiel, wie Bettina (Racine Tewes), ihren Verlobten Manfred (Thorsten Hamer) beim Joggen kennen lernt - mit einem Mars-Riegel in der Hand. "Normalerweise esse ich immer Bounty", pflegt Manfred dann zu sagen.

Aber es geht nicht nur um solche Kleinigkeiten: Sie hat ihn als unterwürfiges Weichei und Muttersöhnchen in Erinnerung, er sie als ihn anhimmelndes, schutzbedürftiges Mauerblümchen. Und dann ist da auch immer noch Bettinas nervtötende Schwiegermutter. Marianne Meyer (Christiane Breucker) sieht es als ihre Pflicht, ihren Sohn vor den bösen Machenschaften des weiblichen Geschlechts zu bewahren. Doch am Ende wird sie es sein, die der Geschichte eine entscheidende Wendung gibt.

Der Abend ist gefüllt von Erinnerungen - stets präsentiert aus zwei Perspektiven. Dabei nutzen die Schauspieler die recht kleine Bühne gekonnt aus. Sie arrangieren die Requisiten selbst für jede Szene und ziehen sich vor dem Publikum um (hinter einer halbhohen Wand, versteht sich).

Doch all das ist perfekt in das Spiel eingebaut. Was auch immer sie tun, sie stehen immer im Kontakt mit den "Festgästen". Für eine Szene im Wald wird grüner Teppich ausgelegt - ganz nebenbei, als sei es das Natürlichste der Welt. Das italienische Restaurant symbolisiert ein Pasta-Bild an der Wand. So schafft es das Ensemble, mit wenigen Mitteln seine Botschaft zu transportieren.

Racine Tewes: Als Bettina leidet sie unter der Schwiegermutter

Infos zu Terminen und Karten gibt es im Theater, In der Fleute 100 (Ruf 3729 428).

Die schauspielerischen Leistungen stehen da nicht hinten an. Vor allem Racine Tewes überzeugt mit einer ungezwungenen Natürlichkeit. Thorsten Hamer, der nicht nur Regie führt, sondern auch mitspielt, geht als schüchterner Tollpatsch auf. In dieser Rolle muss er sehr schmerzresistent sein: Er hat häufig Bodenkontakt.

Und wirklich jeder im Saal kann mit Bettina Kern mitleiden, die von der Schwiegermutter gepeinigt wird, der Christiane Breucker einen Hauch von Besessenheit verleiht. Fans von Rudi Carrell und Dieter Krebs werden bei diesem Stück auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen.

Regie: 4 von 5 Punkten

Bühne: 3 von 5 Punkten

Ensemble: 4 von 5 Punkten

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