Amelie Hilger und Fabrice Groten nutzten die Ferien auf ihre Weise: Sie haben eine Tournee vorbereitet. Die Wuppertaler spielen im Landesjugendorchester NRW.

Begeisterte Musiker: Fabrice Groten und Amelie Hilger.
Begeisterte Musiker: Fabrice Groten und Amelie Hilger.

Begeisterte Musiker: Fabrice Groten und Amelie Hilger.

privat

Begeisterte Musiker: Fabrice Groten und Amelie Hilger.

Wuppertal. Andere mögen am Mittelmeer-Strand gelegen haben, auf der Kaiserhöhe spaziert sein oder sich im Kino entspannt haben. Amelie Hilger hatte im Herbsturlaub anderes zu tun: Die 15-Jährige ist eines von 100 Talenten, die in den Schulferien mit Pauken und Trompeten gearbeitet haben.

Die junge Wuppertalerin, die dabei aufs Kontrabass-Spiel setzte, bereut es nicht. Im Gegenteil. "Ich finde es nicht schlimm, dass ich stressigere Ferien hatte als andere", sagt die Schülerin, die aus einer Musikerfamilie stammt. Zusammen mit Kollegen aus ganz Nordrhein-Westfalen hat sie ein anspruchsvolles Konzertprogramm erarbeitet.

Klassische Musik und Kampfsport: Fabrice Groten setzt auf Disziplin

Unterstützung kam aus der Heimatstadt: Auch Cellist Fabrice Groten spielt im Landesjugendorchester (LJO), das sein neues Programm nun auf einer Tour vorstellt.

Für die beiden Wuppertaler bedeutet das Arbeit, aber auch die Aussicht auf zahlreiche Zuhörer. "Es ist schön, mal mehrere Konzerte hintereinander geben zu können", betont Amelie Hilger, die zu den Jüngsten im Ensemble gehört. Abgesehen davon, dass sie sich derzeit von einem großen Publikum feiern lassen kann, "lerne ich im Orchester auch Leute aus ganz NRW kennen. Das macht einfach Spaß."

"Eine Leben ohne Musik fände ich traurig und langweilig."

Amelie Hilger, Bassistin

Fabrice Groten, der sich am Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium aufs Abitur vorbereitet, sieht das nicht anders. Der Musiker mit dem Faible für Naturwissenschaften spielt schon seit 13 Jahren Cello.

Wer Amelie Hilger (Kontrabass) und Fabrice Groten (Cello) live erleben möchte, hat dazu noch zwei Mal Gelegenheit. Heute geht es um 18 Uhr in den großen WDR-Sendesaal nach Köln. Am Sonntag, 7. November, spielt das Orchester um 16 Uhr im Theater Duisburg.

Wer denkt, dass er seine Freizeit allein im stillen Kämmerlein - nur mit Cello, Notenblättern und Physik-Büchern - verbringt, irrt sich allerdings gewaltig: Der 18-Jährige schwört auch auf Kung Fu. Eine ungewöhnliche Mischung, oder? "Ja, vielleicht. Aber andererseits passt es auch zusammen: Sowohl beim Cello als auch beim Kampfsport braucht man Selbstbeherrschung und viel Disziplin."

Während ihr Wuppertaler Kollege Physiker werden möchte, kann sich Amelie Hilger durchaus vorstellen, später ins Profi-Lager zu wechseln. "Ein Leben ohne Musik fände ich traurig und langweilig", betont die begeisterte Schwimmerin, die im Februar den Sprung ins Landesjugendorchester schaffte und Langeweile gar nicht erst aufkommen lässt.

Amelie Hilger liebt kraftvolle Klänge

Sie mischt nicht nur im NRW- Orchester mit, in das sie über den Landeswettbewerb "Jugend musiziert" gekommen ist. Auch im Instrumentalverein Wuppertal ist sie zu Hause. So oder so - Stücke von Beethoven und Mendelssohn mag sie am liebsten: "Ihre Musik ist kraftvoll." Dass sie mit dem Jugendorchester die weite (Musik-)Welt kennenlernen wird, ist so gut wie sicher. Denn die jungen Talente sind reiselustig und waren schon in Tschechien, Frankreich, Italien, Portugal, Polen, Litauen, Kroatien und China unterwegs.

Jüngst sind sie musikalisch nach Amerika aufgebrochen: Was die 13- bis 23-Jährigen in den Ferien im Schulzentrum Nottuln bei Münster einstudiert haben, trägt die Handschrift von Thomas Wise. Normalerweise arbeitet der US-Amerikaner an der Bonner Oper.

Bis zu neun Stunden pro (Ferien-)Tag

Nun gab der US-amerikanische Pianist und Dirigent in Nottuln den Takt vor - im Namen von George Gershwin ("Cuban Overture"), Stefan Hakenberg ("Give and Take") und Leonard Bernstein ("Candide Overture").

Dass die Nachwuchsmusiker dafür bis zu neun Stunden pro Tag geprobt haben, stört Groten nicht. Seine Ferien hat er auch so genossen, vermutlich sogar mehr, als wenn er sie im Kino oder am Strand verbracht hätte: "Ich kann nicht verstehen, wenn Leute zwei Wochen lang nichts machen. Ich könnte das nicht."

Das soll keinesfalls abgehoben klingen. Denn die Antwort auf die Frage, weshalb er dann nicht auch Profi werden wolle, ist entwaffnend ehrlich. Wobei die Betonung auf "müsste" liegt: "Dann müsste ich ja üben - ob ich gerade möchte oder nicht", sagt der Gymnasiast, der lieber freiwillig musiziert. "Ich habe zwar mit dem Gedanken gespielt, aber ich hätte Angst davor, dass mir dann der Spaß verloren geht." Den will er nämlich auf alle Fälle erhalten.

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