Mit einer Kunstaktion am Schauspielhaus will der Holländer Matthijs Muller Wuppertal auf die Probe stellen.

Wuppertal. Eine Plakatwand steht vor dem Schauspielhaus – ein ungewöhnliches Bild. Beim Blick aus dem vorbeifahrenden Auto verschwimmt das Motiv vor den Augen. Erinnerungen an die Torwand im Sportstudio werden geweckt oder vielmehr an ähnliche Wände, die auf Kinderfesten oder in Freizeitparks aufgestellt sind, damit man den Kopf für ein Foto durch ein Loch steckt. Ganz harmlos kommt die Installation des Holländers Matthijs Muller daher, bis zu dem Moment, in dem sich die in verschwommenen Farben angedeutete Szene im Kopf des Betrachters als die zur Ikone gewordene Momentaufnahme einer brutalen Enthauptung durch den IS zusammensetzt.

Die Installation von Matthijs Muller ist Teil der Ausstellung Mitwelt42103, ein Projekt im Neuen Kunstverein. Acht Künstler aus dem Bergischen Land, dem Ruhrgebiet und den Niederlanden beschreiben in ihren Arbeiten die kulturellen Grenzverschiebungen des Öffentlichen und Privaten.

Reicht es, sich das nicht anzuschauen?

Erik Schönenberg vom Neuen Kunstverein ist überzeugt, dass Matthijs Muller einen Akt der Reflexion beim Betrachter auslöst, wenn dieser die Szene einordnen kann. „Wir erkennen es nur, weil wir diese Bilder schon gesehen haben“, beschreibt Erik Schönberg die Situation, die wiederum Fragen auslöse: Wie verhalte ich mich dazu: Reicht es, sich das nicht anzuschauen? Muss ich aktiv werden? Muss ich sagen, das Bild muss weg?

Aufforderung, das Bild zu entfernen

Genau diese Reaktion hat es bereits gegeben. „Wir wurden dazu aufgefordert, das Bild zu entfernen. Die betreffende Person haben wir zu einer Diskussion in Anwesenheit des Künstlers im April eingeladen“, sagt Erik Schönberg. Ihm habe Matthijs Muller berichtet, dass ein Ehepaar Fotos gemacht und erst später entdeckte habe, dass sie die Opferrolle eingenommen hätten. Ein Beispiel, das die Verführung des Künstlers gelungen ist, der den Betrachter einen gewissen Normalzustand suggeriert, hinter dem das Grauen lauert. Die Arbeiten des Rotterdamer Künstlers wurden bereits in Amsterdam, Kleve, Leeuwarden, Groningen, Delft, Utrecht, Eindhoven, Köln, Geldern und Antwerpen ausgestellt.

Bis zum 2. April können Passanten „Ich.bin-Proträts“ schießen und auf der Webseite der Ausstellung hochladen. Dort werden die Fotos in einem Blog gezeigt und zeitgleich im Kunstverein Wuppertal ausgestellt. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.mitwelt42103.eu

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