Harald Nowoczin reist mit dem Verein Kulturbrücke nach Engels an der Wolga.

Interview
Harald Nowoczin: „Wir möchten uns aus Wirtschaft und Politik heraushalten.“

Harald Nowoczin: „Wir möchten uns aus Wirtschaft und Politik heraushalten.“

Stefan Fries

Harald Nowoczin: „Wir möchten uns aus Wirtschaft und Politik heraushalten.“

Wuppertal. Seit 2009 gibt es den Verein Kulturbrücke, der die kulturellen Beziehungen zwischen Wuppertal und der Stadt Engels an der Wolga beleben will. Erfolge sind da: So gibt es einen jährlichen Schüleraustausch des Johannes-Rau-Gymnasiums. Die Armin-T.-Wegner-Gesellschaft kooperiert mit dem Lew-Kassil-Museum, gemeinsam wollen sie Bücher herausgeben.

Mindestens einmal im Jahr haben sich Vertreter kultureller Institutionen bisher getroffen. Doch nun ist die politische Situation angespannt, EU und USA haben Sanktionen gegen Russland verhängt. Die sechsköpfige Wuppertaler Gruppe reist dennoch vom 26. August bis 4. September ins 4000 Kilometer entfernte Engels - benannt nach dem Barmer Revolutionär Friedrich Engels.

Herr Nowoczin, haben Sie keine Bedenken, in der derzeitigen Situation nach Russland zu reisen?

Harald Nowoczin: Nein, aber wir müssen mal gucken, was uns politisch erwartet. Es hat uns schon nachdenklich gemacht, dass wir mehr als ein halbes Jahr auf die Einladung warten mussten. Sonst kam die immer direkt nach einem Besuch. Ich vermute, sie mussten auf grünes Licht aus Moskau warten.

Können Sie sich in Engels frei bewegen?

Harald Nowoczin hat Maschinenbau mit Abschluss Dipl.-Ing. und danach Kunstgeschichte studiert. Der frühere Oberstudienrat ist heute zweiter Vorsitzender im Förderverein Kulturbrücke, Präsident des Sportvereins ASV und Vorsitzender der Bergischen Kunst-Genossenschaft.

Nowoczin: Derjenige, der das am Ort alles organisiert, ist ein ehemaliger KGB-Mann. In der Provinz funktionieren die alten Netzwerke eben immer noch. Aber unsere Anlaufstelle ist das Zentrum für deutsche Kultur in Engels.

Was machen Sie, wenn Sie zu den Sanktionen gefragt werden?

Nowoczin: Wir möchten uns aus Wirtschaft und Politik heraushalten, müssen aber jetzt wahrscheinlich schon diplomatischer denken. Unsere Schiene ist die Kultur. Da wollen wir Austausch und Begegnungen zwischen Bibliotheken, Musikhochschulen und Sportvereinen weiter anschieben.

Was können Sie derzeit überhaupt erreichen?

Nowoczin: Wir müssen doch wenigstens auf kleiner Ebene etwas für die Völkerverständigung tun.

Ist langfristig eine Städtepartnerschaft denkbar?

Nowoczin: Sicher. Sie darf die Stadt Wuppertal nur nichts kosten.

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