Das sechtse Konzert steht ganz im Zeichen des Jenseits. Heute wird es in der Stadthalle wiederholt.

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Die Streicher des Sinfonieorchesters „rudern“ gekonnt zu Rachmaninows „Toteninsel“.

Die Streicher des Sinfonieorchesters „rudern“ gekonnt zu Rachmaninows „Toteninsel“.

Uwe Schinkel

Die Streicher des Sinfonieorchesters „rudern“ gekonnt zu Rachmaninows „Toteninsel“.

Wuppertal. Arnold Böcklins Bild "Die Toteninsel" stand Pate bei zwei der Kompositionen des 6.Sinfoniekonzerts in der Historischen Stadthalle. Sergej Rachmaninow schuf seine Sinfonische Dichtung in einem Satz (op.29) in a-Moll 1909 und ließ sich von Böcklins Gemälde dazu anregen.

Die Urfassung des Bildes von 1880 zeigt steil aufragende Felsen mit einer düsteren Zypressengruppe in der Bildmitte. Auf die Insel vor dunklem Hintergrund gleitet ein Boot zu mit Ruderer und aufrecht stehender weiß gekleideter Figur, vor der ein weiß betuchter Sarg liegt. Die bedrückende, statische Ruhe, die das Gemälde ausstrahlt, erfasst Rachmaninow mit formaler Dichte.

Ruhig wiegend fährt das Orchester im Ruder-Rhythmus dahin

Ruhig schwankend spielt das Orchester unter Toshiyuki Kamiokas einfühlsamer Stabführung den ostinaten Beginn im 5/8 Takt, den auffahrende Streicherwinde wie Sturmböen ablösen. Melodisch schält sich das gregorianische "Dies irae"-Motiv heraus, das dynamisch-schwelgend den Abschied vom Leben symbolisiert. Sehr ruhig wiegend, wieder begleitet vom einleitenden Ruder-Rhythmus, klingt die Komposition nachdenklich aus.

Ganz anders Franz Liszts "Totentanz". Auch er verwendet die Dies-irae-Sequenz aus der Totenmesse. Die Schrecken des jüngsten Gerichts stellt er in sechs Variationen spannungsreich vor: Aggressive Rhythmik, schroffe Modulationen, heftige Dissonanzen, chromatische Skalen und Glissandi quer durch die Klaviatur prägen auch den Klavierpart.

Der ungarische Pianist Dezö Ránki beherrscht diesen souverän, glänzt mit perfekter Technik und gestaltet ihn mitatmend mit dem Orchester. Trotz des aufhellenden Mittelteils der vierten Variation mit trillerreich ausgeschmückter Melodik überwältigen Wucht und Eindringlichkeit der Musik, was die Musiker brillant vermitteln.

Das Sinfonierkonzert "Jenseits" wird heute um 20 Uhr in der Stadthalle wiederholt. Lutz-Werner Hesse gibt um 19 Uhr eine Konzerteinführung.

Das nächste Konzert mit Titel "Frühlingsdrang" gibt es am 21. und 22. März um 11 Uhr bzw. 20 Uhr.

Auch Max Reger ließ sich von Bildern Arnold Böcklins zu vier Tondichtungen anregen. "Der geigende Eremit" in seinem Opus128 ist in diesem Konzert der erste Konzertmeister des Orchesters, Nikolai Mintchev, der mit schönem schlankem Ton die klagend versunkene Meditation des im Glauben Entrückten über dunklem Streichergrund spielt.

"Die Toteninsel" ist bei Reger ein wie das Gemälde an Farben schwergewichtiges Werk - mit fahlen Echowirkungen der gedämpften Bläser und im Pianissimo verhauchenden Ende. "Im Spiel der Wellen" und "Bacchanale" kontrastieren als Scherzo und humorvolles, turbulentes Finale. Ebenso turbulent fällt der Applaus aus, der nicht enden will.

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