Das siebte und letzte Konzert im Klavierzyklus Bayer in der Stadthalle war ein Erfolg.

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Die Pianistin Gunilla Süssmann spielte in der Historischen Stadthalle.

Die Pianistin Gunilla Süssmann spielte in der Historischen Stadthalle.

Veranstalter

Die Pianistin Gunilla Süssmann spielte in der Historischen Stadthalle.

Wuppertal. "Überwiegend heiter" ist nicht nur die derzeitige Großwetterlage, sondern könnte auch das Motto des siebten und letzten Konzerts im Klavierzyklus Bayer in der Stadthalle gewesen sein.

Denn das Variationen-Programm, das die norwegische Pianistin Gunilla Süssmann zum Saison-Abschluss vorstellt, ist mit den Abwandlungen, Verwandlungen und Umdeutungen eines vorab vorgestellten Themas besonders hörerfreundlich.

Dynamisch reiche Schattierungen mit exponierten Pedaleinsatz

Dabei driftet die Bach-Chaconne (aus der Partita Nr. 2 d-Moll für Violine Solo) in der Bearbeitung von Ferruccio Busoni zunächst in machtvolle, orchestrale Klangbilder, die die klare Struktur Bachs auch psychologisch-assoziativ deuten. Dem kommt Süssmann mit romantisch breitem Spiel in dynamisch reichen Schattierungen und mit exponiertem Pedaleinsatz entgegen.

Das expressive Thema schreitet durch Triolen- und Staccato-Technik

Joseph Haydns f-Moll-Variationen beginnen mit gemessen schreitendem, punktiertem Thema, dem ein zierlich getupftes und mit verwirbelnden Tonskalen durchsetztes folgt.

Die Pianistin agiert sehr überlegt. Sie lässt die Musik aus sich heraus wirken, ohne mit emotionalisierendem Spiel abzulenken. Das fällt auch in den d-Moll Variationen von Felix-Mendelssohn-Bartholdy angenehm auf. Der Zusatz "sérieuses" soll wohl auf die kompositorische Ernsthaftigkeit des Werkes verweisen. Das expressive Thema schreitet durch Triolen- und Staccato-Technik, erscheint als Kanon oder in hoher und tiefer Lage oder wechselt von wuchtigen Akkorden zu verspielten Arpeggien.

Gunilla Süssmann wurde 1977 in Bergen geboren. Sechsjährig begann sie mit dem Klavierspiel.
Sie zählt zu den führenden Pianisten Norwegens.
Bei den Schwetzinger Festspielen, den Ludwigsburger Schlossfestspielen (2007) und beim renommierten Bergen International Festival (2008) spielte sie mit großen Erfolgen.
Ihr Debüt in den USA hatte sie in diesem Jahr beim Utah Symphony Orchestra.

Gunilla Süssmann ist Preisträgerin des Grieg-Wettbewerbs und erhielt den Robert-Levin-Festival Preis.

Doch scheint es beständig an Bestimmtheit und Gewicht zuzunehmen. Die Charakteristika der Variationen herauszuarbeiten, das unvermittelte Wüten in Dialogen, das plötzliche Absinken und Verklingen von Melodien im Pianissimo herauszustellen ist besonderes Anliegen der Pianistin.

Unterschiedliche Stimmungen und Färbungen

Die bekannten B-Dur-Variationen von Johannes Brahms über ein Händel-Thema beschließen den kurzweiligen und doch gehaltvollen Abend. An dem Händel-Thema hält Brahms fast durchgängig fest, zumindest was den Takt und die Tonart angeht.

Aber: "Über den gegebenen Bass erfinde ich wirklich neu, ich erfinde ihm neue Melodien, ich schaffe." Auch hier vermittelt die Pianistin die unterschiedlichen Stimmungen und Färbungen, die zur brillanten vierstimmigen Fuge führen, schlüssig. Gunilla Süssmann spielt mit pianistischer Ein- und Weitsicht, der die Erdung nie abhanden kommt. Die klarsichtige Kühle ihres Vortrags entspricht der würdigen Hommage an die Barockkünstler aus dem Geist der Romantik in hohem Maße.

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