Der Dirigent moderierte schwungvoll und überzeugte wie seine Philharmoniker auch musikalisch.

Justus Frantz war beim Konzert in der Stadthalle zwischenzeitlich Dirigent und Pianist zugleich.
Justus Frantz war beim Konzert in der Stadthalle zwischenzeitlich Dirigent und Pianist zugleich.

Justus Frantz war beim Konzert in der Stadthalle zwischenzeitlich Dirigent und Pianist zugleich.

Gerhard Bartsch

Justus Frantz war beim Konzert in der Stadthalle zwischenzeitlich Dirigent und Pianist zugleich.

Wuppertal. Justus Frantz ist ein Entertainer, wie er im Buche steht. Mit seinen locker-humorvollen Moderationen versteht er es immer wieder, das Publikum auf seine Seite zu ziehen. So auch im überschaubar besuchten Großen Saal der Stadthalle, als er und die von ihm gegründete Philharmonie der Nationen zu ihrem Neujahrskonzert geladen hatten.

Gleich zu Beginn nahm er charmant aufkommenden Spekulationen Wind aus den Segeln. Sein Äußeres war nämlich nicht ganz korrekt. Denn statt der zum schnieken Maestro-Outfit gehörenden engen schwarzen Lackschuhe trug er breite, braune Straßentreter. Als Grund führte er eine ihn plagende Thrombose an. Davon war jedoch nichts zu merken, agierte er doch sehr wendig am Dirigentenpult.

Auch amüsierte man sich, als er flugs die russchische Revolution – ob aus dem Jahr 1905 oder 1917 ließ er offen – umdichtete: Johann Strauß soll nämlich einen Marsch geschrieben haben, inspiriert von einem Melodiegepfeife eines persischen Gesandten auf der Petersburg.

Dem Zaren gefiel das Stück angeblich so gut, dass er es an einem Tag 197 Mal aufführen ließ. Daraufhin revoltierte seine Armee. Solche Anekdoten kamen richtig gut an. Musik wurde natürlich auch gespielt.

Dirigiervorgaben waren nicht immer exakt genug

Zu Frantz’ ausladendem Dirigat präsentierten sich die Philharmoniker als exzellente Musiker, die das Programm routiniert zum Erklingen brachten. Gioachino Rossinis Ouvertüre zur Oper „Der Barbier von Sevilla“ und Ludwig van Beethovens Egmont-Ouvertüre op. 84 spielten sich wie aus einem Guss, doch mangels exakter Diri-giervorgaben nicht immer fein genug artikuliert.

Bei Wolfgang Amadeus Mozarts 24. Klavierkonzert in c-Moll (KV 491) war Frantz in Personalunion Dirigent und Pianist. Gestaltete er den langsamen zweiten Satz anrührend schlicht, gelangen ihm in den schnellen Ecksätzen nicht alle schnellen Läufe und gebrochenen Akkorde. Das versuchte er mit ei-nem Übermaß an Pedaltechnik zu kaschieren.

Neben den ernsteren Klängen ging es auch anmutig und beschwingt etwa mit Edvard Griegs „Morgenstimmung“ und „In der Halle des Bergkönigs“, Pjotr Iljitsch Tschaikowskis „Blumenwalzer“ sowie Johann-Strauß-Stücken zur Sache. Effektvoll-pompöse Klänge herrschten hier vor, wobei die Schlagzeugabteilung dominierte. Nach dem Radetzky-Marsch als zweiter Zugabe hielt es keinen Gast mehr auf den Stühlen. Das multinationale Orchester wie der Impresario wurden mit „standing ovations“ feiert.

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