Toni Weiser begleitete einen Stummfilm musikalisch.

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Zum Stummfilm gab es in der Kirche Orgelmusik.

Zum Stummfilm gab es in der Kirche Orgelmusik.

Gerhard Bartsch

Zum Stummfilm gab es in der Kirche Orgelmusik.

Barmen. Auch als die Bilder laufen, aber noch nicht sprechen lernten, gab es schon Film-Revolutionäre: Der Däne Carl Theodor Dreyer war einer von ihnen. Mit seinem Stummfilm "La Passion de Jeanne d´Arc" (Die Passion der Jungfrau von Orléans) beschritt er neue Wege, indem er ungeschminkte Gesichter in Nahaufnahmen zeigte, um so menschliche Regungen und Charaktere einzufangen. Auf überflüssige Dekors verzichtete er zugunsten weniger, aussagekräftiger Details.

Der selten zu sehende Stummfilm von 1928 mit Renée Jeanne Falconetti in der Titelrolle wurde im Rahmen der Wuppertaler Orgeltage in der Immanuelskirche mit Live-Orgelmusik kombiniert. Organist Toni Weiser unterlegte Musik von Albinoni, Bach, Corelli, Dupré, Fauré, Lübeck, Messiaen und spielte kurze, eigene Improvisationen. So untermalte er das Leiden der Jungfrau musikalisch - vom Beginn des Prozesses an, der ihr wegen angeblicher Verstöße gegen Kirchengesetze gemacht wurde, bis zu ihrem Tod auf dem Scheiterhaufen 1431.

Die Spannung fehlte: Etliche Gäste gingen vor Ende des Programms

Das könnte spannend sein, denn der Film zieht durchaus Vergleiche zur Passion Christi. Eine noch bessere Abstimmung der Musik mit den Bildfolgen hätte gut getan, um psychische Zustände einzufangen: Die feisten, lüstern und höhnisch blickenden Gesichter der Anhänger des Klerus, der schräg gelegte Kopf der Johanna mit weit aufgerissenen oder vor Entsetzen hervorquellenden Augen, die Zunge, die die Lippe befeuchtet, die einzelne Träne, die aus dem Auge rinnt.

Vielleicht wäre die durchgängige Improvisation die aussagestärkere Musikform gewesen. Denn neben mangelnder Feinabstimmung überzeugte vor allem das Orgelspiel des Interpreten nicht. Es ist zu wenig, die Effekte einzusetzen, womit eine Orgel reichlich bestückt ist - versiertes Spiel gehört unabdingbar dazu. Das aber klang hölzern, wenig geschmeidig, war unpräzise, fehlerhaft und spannungsarm - eines Orgelfestivals dieser Güte nicht angemessen.

Kein Wunder, dass etliche Gäste vor Ende die Kirche verließen. Das lag nicht nur am mangelnden Verständnis der englischsprachigen Zwischentexte. Es wäre ein Leichtes gewesen, in einer kurzen Handlungsbeschreibung die inhaltlichen Bezüge zu klären. So verlief dass das Experiment wenig erfolgreich. vp

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