Im Skulpturenpark Waldfrieden zeigt der Künstler den legendären „Raum 19“ aus der Beuys-Klasse sowie strahlende Aluminiumbilder.

Im Skulpturenpark Waldfrieden zeigt der Künstler den legendären „Raum 19“ aus der Beuys-Klasse sowie strahlende Aluminiumbilder.
Imi Knoebel spielt in seiner Ausstellung mit Farben.

Imi Knoebel spielt in seiner Ausstellung mit Farben.

Anna Schwartz

Imi Knoebel spielt in seiner Ausstellung mit Farben.

1979 lernten sich die heutigen Weltstars Tony Cragg (68) und Imi Knoebel (76) in Gent kennen. Der Kurator Jan Hoet hatte ihnen benachbarte Ausstellungsräume gegeben. Imi Knoebel zeigte den legendären „Raum 19“ aus der Beuys-Klasse. Seit gestern steht er in Craggs Skulpturenpark Waldfrieden. Es ist die dritte Fassung seit 1968. Sie besteht aus 270 Einzelteilen, aus geometrischen Grundformen wie Kuben und Trommeln, Rechtecken und Quadraten, Rahmen und Platten. Alle Teile sind aus Hartfasermaterial, dem billigsten Material der Zeit. Sein Werk ist die rheinische Antwort auf Donald Judds Minimal-Art aus Hochglanzlack.

„Ich hatte ja nicht so eine künstlerische Begabung wie die meisten Studenten. Ich musste neu anfangen.“

Imi Goebel

Der Gastgeber Cragg hatte 1969 in London studiert und war als 20-jähriger Student vom Minimalismus beeinflusst. Allmählich habe er sich davon abgewandt. „Ich wollte mehr Emotionalität und Komplexität“, sagte er gestern vor der Presse. Und Imi Knoebel, der eher schweigsame Künstler, begann gleichfalls zu reden. Er habe auf der Werkkunstschule in Darmstadt angefangen, als das Buch von Kasimir Malewitch über den Suprematismus neu gedruckt wurde. Das schwarze Quadrat stand am Anfang seiner Kunst. Sein Bekenntnis: „Mit meinem Freund Imi Giese habe ich die Kraft gefunden, mich an der Kunstakademie Düsseldorf anzumelden. Ich hatte ja nicht so eine künstlerische Begabung wie die meisten Studenten. Ich musste neu anfangen“, sagt er. „Raum 19“ war sein Neuanfang. Das bräunliche Material der Hartfaserplatten kam ihm wie gerufen. Hier konnte er seine Formen, Maße und Proportionen erproben. Heute gilt Knoebel vor allem als berühmter Maler. Den bräunlichen Elementen stellte er beizeiten einen Alu-Kasten („Batterie“) in gelbgrüner Nachtleuchtfarbe zur Seite. Eine Erleuchtung gleichsam, wenn die Sonne scheint.

Der sensible Raumgestalter Knoebel riegelt in Wuppertal seinen „Raum 19“ mit einem simplen Trick ab und macht ihn zu einem meditativen Innenraum, indem er ihn von einem Malermeister mit weißer Farbe bepinseln lässt. In der Neuen Nationalgalerie Berlin pinselte er 2009 selbst in unregelmäßigen Strichen. Von außen durch die Sonne erhellt, wirkte das Innere energiegeladen und introvertiert zugleich. Ein Dialog mit einem klassischen Bauwerk. Die kleinere Skulpturenhalle wirkt wie das intimere Echo.

Farben bringen die Halle zum Klingen

In der unteren Halle im Park läuft Knoebel zur Höchstform auf. Hier beweist er, warum man ihn mit den symbolträchtigen Fenster in der Krönungskathedrale von Reims beauftragte: Mit den Primärfarben Rot, Blau und Gelb bringt er die Halle mit ihrem Seiten- und Oberlicht zum Klingen. Die Blautöne vom Ultramarin zum helleren Blau, die Rot- und die Gelbstufungen spielen sich gegenseitig die Bälle zu.

Wie genau er vorgeht, zeigt die Arbeit „Ich Nicht IV“. Wie im Goldenen Schnitt besteht der größte Teil der flachen Scheiben aus kräftigem Karminrot. Die darüber liegenden, kleineren, fünf Rechtecke wechseln vom strahlenden bis zum matten Gelb. Wie ein Nachhall wirkt das Himmelblau in der schmalen Kunststoffplatte. Dieser Arbeit antwortet ein Dreischeibenbild von 2016 in eher organischen Rundungen Hier hält das sehr dunkle Blau die auseinanderdriftenden Farben Gelb und Rot zusammen.

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