Susanne Abbrederis wird Wuppertals neue Schauspiel-Chefin. Im WZ-Interview erklärt sie, weshalb sie nicht selbst Regie führen möchte.

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Susanne Abbrederis wurde 1953 in Bregenz am Bodensee geboren. Noch lebt sie in Wien, zur Spielzeit 2014/2015 wechselt sie nach Wuppertal.

Susanne Abbrederis wurde 1953 in Bregenz am Bodensee geboren. Noch lebt sie in Wien, zur Spielzeit 2014/2015 wechselt sie nach Wuppertal.

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Susanne Abbrederis wurde 1953 in Bregenz am Bodensee geboren. Noch lebt sie in Wien, zur Spielzeit 2014/2015 wechselt sie nach Wuppertal.

Wuppertal. Frau Abbrederis, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch: Sie werden im Sommer Schauspiel-Intendantin. Sie haben, wie man hört, durch Ihr Auftreten die Findungskommission derart beeindruckt, dass Sie alle Mitbewerber, die sich vor Ihnen vorstellen durften, vor allem eine Kandidatin, die als heimliche Favoritin gehandelt worden war, quasi aus dem Stand überholt haben. Hatten Sie mit diesem Erfolg gerechnet?

Susanne Abbrederis: Danke für die Glückwünsche. Die Frage kann ich selber nicht beantworten. Aber ich hatte mich im Vorfeld intensiv mit der Wuppertaler Theatersituation und -geschichte beschäftigt.

„Ich habe keine Angst. In Wien bläst ja auch der Ostwind.“

Hatten Sie sich von sich aus beworben – oder waren Sie ermuntert worden?

Abbrederis: Mehrere Kollegen hatten mich auf die Ausschreibung hingewiesen.

Was reizt Sie an Ihrer neuen Aufgabe?

Abbrederis: Eigentlich alles. Aber ganz besonders: Theater zu machen in einer Stadt, die sich ein Theater wünscht.

Noch leben Sie in einer Stadt, in der finanzielle Zwänge auf den kulturellen Parkett nicht so verbreitet sind wie im Bergischen Land. Das Volkstheater Wien und die Wuppertaler Bühnen sind ohnehin nicht zu vergleichen – auch ihre Publikumsschichten nicht. Haben Sie keine Angst vor dem Spardruck und dem Wind, der Ihnen in Wuppertal entgegenblasen könnte?

Abbrederis: Nein, ich habe keine Angst. In Wien bläst ja auch der kalte Ostwind. Ich bin mit kargem Budget angetreten, wissend um die Sparzwänge. Damit muss und will ich kreativ umgehen.

Im Gegensatz zu Ihrem Vorgänger Christian von Treskow kommen Sie nicht aus dem Regie-Bereich. Werden Sie eine „Manager-Intendantin“ – oder auch selbst Regie führen?

Abbrederis: Ich möchte nicht Regie führen. Es gibt so wunderbare Regiekollegen – das ist die Aufgabenteilung. In bin eine „Dramaturgie-Intendantin“, Gastgeberin für alle Wuppertaler und Wuppertalerinnen im neuen Theater. Ich bemühe mich um die Kreation eines künstlerischen Konzepts. Die Vermittlung. Den Zusammenhalt.

„Ich habe als Achtjährige in ,Peterchens Mondfahrt’ die Anneliese gespielt.“

Die Bühnen hatten in der Spielzeit 2012/2013 insgesamt 76 096 Besucher. Sie sollen mehr Zuschauer ins Theater locken. Wie, glauben Sie, könnte das gelingen?

Abbrederis: Ich hoffe: indem wir gutes Theater machen – und der Theatergott mit uns ist. Und viele Wuppertaler und Wuppertalerinnen und Institutionen Lust haben, mit uns auf die Reise zu gehen.

Offiziell beginnt Ihre Intendanz mit der Spielzeit 2014/2015. Sie werden aber sicherlich schon früher in die konkreten Planungen einsteigen. Wann genau hören Sie in Wien auf?

Abbrederis: Die Planung läuft auf Hochtouren. In Wien endet mein Vertrag mit Spielzeitende 2014. (Anmerkung der Redaktion: Der Wuppertaler Spielplan wird im Frühjahr vorgestellt.)

Wie kamen Sie überhaupt zum Theater?

Abbrederis: Durch Neigung und Interesse. Ich habe als Achtjährige in „Peterchens Mondfahrt“ die Anneliese gespielt – am Landestheater Vorarlberg in Bregenz. Seitdem weiß ich, dass Kinder ganz früh ins Theater müssen – und Erwachsene auch.

Schauspieler werden gerne nach Ihrer Traumrolle gefragt. Auch Intendanten haben sicherlich Träume: Welches Stück könnten Sie immer und immer wieder sehen?

Abbrederis: Eigentlich jedes. Es muss klug und gut inszeniert sein. Und am liebsten Lessing.

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