Das Wuppertaler Sinfonieorchester startete in der Stadthalle spritzig ins neue Jahr.

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Die städtischen Musiker spielte am Donnerstag in der Stadthalle: Das ausverkaufte Neujahrskonzert war ein klangvoller Auftakt ins Jahr 2008.

Die städtischen Musiker spielte am Donnerstag in der Stadthalle: Das ausverkaufte Neujahrskonzert war ein klangvoller Auftakt ins Jahr 2008.

Andreas Fischer

Die städtischen Musiker spielte am Donnerstag in der Stadthalle: Das ausverkaufte Neujahrskonzert war ein klangvoller Auftakt ins Jahr 2008.

Wuppertal. Wo Neujahrskonzert drauf steht, ist Strauß drin. Auf diese bewährte Etikettierung setzt auch das Wuppertaler Sinfonieorchester unter Toshiyuki Kamiokas Leitung im ausverkauften großen Stadthallen-Saal - mit kleinen Unterschieden allerdings: Nicht nur der Walzerseligkeit der österreichischen Strauß-Dynastie zollt man Tribut.

Von Franz von Suppé steht auch die wie von feurigen Rossen durchgaloppierte Ouvertüre zu "Die leichte Kavallerie" und von Namensvetter Richard Strauss die "Rosenkavalier-Suite" von 1945 auf dem Programm. Der war von der Leichtigkeit der Musik des Walzerkönigs entzückt, führte sie mit als erster auf, machte sie konzertfähig.

Zwischen Poesie und Parodie:
Kamioka animiert zur Höchstleistung

Und so birgt seine Suite neben den gebündelt vorgestellten Hauptfiguren und Höhepunkten aus seiner gleichnamigen Oper auch Zitate von Walzern. Die aber haben es schwer bis zu ihrer seligen Geburt. Immer wieder flüchtet der Dreivierteltakt, quält und verunklärt sich, um unendlich schwellender Musik Raum zugeben.

Ruhige Mittelsätze sind voller Lyrik und Poesie. Das Sinfonieorchester, mit vielen solistischen Rollen von Celesta, Trompete, Posaune, Violine, Horn und Flöte, verfolgt die melodisch feinen Gedanken mit romantischem Gestus und durchsichtigem Spiel.

Kamioka animiert zu Höchstleitungen, zeichnet dramatische Parts im bombastischen Wagner-Stil und verpasst den "verunglückten" Walzern das Maß an Parodie und Anachronismus, das ihnen innewohnt, ehe im Resümee "Alles Walzer!" sich endlich vollmundiger Walzer durchsetzt.

Am 25. Januar geht es in der Stadthalle um "Zeitzeichen". Das Sinfonieorchester spielt um 11 Uhr im Großen Saal. Die Leitung übernimmt Leopold Hager. Mit dabei ist Christian Poltéra (Violoncello).

Auf dem Programm stehen Werke von Joseph Haydn (Sinfonie Nr. 101 D-Dur Hob I:101 - Die Uhr), Robert Schumann (Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll op. 129) und Ludwig van Beethoven (Sinfonie Nr. 8 F-Dur op. 93). Karten gibt es unter Telefon 569 4444.

Vom Strauß-Sohn Josef erklingen Walzer mit ungewöhnlichen Klangerzeugern: Die Glöckchen imitieren die rasante Schlittenfahrt, die Holzklatsche den Peitschenknall. Das hölzerne Klappern der Mühle ist auszumachen - genauso wie es die Schläge auf den Amboss im Walzer "Feuerfest".

Zarte Stimmungsbilder gibt es in "Nordseebilder" von Johann Strauß (Sohn), wo sich nach langem und intensivem Angang der unvermeidliche Walzer herausschält. Höllengewitter mit Blitz und Donner krachen in der "Lucifer-Polka" und der "Dynamiden-Walzer" schwingt ebenso versonnen und endlos wie spritzig und markant.

Oberbürgermeister Peter Jung, der in kurzer Ansprache mit "Alles wird gut"-Parolen über düstere Prognosen und Wirtschaftskrise hinwegtrösten will, scheint die Musik dank ihrer Kraft und Versöhnlichkeit Recht zu geben: So schlimm kann das neue Jahr gar nicht werden.

 

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