Die 1. Konzertmeisterin verabschiedet sich heute in Holland.

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Gabriela Ijac spielte gestern Abend mit dem Sinfonieorchester in Enschede. Heute Abend ist noch einmal in Zwolle im Einsatz.

Gabriela Ijac spielte gestern Abend mit dem Sinfonieorchester in Enschede. Heute Abend ist noch einmal in Zwolle im Einsatz.

Andreas Fischer

Gabriela Ijac spielte gestern Abend mit dem Sinfonieorchester in Enschede. Heute Abend ist noch einmal in Zwolle im Einsatz.

Wuppertal. 35 Jahre lang war die Geigerin Gabriela Ijac die rechte Hand der Dirigenten im Sinfonieorchester Wuppertal, die sie kommen und gehen gesehen hat. Nun geht sie selbst in den wohlverdienten Ruhestand. "Dennoch ist es ein Abschied auf Raten", verrät die gebürtige Rumänin. "Obwohl die Stelle seit langem ausgeschrieben ist, ist noch kein Nachfolger gefunden."

Deshalb hat sie auch das Orchester auf seiner Japan-Tournee begleitet und die Konzertreise nach Italien mitgemacht. Ihre letzte Aufgabe ist es, mit dem Orchester auf Holland-Tournee zu gehen - gestern Abend spielten die Sinfoniker in Enschede, heute folgt ein Konzert in Zwolle.

"Das ehrt und freut mich natürlich zugleich", sagt Ijac. Sie geht vorzeitig in den Ruhestand, wofür sie selbstkritisch Gründe anführt: "Meine künstlerischen Ansprüche waren immer gewaltig. Irgendwann spürt man, dass die Stange zu hoch liegt." In Sachen Qualität hat sie nie Zugeständnisse gemacht, seit ihrem siebten Lebensjahr konsequent täglich drei Stunden geübt. "Ich habe meine Geige sogar in den Urlaub mitgenommen, in einem Hotel war ich nur die ‚Signorina Trallala’", sagt sie schmunzelnd.

Die Verantwortung nahm sie ernst, die Vorbild-Funktion der ersten Konzertmeisterin war ihr eine Herzensangelegenheit: "Das ist ein schwerer Job auf diesem ‚Schleudersitz’. Ein kleinster Fehler von mir multipliziert sich ja."

"Ich bin kein Diplomat."

GabrialaIjac, Musikerin

Nicht immer waren alle mit ihr einer Meinung. "Ich war keine leichte Kost, aber ich konnte mich nicht verbiegen lassen." Jetzt will Ijac die junge Generation ranlassen: "Zu meiner Zeit war es anders. Ob es besser war, wird die Geschichte zeigen."

Zunehmend verlange der Konzertmeister-Job neben eiserner Disziplin auch psychologisches Gespür, dafür sei sie nicht geschaffen: "Ich bin kein Diplomat." Das hat auch mancher der Dirigenten erfahren müssen. Einige vergessen ihrer Meinung nach, "dass Zusammenarbeit auf Geben und Nehmen beruht. Einige bleiben beim Geben." Dann fehlten die Spannungsbögen, dann seien die Musiker unzufrieden. Von "bitteren Kämpfen" und "schlaflosen Nächten" spricht sie.

Aber natürlich hat es auch viel Freude in ihrem Musikerinnenleben gegeben. Sogar an ihren ersten Dienst in Wuppertal erinnert sie sich: "Das war unter Hanns-Martin Schneidt eine Probe zu ‚Figaros Hochzeit’." Und solch einen Jubel des Publikums für das Orchester wie derzeit unter Toshiyuki Kamioka habe sie in 35Jahren nicht erlebt.

In Zukunft will Ijac gelassen den Tag beginnen, in Ruhe Geige üben, viel reisen und viele Konzerte und Opern besuchen. Darauf freut sie sich sehr: "Dann sitze ich auf der anderen Seite der Front."

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