„Der Blitz (Fukushima Sunrise)“ in Elberfeld: Marcus Lobbes, zugleich Autor und Regisseur, entlarvt Politiker-Phrasen.

uraufführung
In die Enge gedrängt – dennoch wissen die Figuren keine Antworten auf bohrende Fragen. „Der Blitz (Fukushima Sunrise)“ ist wieder am 25. März, 18 Uhr, im Kleinen Schauspielhaus zu sehen. Karten gibt es unter Ruf 569 4444.

In die Enge gedrängt – dennoch wissen die Figuren keine Antworten auf bohrende Fragen. „Der Blitz (Fukushima Sunrise)“ ist wieder am 25. März, 18 Uhr, im Kleinen Schauspielhaus zu sehen. Karten gibt es unter Ruf 569 4444.

Uwe Stratmann

In die Enge gedrängt – dennoch wissen die Figuren keine Antworten auf bohrende Fragen. „Der Blitz (Fukushima Sunrise)“ ist wieder am 25. März, 18 Uhr, im Kleinen Schauspielhaus zu sehen. Karten gibt es unter Ruf 569 4444.

Wuppertal. Natürlich bleibt es dunkel, wenn die Energiewende nicht funktioniert und die Atomenergie abgeschafft ist. Folgerichtig spielte „Der Blitz (Fukushima Sunrise)“ am Freitagabend im Kleinen Schauspielhaus 80 Minuten lang im Dunkeln.

Die Schauspieler sind dunkel gekleidet, stapfen mit Gummistiefeln durchs lange Wasserbecken vor dunkler Mauer (Bühne und Kostüme: Pia Maria Mackert). Marcus Lobbes hält seinen Regieeinfall, Licht ins Dunkel nur mit schnell verlöschenden Streichhölzern zu bringen, konsequent durch. Das würde ermüden, wäre da nicht der vielgestaltige Text, für den Lobbes unter dem Pseudonym Fred Hundt ebenfalls verantwortlich zeichnet.

Eine unglaubliche Leistung vollbringen die Schauspieler Gregor Henze, Maresa Lühle, Juliane Pempelfort und Philipp Sebastian, wenn sie ununterbrochen reden: Sie zitieren Schlagzeilen von den Reaktorkatastrophen in Japan vor einem Jahr, reihen Zahl an Zahl. Das sollte Informiertheit vortäuschen, zeigte aber nur, wie man Fakten zurück hielt oder mehrdeutig gestaltete Erklärungen abgab.

Die Atom-Katastrophe ist schwer in Worte zu fassen

Texte, in denen Vokale fehlen, ergeben eine merkwürdig zerschredderte Sprache, wie sie von Bändern bekannt ist, die durch Strahlung zerstört wurden. Lobbes arbeitet mit Halbsätzen, die Halbwahrheiten transportieren, mit Politikerreden als Phrasen-Dresch-Maschinen. Monologe wechseln mit Dialogen, aber Gespräche finden nicht statt.

Die Personen bleiben ent-individualisierte Repetiermaschinen. Sprachcollagen aus Textfetzen zeigen die Unmöglichkeit, die atomaren Super-Gaus von Tschernobyl und Fukushima mit Sprache zu erfassen. Nur manchmal kippt die nüchterne Nachrichtenflut ins Emotionale. Etwa wenn der Schauspieler die Körperschäden durch Strahlung simuliert: Der Gang wird schleppender, strauchelnder, die Sprache reduziert sich auf wenige gestammelte Laute. Das ist erschütternd und packend und brennt die Gefahren, die die Kernkraft für den Menschen bedeuten kann, wieder ins Gehirn.

Dass Lobbes sein Stück „Dramma giocoso“ nennt, darf ironisch verstanden werden: Abgehackte, künstliche Lacher stößt der Schauspieler aus, wenn er von Energiewende als „Blindgänger“ und „Mogelpackung“ spricht.

Denn auch der plötzliche Sinneswandel in Deutschland („Jahrhundertprojekt – ha-ha-ha“) wird als Wende vom Saulus zum Paulus kritisch beleuchtet: Für Katastrophen in der Zukunft sind wir selbst verantwortlich. Zurück zur grünen Wiese, wie die Sprecher flüstern, kann jedenfalls auch nicht die Lösung sein. Und wenn der Strom ausbleibt, empfiehlt der Autor: warme Kleidung und heißen Eintopf.

Bühne: 3 von 5
Text / Regie: 4 von 5
Ensemble: 5 von 5

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