Das Flüchtlingsprojekt der Makoge Wuppertal ist zwei Jahre alt. Es geht um weit mehr als nur um das Erlernen eines Instruments.

Das Flüchtlingsprojekt der Makoge Wuppertal ist zwei Jahre alt. Es geht um weit mehr als nur um das Erlernen eines Instruments.
Enis, Hamed, Rama und Joseph (v.l.) nehmen Gitarrenunterricht bei Fani Papadopoulou.

Enis, Hamed, Rama und Joseph (v.l.) nehmen Gitarrenunterricht bei Fani Papadopoulou.

Andreas Fischer

Enis, Hamed, Rama und Joseph (v.l.) nehmen Gitarrenunterricht bei Fani Papadopoulou.

Wuppertal. Wenn Joseph Muaka über das Gitarrenspiel spricht, gerät er ins Schwärmen. „Das macht Spaß, hilft beim Stressabbau. Musik hält mich am Leben“, sagt der 31-jährige Mann aus dem Kongo. Seit knapp zwei Jahren lernt er Gitarre – beim Flüchtlingsprojekt der Makoge, der Mandolinen-Konzertgesellschaft Wuppertal. Kostenlos. Kern- und Angelpunkt des Unterfangens ist Thomas Horrion, Projektmanager und stellvertretender Leiter der Makoge. Nebenbei spielt der engagierte Wuppertaler natürlich auch selbst Gitarre.

Gegen die Langeweile und den Frust und für die Integration

An den Sommer 2015 erinnert sich der 60-jährige Horrion noch genau. Auch in Wuppertal kamen damals viele Flüchtlinge an. Menschen, die zwar mehr oder weniger dezentral untergebracht werden konnten, was ihnen die Sammelunterkünfte ersparte, die aber nicht integriert werden durften, solange ihr Asylverfahren lief. „Was gibt es Schlimmeres als Frust und Langeweile“, sagt Horrion bestimmt. Naheliegend war für ihn deshalb, beides mit Musik zu bekämpfen und zugleich die Integration der Menschen zu fördern. Weil damals der Landesmusikrat Fördermittel und die Bergische Musikschule ihre Unterstützung in Aussicht stellten, machte Horrion Nägel mit Köpfen. Nachdem das Projekt genehmigt worden war, wurden Flyer, die zu einem ersten Treffen einluden, in Deutsch, Englisch, Französisch und Arabisch verfasst und in der Stadt verteilt. „Dann blieb die spannende Frage: ‚Kommen genug Leute?’“, erzählt Horrion heute entspannt. Am 22. September war es soweit, es kamen viele Leute, 22 wollten schließlich mitmachen, „auf Anhieb konnten fünf bis sechs Gruppen gebildet werden“.

 

Für das Projekt der Makoge gibt es bereits eine Warteliste

Heute werden 63 Schüler an Gitarre (15), Mandoline (fünf) und Baglama (türkische Laute, 15) unterrichtet, darunter zehn seit der ersten Stunde. Zum Großteil junge Männer im Alter zwischen 18 und 22 Jahren, einige sind über 40 Jahre alt, auch ein fünfjähriges Mädchen ist dabei. Höher könnte der Frauenanteil sein (er liegt bei 30 Prozent), „aber viele wollen wegen der Fingernägel nicht Gitarre lernen“, so Horrion. Die Schüler kommen aus Syrien, afrikanischen Staaten oder dem Irak. Den Unterricht erteilen fünf Lehrer der Musikschule. Zwar hören auch immer wieder Schüler auf, wenn sie einen Ausbildungs- oder Studienplatz bekommen haben, so dass aktuell 16 Anfänger dabei sind. Eine Warteleiste gibt es gleichwohl. Vor einem Jahr ging das zwölfköpfige Al-Watan-Ensemble aus dem Projekt hervor, das mit Unterstützung der Makoge Auftritte bestreitet. Und im März wurde das ehrenamtliche Engagement durch die Bundeskanzlerin geehrt.

Das Repertoire ist breit gefächert, reicht vom westlichen Pop, über arabische Stücke bis hin zur europäischen Klassik. Auch die Schüler selbst steuern Lieder bei. Joseph Muaka zum Beispiel seine Lieblingslieder, die eigentlich französischen Eigenkompositionen „Der Himmel weint mit mir“ und „Meine Liebe“.

Solange das Geld reicht, wird weiter gemacht

Natürlich geht es nicht nur ums Instrument. Thomas Horrion: „Ich will mit den Menschen zu tun haben, vermitteln, wenn es zwischen Lehrer und Schüler nicht klappt, helfen, wenn jemand abgeschoben werden soll, obwohl er in seiner Heimat ins Gefängnis müsste.“ Auch die 18-jährige Syrerin Rama Baghdadi kommt wegen der Gitarre und „weil ich Leute kennenlernen möchte“. Und für Joseph Muaka , der zudem im Swane-Café im Luisenviertel singt, ist der Austausch mit anderen „gut für meine Seele“. Wie sieht die Zukunft aus? „Solange das Geld reicht, machen wir weiter. Vielleicht erübrigt es sich aber auch irgendwann, wenn alle in Arbeit kommen“, meint Horrion hoffnungsvoll.

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