Beim ersten städtischen Kammerkonzert der Saison gab es Werke des barocken Meisters zu hören.

Beim ersten städtischen Kammerkonzert der Saison gab es Werke des barocken Meisters zu hören.
Hyeeonwoo Park (l.) und Jens Brockmann spielten am Montagabend im Mendelssohn Saal der Stadthalle.

Hyeeonwoo Park (l.) und Jens Brockmann spielten am Montagabend im Mendelssohn Saal der Stadthalle.

Andreas Fischer

Hyeeonwoo Park (l.) und Jens Brockmann spielten am Montagabend im Mendelssohn Saal der Stadthalle.

In der Musik verbindet man den Namen Bach in der Regel mit dem des berühmten barocken Meisters Johann Sebastian. Er ist aber nur einer unter vielen mit diesem Nachnamen. Es gab damals eine Bach-Musikdynastie. Ihr entstammten ab der Mitte des 16. Jahrhunderts für etwa 200 Jahre in Mitteldeutschland viele Stadtmusiker, Organisten und Komponisten. Es gibt zwei Hauptlinien: die Erfurter und die Arnstädter Linie. Familie Bach beherrschte das Musikleben in Erfurt über ein Jahrhundert. 60 Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen sind in den Kirchenbüchern der dortigen Kaufmannskirche dokumentiert. Man könnte eine ausgedehnte Konzertreihe allein über diese Musikerfamilie ins Leben rufen.

Beim ersten städtischen Kammerkonzert dieser Saison beschränkte man sich auf je ein Werk des bedeutenden Johann Sebastian und seiner vier Söhne. „Familienkonzert bei Bachs“ lautete dementsprechend der Titel der Veranstaltung, die sich über einen großen Zulauf im Mendelssohn Saal der Stadthalle erfreuen durfte. Papa Bach (1685-1750) gilt neben Georg Friedrich Händel als der Vollender der Barockmusik schlechthin.

Seine Triosonate in G-Dur (BWV 1039) für Flöte, Geige und Basso continuo wurde vorgestellt. Sein ältester Sohn Wilhelm Friedemann (1710-1784) - auch „Hallescher Bach“ genannt - gehörte zu den Ersten, die als freischaffender Musiker zu leben versuchte, weil er keine Anstellung fand. Wirtschaftliche Not resultierte daraus. In seinen Werken kündigt sich der empfindsame Stil an.

Lang anhaltender Schlussapplauss und Kritik am Programmzettel

Ein Beispiel dafür ist seine Sonate in F-Dur für Flöte, Geige, Cello und Cembalo. Sein zweiter Sprössling Carl Phillip Emanuel (1714-1788) - der berühmteste Bachsohn - ist ein Hauptvertreter des empfindsamen Stils. Mehr als 1000 Werke umfasst sein Oeuvre, darunter das Quartett in a-Moll (Wq 93) für Cembalo, Flöte, Bratsche und Cello.

Der dritte Sohn Johann Christoph Friedrich (1732-1795) - genannt der „Bückeburger Bach“ - gilt als Brückenbauer zwischen dem ausklingenden Barock und der Wiener Klassik. Von ihm kam das 6. Quartett in A-Dur aus Opus 8 für Flöte, Geige, Bratsche und Basso continuo zu Gehör. Benjamin Johann Christian (1735-1782) war ein Komponist der Vorklassik und hatte großen Einfluss auf den Stil des jungen Wolfgang Amadeus Mozart. Als Beispiel für seine flüssige und fein geschliffene Tonsprache wurde sein Quintett in D-Dur für Flöte, Geige, Bratsche, Cello und obligates Cembalo aufgeführt.

Zuständig für dieses kurzweilige Programm waren vom Wuppertaler Sinfonieorchester Udo Mertens (Flöte), Axel Heß (Geige), Jens Brockmann (Bratsche) und Hyeonwoo Park (Cello). Als Gast gesellte sich der erstklassige Cembalist Alexander Puliaev hinzu. Sämtliche Interpreten konnten mit einem gehaltvollen Spiel überzeugen. Eine nuancierte Tongebung wie ein harmonisches Zusammenspiel zog die Zuhörer in ihren Bann.

Folglich gab es einen lang anhaltenden Schlussapplaus, der in die Wiederholung des Finalsatzes des Quintetts von Johann Christian Bach mündete. Ein Missstand darf jedoch nicht unerwähnt bleiben. Der abgedruckte Inhalt über das Programm war es das Papier nicht wert, auf dem es stand. Es gab noch nicht einmal Eckdaten der Komponisten. Bei einem Werk wurden die Satzbezeichnungen verschlampt, so dass Mertens sie mündlich bekannt geben musste. Kurze Werkeinführungen oder Lebensläufe? Auch nicht. Einem A-Orchester sollte solch ein Fauxpas nicht unterlaufen. Laienmusiker geben sich bei der Gestaltung von Programmheften sehr viel mehr Mühe.

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