Giora Feidman spielte mit seiner Enkelin und einem Cello-Quartett in der Friedhofskirche.

Giora Feidman spielte mit seiner Enkelin und einem Cello-Quartett in der Friedhofskirche.
Giora Feidman im Kreis seiner musikalischen Begleiter: Der Klarinettist André Tsirlin (v. l.), Kira Kraftzoff, Mikhail Degtjareff, seine Enkelin Hila Ofek, Kirill Timofeev und Sergio Drabkin.

Giora Feidman im Kreis seiner musikalischen Begleiter: Der Klarinettist André Tsirlin (v. l.), Kira Kraftzoff, Mikhail Degtjareff, seine Enkelin Hila Ofek, Kirill Timofeev und Sergio Drabkin.

Stephan Haeger

Giora Feidman im Kreis seiner musikalischen Begleiter: Der Klarinettist André Tsirlin (v. l.), Kira Kraftzoff, Mikhail Degtjareff, seine Enkelin Hila Ofek, Kirill Timofeev und Sergio Drabkin.

Wuppertal. Die erste Zugabe gibt Giora Feidman bereits vor der Pause: Schließlich stehe weder im Alten Testament noch im Koran geschrieben, dass die erst am Ende kommen darf. „Ich spiele sie jetzt – okay?“, fragt der Star-Klarinettist sein Publikum in der bestens besuchten Friedhofskirche an der Hochstraße. Und kann sich des aufbrausenden Beifalls sicher sein, bevor er „When I’m 64“ auch nur anstimmt.

Das Publikum wippt, schnippt und geht auch sonst begeistert mit

Mit seinem neuen Beatles-Programm machte Feidman am Donnerstag Station in Wuppertal: „Im Grunde war ich ihr Fan von Anfang an.“ Mit einem hingehauchten „Yesterday“ beginnt er das Konzert, kurz darauf fallen die Musiker des Rastrelli Cello Quartetts ein, alle fünf zusammen lassen den Evergreen richtig schön swingen. Mit der „Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ wird es umgehend fetzig. Und was ist „With a little help from my friends“? Überhaupt kein Problem: Das Publikum wippt, schnippt und geht auch sonst begeistert mit.

Mit augenzwinkerndem Charme plaudert Feidman zwischen den Songs. „Schön to be here“, sagt er und umarmt mit großer Geste den ganzen Saal. Die Beatles seien ein Phänomen, lobt er, weil sie nicht nur einen Hit hatten, sondern mit so vielen Liedern bis heute Menschen aus so vielen Generationen und so vielen Nationen auf der ganzen Welt verbinden: „Wir sind eine Einheit und eine Familie.“

Seine Familie hat er dabei, jedenfalls einen kleinen Teil der zehn Enkel: Hila Ofek an der Harfe und ihr Mann André Tsirlin am Sopran-Saxophon spielen eine ausdrucksstarke Solo-Einlage mit zwei Songs von George Harrison: „While my Guitar gently weeps“ und „Something“. Der frisch angeheiratete und leicht errötende Schwieger-Enkel bekommt anschließend noch rasch ein Geburtstagsständchen, in das die Konzertbesucher freudig einstimmen.

80 Jahre alt ist der Großvater im vergangenen März geworden, doch das verdirbt ihm weder die Laune noch den Schwung. Er wiegt sich in seinen blanken Lackschuhen im Takt der Musik, er gibt jederzeit den Ton an, so famos die vier Rastrelli-Musiker ihre Celli auch zupfen und streichen. In der Pause sitzt er im ziemlich unterkühlten Vorraum und signiert behende CDs und Programmhefte – auf Hebräisch von rechts nach links.

Zur Person In Argentinien ist er 1936 geboren worden, in Israel lebt er, Deutschland ist ihm „ein Stück Heimat“: Giora Feidman ist ein Weltbürger. Seine Eltern stammen aus der Klezmertradition Bessarabiens (heute in etwa das Gebiet Moldawiens), er ist in Buenos Aires aufgewachsen. 18 Jahre spielte er im Israel Philharmonic Orchestra, bevor er Anfang der 70er Jahre Klezmer-Solist wurde und nach New York zog. Feidman hat für den Theaterregisseur Peter Zadek, für Spielbergs Drama „Schindlers Liste“ und zum Holocaust-Gedenktag im Bundestag gespielt. Rund 70 CDs hat er veröffentlicht.
 

Auf der Bühne lässt Giora Feidman seine Klarinette kichern und jauchzen, schluchzen und strahlen. „Eleanor Rigby“ und „Michelle, ma belle“ schweben durch den Raum. Nur die ganz zarten, ganz leisen Passagen wackeln gelegentlich ein wenig.

Die Beatles-Hits erweisen sich als erstaunlich elastisch. Der „Fool on the Hill“ und die angeschmachtete „Honey Pie“ vertragen es durchaus, nach altem Swing und Salonorchester zu klingen. Die Musik trägt, die Stücke werden auch ohne Text nicht langweilig.

Der Arzt habe gesagt, er müsse in seinem Alter früh zu Bett gehen, meint Feidman kokett um kurz vor 22 Uhr. Aber der sei ja wohl nicht da. Beweisen muss der Musiker längst nichts mehr – weder sich noch seinem Publikum, das ihn am Ende stehend feiert. Was bleibt, ist das Vergnügen an der Musik und am Spielen.

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