Es erinnerte an Weihnachten: Am Freitag rollten Restauratoren ein Meisterwerk aus.

„Die letzten Augenblicke im Leben von Leonardo da Vinci“: Das Werk von Jean-François Gigoux (1835) wurde am Freitag enthüllt und fachmännisch an die Wand gebracht. Der Aufbau der Sonderausstellung läuft auf Hochtouren.
„Die letzten Augenblicke im Leben von Leonardo da Vinci“: Das Werk von Jean-François Gigoux (1835) wurde am Freitag enthüllt und fachmännisch an die Wand gebracht. Der Aufbau der Sonderausstellung läuft auf Hochtouren.

„Die letzten Augenblicke im Leben von Leonardo da Vinci“: Das Werk von Jean-François Gigoux (1835) wurde am Freitag enthüllt und fachmännisch an die Wand gebracht. Der Aufbau der Sonderausstellung läuft auf Hochtouren.

Andreas Fischer

„Die letzten Augenblicke im Leben von Leonardo da Vinci“: Das Werk von Jean-François Gigoux (1835) wurde am Freitag enthüllt und fachmännisch an die Wand gebracht. Der Aufbau der Sonderausstellung läuft auf Hochtouren.

Elberfeld. Kaum zu glauben, aber wahr: „Das berühmte Bild war 50 Jahre lang nicht zu sehen.“ Gerhard Finckh muss es wissen – hat er doch so geschickt verhandelt, bis das monumentale Gemälde nun seine „Auferstehung“ in Wuppertal feiert. Der Leiter des Von der Heydt-Museums hatte im wahrsten Sinne des Wortes ein Auge auf „Die letzten Augenblicke im Leben von Leonardo da Vinci“ geworfen. Mit Erfolg: „Die Franzosen waren sehr kooperativ“, sagt Finckh – glücklich darüber, dass das Bild von Jean-François Gigoux rund vier Monate lang in Elberfeld zu bestaunen sein wird.

„Das Bild wurde für die Ausstellung extra restauriert.“

Gerhard Finckh, Museumsdirektor

Finckhs Begeisterung für das vier mal fünf Meter lange Meisterwerk sollen ab dem 15. Oktober möglichst viele Gäste teilen: Am Freitag bezog die Leihgabe aus Frankreich ihren Platz in Elberfeld. Zuvor hatte das Bild fünf Jahrzehnte lang ein Dasein fern jeder Öffentlichkeit gefristet, ohne bewundernde Blicke zu ernten: „Es lag aufgerollt auf dem Dachboden.“

Weshalb das Staunen nur noch größer wird: Wie kann es sein, dass ein Ölgemälde, von dem Finckh in den höchsten Tönen schwärmt, weil sich Gigoux „damit in die Reihe der großen romantischen Maler eingereiht hat“, so lange unangetastet im Museumsdepot lag? Der Experte wiegelt ab – er hat Verständnis für die Nöte seiner französischen Kollegen. „Wir können aus Platzgründen ja leider auch nicht alle Schätze zeigen, die wir haben.“

Die Sonder-Schau im Von der Heydt-Museum kommt also gerade Recht: „Die letzten Augenblicke im Leben von Leonardo da Vinci“ ist nicht irgendein Bild, sondern einer der größten Blickfänge der Sammlung Gigoux, die erstmals in Deutschland zu sehen sein wird und Werke von Cranach bis Géricault in Elberfeld vereint (siehe Info-Kasten).

Kaum zu glauben, aber ebenfalls wahr: Wer dachte, dass ein Meisterwerk wie jenes von Gigoux nur mit Samthandschuhen angefasst wird, irrte sich gewaltig. Die entsprechenden Handschuhe kamen am Freitag zwar zum Einsatz. Es gab allerdings auch Geräusche, wie man sie vom Aufbau eines Schranks aus den eigenen vier Wänden kennt, wenn Maschinen auf Holz treffen.

Was Cranach, Dürer, Rubens und Goya gemeinsam haben? Werke der weltbedeutenden Künstler sind bald in Elberfeld zu bestaunen: Sie alle sind in der Sammlung Gigoux vertreten, die erstmals in Deutschland zu sehen ist. Jean-François Gigoux (1806-1894) machte sich im 17. Jahrhundert einen Namen – als Maler, Zeichner und Illustrator. Durch seine eigene Kunst sammelte er ein Vermögen an – was wiederum den Ankauf fremder Werke und somit den Aufbau einer Kunstsammlung ermöglichte.

Mit dem monumentalen Bild, das gestern an die Wand gebracht wurde, hatte Gigoux 1835 bei der Pariser Salon-Ausstellung den ersten Preis in der Kategorie „Historienmalerei“ gewonnen. „Die letzten Augenblicke im Leben von Leonardo da Vinci“ trafen den Geschmack des Pariser Groß- und Bildungsbürgertums – und die erste Medaille, die von Gigoux durch den Ankauf des Bildes durch das Innenministerium zusätzlich „vergoldet“ wurde, machte den jungen Maler schlagartig berühmt.

Rechts ist das Bett des Sterbenden zu sehen, an der Wand dahinter ein Kruzifix. Davor steht eine Art Altar. Der bärtige, bleiche Leonardo sinkt, gestützt vom kräftigen König Franz I. und einem Diener, auf ein Kissen, während sich von links ein Priester, begleitet von zwei Kerzen tragenden Messdienern, nähert, um das Sakrament zu reichen.

Am Turmhof werden 100 Gemälde und 100 Zeichnungen präsentiert – allesamt Leihgaben aus dem Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie in Besançon. Nähere Infos zu Karten und Führungen gibt es unter der Rufnummer 563 6231.
 

Die Leinwand, die zusammengerollt eingetroffen war, wurde erst im Ausstellungsraum – „sonst hätte sie nicht durch die Tür gepasst“ – auf den Boden gelegt und ausgerollt. Dann ging es rund: Laut und schnell ging der zentrale Akt vonstatten. „Die Leinwand wird auf den Holzrahmen getackert“, erklärte Finckh wie selbstverständlich. Ein für den Betrachter unsichtbares Aluminiumgitter wird die große Leinwand von hinten stützen, damit sie sich während ihrer Wuppertaler Zeit nicht verzieht.

Der Museums-Chef beobachte das Spektakel zufrieden und augenzwinkernd. „Sie sehen: Beim Aufbau geht es präzise, aber auch handfest zur Sache.“

www.sammlung-gigoux.de

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