Die Wuppertaler Bühnen erzählen eine Zuwanderungsgeschichte – mit Konflikten, wie sie auch Deutsche kennen.

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Jenke Nordalm inszeniert erstmals in Wuppertal: Bevor die Proben begannen, hatte sie ein Jahr lang zum Thema Migration recherchiert.

Jenke Nordalm inszeniert erstmals in Wuppertal: Bevor die Proben begannen, hatte sie ein Jahr lang zum Thema Migration recherchiert.

Andreas Fischer

Jenke Nordalm inszeniert erstmals in Wuppertal: Bevor die Proben begannen, hatte sie ein Jahr lang zum Thema Migration recherchiert.

Wuppertal. Dürfen Deutsche Griechen spielen? Regisseurin Jenke Nordalm hat anfangs lange darüber nachgedacht, ist am Ende aber zu einem klaren Schluss gekommen: Ja, sie dürfen. Zumindest an den Wuppertaler Bühnen. Dort wird’s beim Griechenland-Festival nun ganz theatralisch - wenn auch mit komischen Zwischentönen. Denn "Eleni" soll alles haben: tragische genauso wie heitere Momente. Kai Schubert hat die Zuwanderungsgeschichte zu Papier gebracht - Jenke Nordalm holt sie auf die Bühne.

Das Festival macht’s möglich: Nachdem die Sängerin Savina Yannatou am Dienstagabend im Opernhaus südländisches Flair versprüht hat (siehe Seite 22), geht der griechische Reigen am Freitag um 20 Uhr im Kleinen Schauspielhaus weiter. Das Besondere daran: Bevor die szenische Arbeit beginnen konnte, hatte das Team ein gutes Jahr lang recherchiert. "Wir haben mit vielen Griechen in Wuppertal gesprochen. Das, was sie uns erzählt haben, haben wir dann in einer exemplarischen Geschichte gebündelt", erklärt die Regisseurin.

Sieben Schauspieler teilen sich 30 Rollen

Auch bei den achtwöchigen Proben wurde auf willige Mithelfer gesetzt. So gab es Nachhilfe in Sachen Volkstanz, Sprache und Sitten. "Die Griechen haben uns gerne geholfen", freut sich Nordalm. "Jetzt sind sie gespannt, was wir auf die Bühne bringen."

So viel darf bereits verraten werden: Sieben Nicht-Griechen werden gleich 30 Rollen auf einmal übernehmen. "Keiner behauptet auf der Bühne, Grieche zu sein", stellt die Regisseurin klar. "Es ist eine Art Making-of. Wir gehen sehr offen mit den Mitteln des Theaters um und setzen auch schon mal eine Klischee-Perücke ein."

Über allem stehen zwei zentrale Gedanken. Die erste Frage formuliert Nordalm so: "Was ist, wenn man nur für ein, zwei Jahre nach Deutschland wollte, um Verwandten zu helfen, aber am Ende hängenbleibt und merkt, dass man sein Leben in einem fremden Land verbracht hat?" Eine Erkenntnis, die zur zweiten, ungleich wesentlicheren Frage führt: "Was und wo ist Heimat?"

In den frühen 60er Jahren kommt die junge Griechin Eleni nach Wuppertal, um ihrer Cousine Theofania zu helfen, die ihr erstes Kind erwartet. Obwohl sie ihren Verlobten zurücklässt, ist sie neugierig auf das neue Land. So bleibt Eleni in Wuppertal hängen - entgegen ihrer ursprünglichen Absicht und trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit der fremden Sprache, den ungewohnten Sitten und nicht zuletzt dem gewöhnungsbedürftigen Wetter im Bergischen Land.

"Eleni" feiert am Freitag um 20 Uhr Uraufführung im Kleinen Schauspielhaus. Restkarten gibt es nur noch an der Abendkasse. Auch am 2. Mai, 18 Uhr, und 15. Mai, 20 Uhr, wird das Stück an der Kluse aufgeführt. Karten für die Mai-Termine können unter Telefon 569 4444 bestellt werden.

Eine Antwort suchen vor allem Gast-Darstellerin Christine Nonnast und Wuppertals Publikumsliebling Ingeborg Wolff: Sie spielen die junge und die alte Eleni. Was die Titelfigur zwischen 1962 und 2010 erlebt, wird als Familiensaga erzählt - mit Konflikten, wie sie wohl auch jeder Deutsche kennt. "Es geht nicht nur um eine Migrationsgeschichte", betont Nordalm. "Überall, wo man nah miteinander lebt, entstehen Probleme. Da finden sich sicherlich viele wieder. Den meisten dürfte auch das Gefühl vertraut sein, durch einen Umzug in eine andere Stadt einen Neuanfang zu starten." Deshalb wünscht sie sich auch, "dass die Zuschauer Anteil nehmen können".

Apropos Neubeginn: Nordalm, die seit 2000 als freie Regisseurin arbeitet, führt zum ersten Mal in Wuppertal Regie. Griechenland-Expertin war sie vorher nicht - aber Spezialistin für Projektentwicklungen und Romanbearbeitungen. Ob ihr neuestes Projekt aufgeht, zeigt sich Freitag um 20 Uhr. Dann werden die Zuschauer entscheiden, ob Deutsche gute Griechen sind.

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