Sie denkt gerne nach: Anne-Catherine Studer ist neu im Bühnen-Ensemble.

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Für jeden (Foto-)Gag zu haben: Anne-Catherine Studer zögerte nicht lange, als WZ-Fotograf Uwe Schinkel die Schauspielerin in der Opernhaus-Kantine bat, eine ungewohnte Perspektive einzunehmen. „Ernst ist das Leben eh“, sagt die gebürtige Schweizerin. „Humor ist gesund.“

Für jeden (Foto-)Gag zu haben: Anne-Catherine Studer zögerte nicht lange, als WZ-Fotograf Uwe Schinkel die Schauspielerin in der Opernhaus-Kantine bat, eine ungewohnte Perspektive einzunehmen. „Ernst ist das Leben eh“, sagt die gebürtige Schweizerin. „Humor ist gesund.“

Uwe Schinkel

Für jeden (Foto-)Gag zu haben: Anne-Catherine Studer zögerte nicht lange, als WZ-Fotograf Uwe Schinkel die Schauspielerin in der Opernhaus-Kantine bat, eine ungewohnte Perspektive einzunehmen. „Ernst ist das Leben eh“, sagt die gebürtige Schweizerin. „Humor ist gesund.“

Wuppertal. "Ich mache Theater, weil es Theater gibt." Wer Anne-Catherine Studer nicht kennt, könnte jetzt denken: Was für eine schlichte Antwort. Bevor die 27-Jährige ihr Gegenüber einfach so mit dieser Einschätzung zurücklässt, kommt aber schon die Ergänzung: "Natürlich gibt es die unterschiedlichsten Motive, Schauspieler zu werden. Man macht das Handwerk gern, will aufrütteln, Dinge untersuchen. Aber ehrlich gesagt: Ich bin ja Anfängerin und muss erst noch Erfahrung sammeln." Auch in Interviews, denn "das hier ist mein erstes. Ich bitte um Entschuldigung."

Das braucht sie gar nicht, denn das Ringen um die richtigen Worte zeichnet die Schauspielerin ja gerade aus. Die begeisterte Schwimmerin, die keinen Satz ins kalte Wasser scheut und gerade erst den Sprung ins Ensemble der Wuppertaler Bühnen geschafft hat, verbessert sich gerne selbst.

Ganz egal, wie oft sie ihre Antworten vertieft, verwirft, verfeinert: Jedes Mal klingt es sympathisch unverblümt. "Immer wenn man auf die Bühne geht, ist man unsicher." Kaum hat sie’s gesagt, grübelt sie auch schon wieder: "Das Leben ist unsicher. Ich brauche das. Ich könnte in keinem Beruf leben, der eine Pseudo-Sicherheit ausstrahlt."

Keine Frage: Die gebürtige Schweizerin hat Lust am Leben, Spaß an der nie enden wollenden Suche nach einem tieferen Sinn und genug Neugier, um mit wachen Augen ihre Umgebung zu mustern - privat wie auf der Bühne. Dabei klingt die Selbstwahrnehmung fast schon wie eine Entschuldigung: "Ich bin ein bisschen zerstreut, kann aber auch sehr diszipliniert sein."

Sensibel und doch auch kraftvoll sei sie. "Aber ist das nicht fast jeder?" Was sagen denn ihre Freunde? "Die meinen, ich sei eine ewige Zweiflerin." Und wie sieht sie sich selbst? "Wie ich bin, kann ich gar nicht in Worte fassen." Nach kurzem Nachdenken findet sie doch noch einen Vergleich: "Ich bin wie die Farbe Rot. Ich trage sie sehr gern. Sie passt zu mir."

Anne-Catherine Studer wurde am 9. Januar 1982 in Meyriez/Schweiz geboren. Seit dieser Spielzeit ist sie an den Wuppertaler Bühnen und auf dem Ölberg zu Hause. "Da gibt es wunderschöne Ecken." Studer schwärmt von ihrer neuen Heimat: "Das Luisenviertel ist toll." Was sie am liebsten macht, wenn sie nicht gerade auf der Bühne steht? "Schwimmen, laufen, spazieren gehen."

Die Schweizerin ist heute wieder in einem Weltverschwörungsdrama zu erleben: "Eine Billion Dollar" wird um 19Uhr im Kleinen Schauspielhaus präsentiert. Studer spielt Ursula Valen - eine junge Enthusiastin, die eine enge Beziehung mit John Fontanelli (Gregor Henze) eingeht, der durch eine Erbschaft über Nacht reich wird. Auch im Opernhaus ist sie zu sehen: Im Brecht-Stück "Im Dickicht der Städte" mimt sie Marie Garga. Nächste Vorstellung: Freitag, 6. November, 19.30 Uhr. Karten gibt es unter Telefon 5694444.

Nur gut, dass Christian von Treskow, Wuppertals neuer Schauspiel-Intendant, nicht rot gesehen hat, als Studer zum Vorsprechen anreiste. Sie kam, spielte und überzeugte. Auch wenn das für eine Schweizerin in Hochdeutsch nicht immer ganz so einfach ist: "Ich denke in Schweizerdeutsch und muss mir Texte bei den Proben erst ,übersetzen’."

Dass sie überhaupt Theater macht, hat sie ihrem Zwillingsbruder Raphael zu verdanken: "Ihm ist bei einer Schulaufführung kurzfristig eine Bühnenpartnerin abhanden gekommen." Studer sprang ein, und so wurde "Was ihr wollt" zum Schlüsselerlebnis: "Da hat es Klick gemacht."

Bevor sie auf der Schauspielschule in Zürich ins Profilager wechselte, hatte es sie aber erst einmal ins Ausland gezogen. Als 17-Jährige war sie ein Jahr lang als Austauschschülerin in Brasilien: "Ich bin sehr idyllisch aufgewachsen, fand die Schweiz immer eng und wollte eine ganz andere Kultur kennenlernen."

Nun will die 27-Jährige die Weite Wuppertals entdecken - am liebsten im Namen von Peter Handke und Heiner Müller. Beide (Theater-)Autoren stehen ganz oben auf ihrer Wunschliste. Was sie an ihnen mag? In diesem Fall muss sie nicht lange überlegen: "Ihre Sprache! Ich liebe sie."

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