Wuppertal. Diagnose: Burnout. Björn hat das Handtuch geworfen und seinen Kolleginnen vom Jugendamt 104 ungelöste Fälle hinterlassen, sogenannte „Kaspar Hauser“-Fälle. Dabei hat das Trio auch so schon alle Hände voll zu tun. Autorin Felicia Zeller lässt die drei Sozialarbeiterinnen einen aussichtslosen Kampf gegen permanente Überlastung, Versagensängste, ausufernde Bürokratie, öffentlichen Druck und vergiftetes Betriebsklima führen – während ihr eigenes Leben an ihnen vorbeirast. Ihr Stück „Kaspar Häuser Meer“ feiert am Samstag, 26. Februar, um 20 Uhr Premiere im Kleinen Schauspielhaus. Anne-Catherine Studer, An Kuohn und Julia Wolff übernehmen dann die Rollen der Sozialarbeiterinnen. Regie führt Katrin Lindner (Foto: privat). Die 32-Jährige war nach dem Studium der Theater- und Medienwissenschaften in Erlangen drei Jahre lang als Regieassistentin am Schauspielhaus Bochum engagiert. Nun feiert sie zum ersten Mal Premiere an der Kluse.

Frau Lindner, Sie inszenieren zum ersten Mal in Wuppertal. Mit welchem Ziel treten Sie an?

Katrin Lindner: Hoffentlich einen weiteren Abend im Repertoire der Wuppertaler Bühnen zu schaffen, der dazu beitragen kann, durch die Vorstellungen die fehlenden Millionen für den Erhalt des Theaters einzuspielen . . .

Felicia Zeller hat den Alltag deutscher Jugendämter beobachtet und hält in ihrem Stück die Überforderung von Mitarbeitern in verbalen Attacken fest. Wie setzt man eine solch wütende Wort-Performance in Szene, ohne dass die Zuschauer abgeschreckt werden, ihnen wegen der Sprachgewalt des Textes schwindelig oder, vielleicht gar im Gegenteil, langweilig wird?

Lindner: Das finden wir gerade zusammen in den Proben heraus. Man kann den Text nicht die ganze Zeit als Maschinengewehr benutzen, sondern es geht auch darum, die Brüchigkeit jeder einzelnen Figur in all ihren Facetten nachvollziehbar zu zeigen und den Zuschauer damit zu fangen.

„Kaspar Häuser Meer“ wurde bei den Mülheimer Theatertagen 2008 mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Was fasziniert Sie an dem Stück?

Lindner: Zeller gelingt die detailgenaue Beobachtung eines unglaublich wichtigen, aber wenig Beachtung findenden Berufsstandes. Harte Themen werden aber so raffiniert verpackt, dass man nicht in Betroffenheit erstarrt. Im Gegenteil: Sie regen zu Auseinandersetzung an und ermöglichen neue Blickwinkel.

 

Karten und Infos zu weiteren Terminen gibt es unter der Rufnummer 569 4444 und im Netz.

 

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