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Rost, Heike

Wuppertal. „Ich werde euch einen Zyklus schauerlicher Lieder vorsingen. Sie haben mich mehr angegriffen, als dies bei anderen der Fall war. Mir gefallen diese Lieder mehr als alle, und sie werden euch auch gefallen.“ Mit diesen Worten kündigte Franz Schubert im Herbst 1827 seine „Winterreise“ an. 24 Lieder – nach Gedichten seines Zeitgenossen Wilhelm Müller – ermöglichen eine romantisch-melancholische Wanderung durch frostige Seelenlandschaften bis tief in winterliche Schwermut. Am Sonntag, 29. Januar, wandeln Verena Louis und Thomas Laske auf Schuberts Spuren: Die Pianistin und der Opernsänger laden zur „Winterreise“ ein – sie beginnt um 18 Uhr in der Immanuelskirche an der Sternstraße.

Frau Louis, was Franz Schubert seinen Freunden als „Zyklus schauerlicher Lieder“ vorstellte, stieß bei der ersten Darbietung auf wenig Anerkennung. Zu depressiv, zu hoffnungslos schienen die 24 Lieder, die von einem in der Liebe enttäuschten Mann und dessen ziellose Reise durch eine erstarrte Winterlandschaft erzählen. Wie nehmen Sie die Lieder wahr?

Verena Louis: Ich finde, dass die „Winterreise“ bis heute nichts von der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung bis hin zur Resignation verloren hat. Wobei ich Ähnliches in Schuberts letzten drei Klaviersonaten verspüre. Für mich ist die „Winterreise“ somit ein großes Schubert-Werk, das durch die Worte den Zuhörer ganz unmittelbar und konkret mitzureißen vermag. Das Ineinandergreifen von einzelnen Wörtern mit bestimmten Harmonien – von Versen mit Klangfarben – ist in Perfektion gelungen und bis heute packend.

Sie sind vor drei Jahren ins Bergische Land gezogen. Was schätzen Sie an Wuppertal und seiner Musikszene?

Louis: An den Wuppertalern schätze ich das grundsätzliche „Lebenlassen“ sowie die Offenheit, die mir im Alltag begegnet. Ich habe mich von Beginn an nie neu oder fremd gefühlt, sondern gleich willkommen. Dasselbe gilt für die Musikszene. Mir wurde sehr bald das Gefühl vermittelt, ich sei willkommen. Unter den Musikern, denen ich hier begegne, sind viele begeisterte Kammermusiker und so fand es sich, dass ich in kürzester Zeit kammermusikalische Traumprojekte spielen konnte. Diese Kontakte bleiben dabei sehr nachhaltig. Das begegnet einem in dieser Intensität nicht überall.

Sie treten regelmäßig bei Festivals auf und geben Meisterkurse im Ausland. Haben Sie vor Auftritten in Ihrer Wahl-Heimat mehr Lampenfieber als anderswo – oder ist ein Heimspiel einfach nur „Vergnügen pur“?

Louis: Lampenfieber und „Vergnügen pur“ gehören paradoxerweise oft sogar zusammen, wobei es dann um die richtige Balance geht. Das Ausschlaggebende für mehr Lampenfieber oder mehr Vergnügen ist bei mir aber nicht unbedingt der Ort, sondern eher der Konzertinhalt. Da spielen sehr verschiedene Faktoren eine Rolle: ob ich ein Werk schon öfter aufgeführt habe oder es eine persönliche Premiere ist, wie intensiv die Vorbereitung mit den Mitmusizierenden war, auch wie gut man sich kennt (da jeder ein bisschen anders auf der Bühne reagiert) und manchmal sogar, wie sympathisch man sich ist. Insofern werden Sie mich in Wuppertal wohl immer mit wesentlich mehr Vergnügen als Lampenfieber auf der Bühne erleben. thö

» Der Abend in der Immanuelskirche ist ein Gemeinschaftsprojekt der Kantorei Barmen-Gemarke und der Wuppertaler Bühnen. Karten kosten 15 Euro, ermäßigt 10 Euro. Es gibt sie im Musikhaus Landsiedel-Becker, bei der Ticketzentrale, telefonisch unter Ruf 64 19 69 oder im Netz unter

www.immanuelskirche.de

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