WZ-Interview: Am Sonntag gibt Hilary Griffiths seinen Einstand im Barmer Opernhaus. Der Brite wird im August offiziell Chef-Dirigent – möchte aber kein Diktator am Pult sein.

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Hilary Griffiths leitet seine erste Produktion im Barmer Opernhaus.

Hilary Griffiths leitet seine erste Produktion im Barmer Opernhaus.

Andreas Fischer

Hilary Griffiths leitet seine erste Produktion im Barmer Opernhaus.

Herr Griffiths, für einen angehenden Chef-Dirigenten haben Sie eine ungewöhnliche Ausbildung. Sie haben Mathematik studiert. War das eine Alternative, weil Sie als Student womöglich nicht damit gerechnet haben, sich als Profimusiker durchsetzen zu können?

Hilary Griffiths: Ich hatte es gehofft und wollte eigentlich Konzertpianist werden. Meine Eltern und meine Lehrer haben mir allerdings geraten, etwas Vernünftiges zu studieren.

Das haben Sie dann getan.

Ja, in Oxford. Dort hat inzwischen auch mein ältester Sohn studiert - Mathe. Der zweite will aber Musiker werden.

Dann kann er sicherlich mit Ihrer Unterstützung rechnen. Wann haben Sie selbst die Mathematik gegen die Musik getauscht?

Ich glaube, das Interesse an Mathe kam von meinem Vater. Er war Priester und hat unter anderem auch mehrere Jahre lang in einem Mädchen-Internat unterrichtet. Während ich in Oxford studiert habe, war die Musik aber immer präsent. Ich habe Konzerte gegeben und ein eigenes Orchester gegründet.

"Das Orchester ist keine Maschine, und die Musiker sind keine Sklaven - auch wenn am Ende natürlich einer das Sagen haben muss."

Und es bereut, nicht direkt Musik studiert zu haben?

Nein, es war gut so. Ich habe gemerkt, dass ich für den Beruf als Konzertpianist nicht geeignet bin. Man übt allein, man spielt allein, und man sitzt allein im Hotelzimmer.

Dann sind Sie ein sehr kommunikativer Mensch?

Der gebürtige Brite studierte Mathematik an der Universität von Oxford und Musik an der Royal Academy of Music in London.

Nach einem einjährigen Auslandsstipendium in Mailand zog es ihn an den Rhein: Sein erstes Engagement führte ihn 1976 als Kapellmeister nach Köln, wo er 14 Jahre lang fest zum musikalischen Stab gehörte, mehr als 300 Opernaufführungen dirigierte und Direktor des Opernstudios wurde. Dort lernte er auch seine heutige Ehefrau kennen: Andrea Andonian ist Solistin an der Kölner Oper. Mit der gebürtigen US-Amerikanerin und den beiden gemeinsamen Söhnen Jason (25) und Ian (18) kommuniziert er auf Englisch - nach mehr als 30 Jahren in Deutschland spricht er allerdings auch perfekt Deutsch.

Auf Köln folgte Oberhausen. Am dortigen Theater gab Griffiths zwei Jahre lang als Musikdirektor den Ton an, von 1993 bis ’97 war er Generalmusikdirektor in Regensburg. Bis August 1996 war er außerdem Chef-Dirigent an der Staatsoper in Prag, an der er - wie auch in Köln - weiterhin als ständiger Gast-Dirigent auftritt. Von 1991 bis 2006 war der Brite Musikdirektor der Eutiner Festspiele. Ab August 2009 ist er Chef-Dirigent und musikalischer Oberleiter der Wuppertaler Bühnen.

der Wuppertaler Bühnen. premiere Der designierte Chef-Dirigent leitet die Wiedereröffnung der Barmer Oper. "Das Märchen von Fanferlieschen Schönefüßchen" wird am Sonntag um 18 Uhr erzählt und mit Spannung erwartet: Die Premiere ist bereits ausverkauft.

Ja, ich brauche den Umgang mit Menschen. Und in der Oper geht es immer um Zusammenarbeit. Ich bin jemand, der wenig zurückblickt. Ich schaue immer nach vorn. Wenn ich eine Produktion mache, setze ich mich erst einmal mit dem Bühnenbildner und dem Regisseur zusammen. Oper macht Spaß, wenn man zusammenarbeitet.

In welcher Rolle sehen Sie sich dabei?

Es gibt Dirigenten, die diktatorisch vorgehen. Und es gibt viele Orchester, die eine starke Hand mögen. Ich möchte aber erst einmal hören, was mir die Musiker anbieten, und finde es viel spannender, mit der Musikalität des Orchesters zu arbeiten. Jede Produktion ist eine neue Reise. Was bringen die Musiker mit, wo kann ich selbst dazu lernen, wie kann man die Partitur noch lesen? Das Ergebnis ist im Idealfall besser, als wenn ein Diktator dirigiert. Denn das Orchester ist keine Maschine, und die Musiker sind keine Sklaven - auch wenn am Ende natürlich einer das Sagen haben muss.

Ab August haben Sie in Wuppertal als Chef-Dirigent das Sagen. Schon vorher treten Sie als Gast-Dirigent auf. Welche Erwartungen haben Sie?

Ich hatte in den vergangenen Jahren das große Glück, meine Kunst in Südamerika, Prag und Asien ausprobieren zu dürfen. Jetzt freue ich mich darauf, mit festen Sängern und einem erstklassigen Orchester zu musizieren. Ich freue mich auch sehr auf die Zusammenarbeit mit Johannes Weigand, dem zukünftigen Opernintendanten.

Und was dürfen Ihre Zuhörer erwarten?

Ein Spielplan muss zur Größe des Hauses passen. Wuppertal hat nicht die Mittel, ein ganz großes Repertoire zu spielen. Wir müssen auswählen, das ist klar.

Was würden Sie am liebsten auswählen?

Ich fühle mich Richard Strauß sehr verbunden - zu Wuppertal würden mittlere Strauß-Opern passen. Ich bin auch ein Puccini-Fan. Und ein großer Mozart-Liebhaber - wer ist das nicht? Bei russischer Musik hingegen gibt es sicher Kollegen, die mehr Erfahrung haben.

Dafür haben Sie viel Erfahrung mit zeitgenössischer Musik. Im April dirigieren Sie die Uraufführung des neuen Stücks von Salvatore Sciarrino, das er speziell für Wuppertal geschrieben hat. Das dürfte eine ganz besondere Herausforderung werden.

Ja, ganz sicher. Es ist sehr wichtig, dass man die moderne Musik unterstützt. Salvatore Sciarrino ist für mich absolutes Neuland. Ich habe noch keine Note gesehen. Das macht es umso spannender.

Spannend ist auch die Zeit, in der Sie Ihr neues Amt übernehmen. Die Oper wird wieder eröffnet, die Zuschauer haben eine große Vorfreude, aber auch entsprechende Erwartungen.

Ich bin auch sehr gespannt. Als ich vor 20 Jahren die ersten Aufführungen im Wuppertaler Opernhaus gesehen habe, ist mir vor allem eins im Gedächtnis geblieben: wie begeisterungsfähig das Publikum ist. Ich würde mich glücklich schätzen, wenn wir die Zuschauer da wieder hinbekämen, wenn wir ihr Vertrauen gewinnen und ihr Interesse wecken könnten - das ist das Allerwichtigste. Ich freue mich darauf, Kontakt mit dem Wuppertaler Publikum zu haben.

Mit welchem Ziel treten Sie an?

Ich würde mir wünschen, dass das Publikum kommt, weil es weiß, dass wir hier Musiktheater von höchstem Niveau bieten. Dann kommen auch Zuschauer aus den Nachbarstädten.

Zieht es Sie auch privat nach Wuppertal?

Mein jüngster Sohn steht kurz vor dem Abitur. Wir wohnen in Köln direkt an seiner Schule. Jetzt umzuziehen, wäre denkbar ungünstig. Ich werde mir für die Zukunft aber auf jeden Fall eine Wohnung in Wuppertal suchen.

Welche Musik hören Sie dann - in den eigenen vier Wänden?

Mein jüngster Sohn liebt Jazz und Rockmusik. Manchmal ist das eine schöne Alternative...

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