Neustart nach altem Muster: Politiker suchen die beiden Nachfolger für Toshiyuki Kamioka.

Sinfonieorchester
Politiker entscheiden darüber, wer kommt, wenn Toshiyuki Kamioka geht.

Politiker entscheiden darüber, wer kommt, wenn Toshiyuki Kamioka geht.

dpa

Politiker entscheiden darüber, wer kommt, wenn Toshiyuki Kamioka geht.

Wuppertal. Die Findungskommission für die Kamioka-Nachfolge ist Geschichte, noch ehe sie überhaupt zusammengestellt wurde. Nun begibt sich der Aufsichtsrat der Bühnen auf die Suche nach einem Opernintendanten und einem Generalmusikdirektor. Das hat der Kulturausschuss gestern beschlossen.

Der neue Opernintendant soll bis zum Ende der laufenden Spielzeit gefunden werden. Bis Anfang 2016 soll die Entscheidung fallen, wer künftig als GMD das Sinfonieorchester leitet. Diese Frist ist länger, weil Probedirigate mehr Zeit in Anspruch nehmen. Die beiden Nachfolger werden sich quasi das Gehalt teilen müssen, das Kamioka derzeit in seiner Doppelfunktion bekommt. „Teurer wird es jedenfalls nicht“, sagte Bühnen-Geschäftsführer Enno Schaarwächter.

Versteckte Kritik an Oberbürgermeister Peter Jung

Ambitioniert ist die Bewerbungsfrist. Sie soll bereits am 31. Januar, also in knapp acht Wochen, enden. Noch im Dezember sollen die Positionen in zwei Internetstellenbörsen ausgeschrieben werden.

Die SPD-Ratsfraktion „begrüßt das vorgeschlagene Verfahren, wie die Vorsitzende des Aufsichtsrates, Ursula Schulz (SPD), sagte. Sie hält es für notwendig, den gesamten Aufsichtsrat einzubinden, „wenn man ein Höchstmaß an Transparenz erreichen möchte“. Damit übt Schulz indirekt Kritik an Oberbürgermeister Peter Jung (CDU). Ihm wird in Kulturkreisen angelastet, dass er die Inthronisierung Kamiokas als Generalmusikdirektor und als Opernintendant in Personalunion im Alleingang durchgepeitscht hatte.

Kein einziger Opernabend im gesamten Januar

Dass Kamioka nun vorzeitig die Segel streicht, erfüllt Kulturfreunde aus mehreren Gründen mit Unbehagen. Erstens gilt der Japaner als hervorragender Dirigent, der das sehr gute Sinfonieorchester noch besser gemacht hat. Zweitens bricht mit der Demission Kamiokas vermutlich ein ganzes Konstrukt zusammen.

Der Verzicht auf ein eigenes Opernensemble, um stattdessen Produktionen einzukaufen, hat sich nicht bewährt. „Dass es im gesamten Januar an 31 Abenden nicht einen einzigen Opernabend gibt, ist dafür der Beweis“, sagt der Vorsitzende des Kunst- und Museumsvereins Eberhard Robke. Er plädiert für ein kleines Opernensemble, das je nach Stück um Gastsänger ergänzt werden könnte.

„Wir wollen zurück zu dem System, das wir hatten“

Für ein eigenes Ensemble hat sich gestern auch der Kulturausschuss einstimmig ausgesprochen, nachdem Peter Vaupel als Vorsitzender der Theaterfreunde vorgeschlagen hatte, man möge den Hinweis auf den Ensemble-Betrieb in die Stellenausschreibung aufnehmen.

„Wir wollen zurück zu dem System, das wir hatten“, erklärte Rolf Köster (CDU), Vorsitzender des Kulturausschusses. Dieses System sei auch nie abgeschafft worden, sondern lediglich für eine Zeit suspendiert worden.

Robke ist allerdings auch nicht glücklich damit, dass Politiker die Suche nach geeigneten Nachfolgern für Kamioka allein in die Hand nehmen. „Man sollte sich in einer solchen Situation des Sachverstandes von Leuten versichern, die über den Tellerrand hinausschauen.“

Doch im Beschluss des Kulturausschusses ist lediglich festgelegt, dass der Aufsichtsrat „Fachleute hinzuziehen kann“. Das geschähe dann allerdings auf Kosten der Bühnen.

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