Miko Greza spielt "Die Odyssee" als Solostück im Gewächshaus.

Miko Greza erscheint als Odysseus von mächtiger Gestalt.
Miko Greza erscheint als Odysseus von mächtiger Gestalt.

Miko Greza erscheint als Odysseus von mächtiger Gestalt.

Sebastian Eichhorn

Miko Greza erscheint als Odysseus von mächtiger Gestalt.

Wuppertal. Der Held der griechischen Sagen ist von mächtiger Gestalt, doch er tritt leise auf. Beiläufig betritt Odysseus das Kalthaus des Botanischen Gartens, murmelt ein paar griechische Satzfetzen. Noch haben ihn gar nicht alle der knapp 30 Zuschauer bemerkt, die sich zwischen Pomeranzen und blühenden Kamelien verteilen.

Dann steht Odysseus mitten unter ihnen: „Sie wollen meine Geschichte hören? Immer und immer wieder muss ich sie erzählen. Seit 2700 Jahren ist meine Geschichte auch eure Geschichte.“ Denn sie ist eine unendliche Abfolge von Krieg, Leid und Verlusten. Archaisch wie ein antiker Hirte sieht Miko Greza in seinem Großraum-Mantel aus zotteligem Schaffell aus, der ihm spätestens im Warmhaus den Schweiß auf die Stirn treibt. Darunter trägt er ein offenes Jackett und den nackten Leib.

Bildreich erzählt Odysseus, vom Rausch im Land der Lotophagen und wie er dem Zyklopen Polyphemos das Auge ausgestochen hat. Wendet sich im Sprechen hierhin und dorthin, die Zuschauer sind frei, ihm bei seinem Solostück zu folgen oder das Schauspiel durch die Blätter zu beobachten. Gegen ihn hat Circe nichts ausrichten können, er hat die Sirenen überstanden, ebenso das grausige Paar Scylla und Charybdis.

Doch hier spricht keiner, der sich in der Erinnerung an seine glorreichen Abenteuer sonnt. Sicher, seine Listen sind legendär geworden, doch der Preis war hoch: „Ich habe alle meine Männer verloren.“

Regisseur Torsten Krug hat eine stimmige Textfassung erstellt, die alten Duktus und moderne Anspielungen fein ausbalanciert. Odysseus zeigt er nicht als strahlenden Helden unter Palmen, der wieder auf dem angestammten Thron von Ithaka sitzt, sondern als gebrochenen Menschen: „Vater, denkst du noch manchmal an die, die du umgebracht hast.“ Gelegentlich lässt er Geräusche ins Spiel hereinbranden – das Meeresrauschen passt uneingeschränkt, Gesang hätte man nicht unbedingt gebraucht.

Miko Greza spielt „Die Odyssee“ frei nach Homer am 24. und 25. Januar um 19.30 Uhr, am 4. Februar um 18.30 Uhr, am 17. und 28. Feb- ruar um 19.30 Uhr sowie am 21. März um 21 Uhr. Intendantin Susanne Abbrederis und Regisseur Torsten Krug haben sich nach der Premiere entschlossen, die Zahl der Zuschauer im Gewächshaus des Botanischen Garten, Elisenhöhe 1, auf 40 aufzustocken. Tickets für 10 Euro, ermäßigt 6 Euro, gibt es unter Tel. 563 7666, im City-Center, Schloßbleiche 40, auf kulturkarte-wuppertal.de

Miko Greza ist als Kriegsheld, der zum Gärtner wird, nicht nur leibhaftig eine Wucht. Die Bilder, wie er sich das Gewächshaus von innen und außen aneignet, bleiben lange haften.

 

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