Die „Landschaft mit Bäumen“ von Renoir entstand vor Ort unter freiem Himmel.

Wuppertal. Geboren als Kind einer Arbeiterfamilie, beendete Pierre Auguste Renoir (1841-1919) zunächst eine Lehre als Porzellanmaler, bevor er sich der Klasse des Schweizer Malers Charles Gelyre anschloss. Die zufällige Begegnung mit seinen zukünftigen Lehrern Gustave Courbet und Diaz de la Peña beim Malen im Wald von Barbizon bestimmte seinen künstlerische Werdegang.

Heute zählt Renoir zu den bedeutenden französischen Malern des Impressionismus. Wie auch bei Edgar Degas und Auguste Rodin spielten Bewegung und die Reflexion des Lichtes im Werk Renoirs eine wichtige Rolle, die er besonders durch die Malerei unter freiem Himmel (plein-air) umzusetzen versuchte.

Ein Beispiel dafür ist das aktuell in der Ausstellung „ Degas und Rodin – Giganten der Moderne“ präsentierte Öl-Gemälde „Landschaft mit Bäumen“ von 1890. Zusammen mit fünf weiteren Werken wurde es 1919, noch vor dem Tod Renoirs, von August von der Heydt für das Museum angekauft. Zu sehen ist eine offen angelegte Buschlandschaft, an deren linkem Bildrand ein schmaler Baum den Blick auf die Landschaft beschränkt. Weitere Äste ragen von oben ins Bild hinein. Im Zentrum der Darstellung lässt sich ein Spaziergänger erkennen, dessen Umriss nur mit wenigen Pinselstrichen angedeutet ist. Die sich dahinter befindenden goldgelb blühenden Büsche erstrecken sich fast über die gesamte Breite des Bildes und markieren gleichzeitig den Horizont. Die Landschaft ist in warmes, goldenes Licht getaucht, das die Vorstellung eines Sonnenuntergangs erweckt.

Wichtig war es Renoir, die Flüchtigkeit dieses Moments einzufangen, was ihm durch eine ebenso flüchtige Maltechnik gelang. Diese machte es dem Künstler möglich, gleichzeitig Licht und Bewegung in das Bild einfließen zu lassen und so die Komposition zu bestimmen. Der schnelle Farbauftrag, ein Charakteristikum der Plein-Air-Malerei, lässt an vielen Stellen die Struktur der Leinwand sichtbar werden. Am deutlichsten wird dies in der unteren Ecke am rechten Bildrand. Dort befindet sich auf einer freien Fläche auch die Signatur Renoirs.

Bei der „Landschaft mit Bäumen“ handelt es sich allerdings nicht um die ursprüngliche Fassung; denn nicht zu sehen sind hier eine Brücke mit zwei Bögen und ein weiterer Baum, die sich ursprünglich am linken und unteren Bildrand befanden. Aufgrund einer posthumen Beschneidung des Bildes, die sich wahrscheinlich mit dem Aufziehen der Leinwand auf einen Keilrahmen durch den Kunsthandel erklären lässt, wurde das Bildformat auf das heutige Maß verändert, so wie es derzeit im Von der Heydt-Museum ausgestellt ist.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer