Die Wuppertaler Autorin Angelika Zöllner hat ein neues poetisches Büchlein vorgelegt.

Die Wuppertaler Autorin Angelika Zöllner hat ein neues poetisches Büchlein vorgelegt.
Angelika Zöllner berichtet in „Freitags gehe ich zu ihr...“ von den Besuchen mit ihrer hochbetagten Freundin. Archiv

Angelika Zöllner berichtet in „Freitags gehe ich zu ihr...“ von den Besuchen mit ihrer hochbetagten Freundin. Archiv

Anna Schwartz

Angelika Zöllner berichtet in „Freitags gehe ich zu ihr...“ von den Besuchen mit ihrer hochbetagten Freundin. Archiv

Wuppertal. Wohin gehen Sterbende? Gibt es eine WeltG zwischen hier und dort? Diesen Fragen nähert sich Angelika Zöllner in ihrem poetischen Büchlein „Freitags gehe ich zu ihr - Von den Besuchen bei einer alten Dame“.

Über mehrere Jahre hinweg besucht sie mal wöchentlich, mal in längeren Abständen ihre hochbetagte Freundin. Die Freundschaft war nie eng, bis zuletzt waren die beiden Künstlerinnen beim „Sie“ geblieben – doch Angelika Zöllner spricht mit großer Hochachtung und Zuneigung von Frau A., wie sie sie nennt.

Den Leser teilhaben lassen an kleinen Erfolgserlebnissen

Fast wie in einem Tagebuch schildert die Autorin ihre Besuche: Anfangs keift die Seniorin manchmal noch „Alte Ziege“, wenn ihr etwas nicht passt. Doch zunehmend wird sie ruhig und milde.

Fasziniert beschreibt Angelika Zöllner den zufriedenen Eindruck, den die meist schlummernde alte Dame in ihren Blumenkissen macht. Und sie lässt den Leser teilhaben an kleinen Erfolgserlebnissen: Wenn Frau A. in ein altes Volkslied einstimmt – ohne Melodie zwar, doch auch mit annähernd 100 Jahren immer noch textsicher. Wenn sie nach langer Unbeweglichkeit doch noch die Augen öffnet, vielleicht gar auf ein Gedicht mit einer winzigen Bewegung reagiert.

Oder wenn sie von sich aus „Hoppe Reiter“ einwirft. Einmal gar wähnt sich die Bettlägrige in einem Hutgeschäft, schildert vehement die verschiedenen Sorten von Hüten und die Hutverkäufer, die in ihrer Fantasie um sie herum stehen.

Mit ihrer wunderbar poetischen Sprache verleiht Angelika Zöllner den oft sehr profanen Eindrücken eine höhere Weihe. „Ich rühre Gedanken in meiner inzwischen kalt werdenden Kaffeebrühe“, schreibt sie etwa, oder sie wünscht der Lady, „dass sich ihr Ich manchmal hinausheben kann aus dem müde gewordenen Körper“, „dass nicht diese elende Trostlosigkeit wie Bleischwere an den Bettfedern hängt“.

Gleichzeitig lässt sie auch den täglichen Mühen und Problemen Raum, dem Füttern der Dahinsiechenden, ihrem Wundliegen. Sie würdigt die Pfleger eines privaten Pflegedienstes, die ihre schwere Arbeit an der alten Dame liebevoll verrichten.

Mit einem Pfleger tauscht die Autorin sogar Betrachtungen über Frau A., vor allem aber über die Situation der Pflege an sich, aus. Außerdem ergänzt Angelika Zöllner ihre Dokumentation des Dahinsiechens der am Ende 102-Jährigen mit ihrer Erzählrunde in einem Altersheim. Dort schildern alte Damen ihr Leben während der Kriegs- und Nachkriegsjahre.

Zwischendurch zitiert Zöllner auch aus Büchern, die sie im Haus der alten Dame findet. Ganz sanft, fast unmerklich, verabschiedet diese sich schließlich und verschwindet in die Welt, die sie in wenigen Worten schon vorher hatte anklingen lassen.

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