„Das kalte Herz“ im Opernhaus: Das Weihnachtsstück ist für Andreas Petri und Axel Röhrle eine ganz besondere Herausforderung.

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Andreas Petri verbringt viel Zeit in der Maske: Er verkörpert den teuflischen Holländer-Michel und ist schon zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn im Opernhaus.

Andreas Petri verbringt viel Zeit in der Maske: Er verkörpert den teuflischen Holländer-Michel und ist schon zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn im Opernhaus.

Der gute Geist mit den spitzen Ohren: Axel Röhrle spielt das Glasmännlein.

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Andreas Petri verbringt viel Zeit in der Maske: Er verkörpert den teuflischen Holländer-Michel und ist schon zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn im Opernhaus.

Wuppertal. Was er im Rampenlicht macht? Andreas Petri nimmt seine Rolle als Holländer-Michel mit Humor. „Man könnte sagen: Ich arbeite für die Weltagentur des Bösen, Unterabteilung Schwarzwald-Süd.“ Ganz so explizit steht’s zwar nicht im Textbuch, aber Axel Röhrle gefällt die Vorstellung, dass sein Kollege als teuflischer Verführer im Süden arbeitet. Der 39-Jährige greift die Formulierung augenzwinkernd auf: „Und ich bin der Gute – sozusagen aus Schwarzwald-Nord.“

Den Schauspielern macht es sichtlich Spaß, Theater zu machen – zumal sich die anderen Figuren warm anziehen müssen, wenn sie es mit dem guten Geist und dem bösen Gegenspieler zu tun bekommen. „Das kalte Herz“ macht es möglich: Die beiden Darsteller, die in Ost-Berlin leben und Schwarzwälder mimen, treffen sich in Wuppertal.

Im Wuppertaler Schwarzwald leben zwiespältige Gestalten

Und genau dort herrscht verkehrte Welt: Der Holländer-Michel ist zwar das personifizierte Böse, aber „auch jemand, mit dem man gerne ein Bier trinken würde“, wie Röhrle seinen Gegenpart charakterisiert. „Er wirkt eigentlich ganz sympathisch.“ Das Glasmännlein, das er selbst verkörpert, ist ebenfalls ambivalent angelegt, allerdings unter anderen Vorzeichen: „Ich bin der gute Geist – aber eben auch der Moralische, der Protestantische, der Schmallippige. Das Glasmännlein würde ich selbst nicht gerne treffen wollen.“

Die Frage, die die Wuppertaler Bühnen mit ihrem Weihnachtsstück aufwerfen, ist also gar nicht so einfach zu beantworten: Was ist gut, wer ist böse? Dass Petri und Röhrle viel Spielraum haben, um Grauzonen auszuloten, reizt sie mehr denn je. Denn seit „Das kalte Herz“ am 13. November im Opernhaus Premiere hatte, haben sie sich längst warm gespielt.

Andreas Petri: Der kleine Bruder der großen TV-Schauspielerin

„Ich finde es gut, dass es in der Inszenierung so gelöst ist“, sagt Röhrle und meint eben nicht die Schwarz-Weiß-Malerei, die an anderen Orten zur Weihnachtszeit gehören mag wie Kerzenlicht und Glühweinduft. Die Wuppertaler Bühnen hingegen lösen das Dilemma, dass so manch märchenhafte Geschichte gute und böse Strippenzieher zu offensichtlich trennt, auf ihre ganz spezielle Weise: Sie malen die Welt nicht nur schwarz oder weiß, sondern bekennen Farbe, indem sie den dubiosen Dämon mit einem angenehm-verführerischen Zug versehen und den hilfreichen Geist gleichzeitig von seiner streng-überzogenen Seite zeigen.

Auch wenn sie im Scheinwerferlicht Gegenspieler sind: Hinter der Bühne verstehen sich Röhrle und Petri prächtig. Man spürt sofort, dass die Gast-Schauspieler schnell miteinander warm geworden sind. Dabei gibt es auch auf privater Ebene unterschiedliche Vorzeichen. Während Röhrles Vorfahren Naturwissenschaftler sind, steckt das Theater-Gen bei Andreas Petri (43) durchaus „in der Familie“: Seine Schwester ist TV-Schauspielerin Nina Petri. Heute verbindet sie eine märchenhafte Mission. Denn für beide gilt: „Die Vorstellungen, in denen viele Kinder im Publikum sitzen, sind die tollsten.“

Märchenhafte Aufgabe: Axel Röhrle spielt zum ersten Mal für Kinder

Röhrle genießt es, zum ersten Mal vor kleinen Zuschauern zu spielen. „Wenn man den Lärm der Schüler im Foyer hört, fragt man sich schon: Kriegen wir die heute? Sobald es los geht, herrscht aber absolute Ruhe. Das ist ein tolles Erlebnis.“ Kinder seien ein „total unmittelbares Publikum“, sagt Röhrle: „Wenn sie das Stück langweilt, schalten sie sofort ab. Wenn sie dran sind, freuen sie sich aber auch sehr.“ Vor allem dann, wenn – wie im Barmer Opernhaus – eine Pfeife explodiert. „Dann geht eine Welle durchs Publikum und man hört von allen Seiten: ,Boar, krass!’ “

Auch die Erwachsenen lernen so dazu – und staunen selbst: „Wir haben gemerkt, dass man, wenn Kinder unruhig werden, nicht etwa selbst lauter sprechen sollte, sondern leiser werden und sich zurücknehmen muss. Dann wird es auch im Saal wieder leiser.“ Deshalb ist das Familienstück eine ganz besondere Erfahrung – eine wichtige, wie das Duo betont: „Das Theater ist dabei, eine aussterbende Zunft zu werden. Wir brauchen junges Publikum.“ Da sind sich der gute Geist und der Vertreter der Weltagentur des Bösen vollkommen einig.

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